Der eigensinnige Kämpfer: Horst Seehofer hat starke Nerven. Mit der gleichen Beharrlichkeit, mit der er einst gegen die CDU-Kopfpauschale vorging, präsentiert sich der Bundesagrarminister jetzt im Wettstreit um den CSU-Vorsitz.
So kündigte Seehofer mit Blick auf die Favoriten-Rolle seines Konkurrenten Erwin Huber (l.) an: "Ich werde bis zur letzten Minute um jede Stimme kämpfen."
Die Chancen des 58-Jährigen auf den Parteivorsitz hatten sich durch den Medien-Wirbel um seine Berliner Geliebte verschlechtert. Mitte Juni bekannte sich Seehofer offen zu der gemeinsamen Tochter, entschied sich dann aber für seine Ehefrau, mit der er drei Kinder hat.
Von politischen Gegnern wurde Seehofer unter anderem vorgeworfen, zu lange für die Ordnung seiner privaten Verhältnisse gebraucht zu haben.
Die Karriere Seehofers zeigte lange Zeit steil nach oben. Mit 31 Jahren wurde er Bundestagsabgeordneter, mit 42 Jahren Bundesgesundheitsminister. Die Wahlniederlage der Union 1998 brachte einen Karriereknick. Als Fraktionsvize machte Seehofer einen kurzen Abstecher in die Europapolitik, kehrte 2000 aber in sein ursprüngliches Fachgebiet zurück.
Im Januar 2002 führte eine schwere Herzkrankheit zum vorläufigen Ausstieg aus der Politik. Das Herz Seehofers (Lieblingstier: Bär) war auf zehn Prozent Leistung geschrumpft.
Doch im Sommer 2002 meldete er sich zurück als Minister für Gesundheit und Soziales im Schattenkabinett von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU).
Für die Union handelte er mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) 2003 den Gesundheitskompromiss aus.
In der Union eckte Seehofer mehrfach an. Der Höhehepunkt der internen Streitigkeiten kam Ende 2004, als er wegen des Hick-Hacks um das Gesundheitsprämien-Modell der CDU als Vizechef der Unions-Fraktion im Bundestag zurücktrat.
Sein Amt als CSU-Vize behielt er allerdings - und erreichte bei der Bundestagswahl 2005 das zweitbeste Erststimmenergebnis für die Union auf Bundesebene.
Auf dem CSU-Parteitag setzt Seehofer vor allem auf seine Redekünste. Nach seiner eigenen Einschätzung kann das Auftreten der Kandidaten am Samstag "entscheidend sein". Dieses Foto zeigt Seehofer 2005 mit Günther Beckstein beim Altmühltaler Lammabtrieb.
Der CSU-Vizechef betonte sogar, er sei trotz der Unterstützung vieler CSU-Mandatsträger für seinen Konkurrenten Huber "zuversichtlich". Die Entscheidung liege schließlich bei den Delegierten.