Der FDP-Chef und seine Englisch-Kenntnisse: Der Hype um Guido Westerwave
zuletzt aktualisiert: 02.10.2009 - 16:19Berlin (RPO). Bei der Bundestagswahl war er der große Wahlsieger. Guido Westerwelle erreichte mit seiner FDP das beste Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Doch seit Montag sind vor allem im Internet seine Englisch-Kenntnisse ein Dauerthema. Als Reaktion zeigte sich der Parteichef bei der FDP-Präsidiumssitzung ganz weltgewandt. Doch die Witzeleien gehen weiter.
Schon vor Ende der Bundestagswahl suchte Guido Westerwelle immer wieder die Nähe von Hans-Dietrich Genscher. Und auch jetzt gilt der ehemalige und langjährige Außenminister als Ziehvater des 47-jährigen FDP-Parteichefs. Doch seit Sonntag ist klar: Guido Westerwelle könnte wirklich der neue Mann im Außenministerium werden.
Doch nicht über seine Position zu Afghanistan oder sein mögliches Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama wird nun heftig diskutiert. Die Englisch-Kenntnisse sind das Dauerthema, nachdem Westerwelle bei einer Pressekonferenz in Berlin es abgelehnt hatte, die Frage eines BBC-Reporters zur künftigen Außenpolitik in Englisch zu beantworten.
In Großbritannien werde ja auch erwartet, dass die Leute Englisch sprechen, hatte der FDP-Chef entgegnet. Und hinzugefügt: "Wir sind hier in Deutschland." Das hatte vor allem in der englischen Presse für bissige Kommentare gesorgt.
Und offenbar hat Westerwelle gemerkt, was für ein Aufsehen, diese auf den ersten Blick harmlose Äußerung hatte. Denn bei der gestrigen Präsidiumssitzung rechtfertigte er die etwas brüske Zurückweisung des englischen Journalisten mit Schlafmangel. Nach sehr kurzer Nacht habe er sich möglicherweise etwas scharfkantig gezeigt. Aber der Journalist habe schließlich schon vorher dreimal die gleiche Frage gestellt.
Westerwelle bat um Verständnis für sein Verhalten. Die Journalisten sollten mal in Paris oder London versuchen, eine Antwort auf Deutsch zu bekommen. Hierzulande jedenfalls solle die "wunderschöne deutsche Sprache" gesprochen worden. "Und mit Verlaub gesagt, ich bin ja nun auch schon in vielen Hauptstädten dieser Welt unterwegs gewesen und Sprachkompetenz war noch niemals ein Thema", erklärte er.
Hype im Internet
Für die Netzgemeinde kam diese Rechtfertigung reichlich spät. Seit Tagen kursiert in Blogs und im Kurznachrichtendienst Twitter das Video der Pressekonferenz. Und es wird eifrig diskutiert, ob ein Außenminister sich derart deutschsprachig zeigen darf.
Schon einmal hatte der FDP-Politiker sich mit mäßigen Kenntnissen der englischen Sprache hervorgetan. Das Internet vergisst nichts. Im Clip aus dem Jahr 2006, der unter "Westerwelle talking English" bei Youtube kursiert, philosophiert der FDP-Politiker auf Englisch über die Grundvoraussetzungen eines wirtschaftlich erfolgreichen Staats.
Es bedarf einer langen, acht Sekunden dauernden Denkpause bis der FDP-Chef mit unüberhörbar deutschem Akzent auf der Pressekonferenz zu einer Antwort ansetzt. Auch zwischendurch kommt es immer wieder zu längeren Zwischenstopps, während Westerwelle unter anderem mit Worten wie "The Aufschwung ist da" seine Ansichten zu formulieren versucht.
Die Schadenfreude geht sogar so weit, dass unter dem Pseudonym "Westerwave" nun seit einigen Tagen ein Spaßvogel als Guido Westerwelle twittert. Auf Englisch, versteht sich. Hier lesen sich Einträge wie "I am the coming germany outside minister. No one can reach me the water!" oder "I have just a difficult call - some ministers in the CDU think, they can dance on my nose around. That goes me on the alarm-clock. Really!" Nett ist auch: "Today I am early on the legs. A great mountain of work is waiting. On goes!"
Experten trauen Westerwelle Amt des Außenministers zu
Politikexperten trauen Westerwelle das Amt des Außenministers trotz seines Fauxpas zu. Der FDP-Chef sei ein "schneller Lerner", meint Jan Techau von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Er sei intelligent und wendig genug, sich schnell auf neue Themen einzustellen. Er erkenne auch sehr schnell, wann er sich ändern müsse.
Persönlich hat Westerwelle im Laufe seiner sieben Jahre als Generalsekretär sowie seiner acht Jahre als Parteichef schon beachtliche Wandlungen durchgemacht. Die Zeiten, in denen er im Guidomobil durch die Lande zog, sich eine gelbe 18 auf die Schuhsohle brennen ließ und den Big-Brother-Container besuchte, sind definitiv vorbei. Westerwelle ist im Amt gereift und seriöser geworden.
Mit seiner Vorliebe für die deutsche Sprache hat Westerwelle indes schon mal eines mit dem Koalitionswunschpartner CDU/CSU gemeinsam. Die CDU hatte sich Anfang Dezember auf ihrem Bundesparteitag in Stuttgart dafür ausgesprochen, ein Bekenntnis zur deutschen Sprache im Grundgesetz zu verankern. Danach soll der Artikel 22 um die Formulierung "Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch" ergänzt werden. Auch führende CSU-Politiker haben bereits dafür plädiert, der deutschen Sprache Verfassungsrang einzuräumen.
Doch Guido Westerwelle ist selbstkritisch genug, dass er erkannt hat, welche Welle er mit seiner Äußerung gegenüber dem BBC-Redakteur ausgelöst hat. Am Donnerstag begrüßte der Partei-Chef die wartenden Journalisten auf Englisch und Französisch mit den Worten "Welcome" und "Bienvenue". Bis zu seiner möglichen Einberufung als Außenminister hat er ja auch noch ein bisschen Zeit, sein Vokabular ein bisschen aufzubessern.
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