kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Lafontaine rotes Gesicht Panorama 0907831
  Foto: ddp, ddp
Kommentare ()

Oskar Lafontaine: Der letzte König von Saarbrücken

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 31.08.2009 - 13:00

Saarbrücken (RPO). Oskar Lafontaine ist der Sieger des Wahlabends. Auch wenn es nicht für ein Comeback als Ministerpräsident des Saarlands gereicht hat - dank des rekordverdächtigen Wahlergebnisses geht ohne den Linken-Chef in Saarbrücken nichts. Gleichzeitig ist das gute Abschneiden der Linkspartei ein Fingerzeig für die Zukunft.

Oskar Lafontaine trägt sein Selbstbewusstsein am Sonntagabend offen zur Schau. Später als alle anderen Kandidaten kommt er mit seiner Frau Christa Müller in die Congresshalle in Saarbrücken. Sichtbar genießt er das Blitzlichtgewitter, die mediale Aufmerksamkeit - und vor allem diesen nochmaligen Höhepunkt im Herbst seiner politischen Karriere. Die Inszenierung hat einen Grund, Oskar, einstmals König von Saarbrücken, ist wieder da.

Knapp zwei Stunden zuvor haben die TV-Sender und Nachrichtenagenturen einen Rekord vermeldet: Die Linke holt an der Saar mehr als 20 Prozent - ein Novum in einem westdeutschen Flächenland. Das vorläufige amtliche Endergebnis "sagt etwas über den Wunsch der Bevölkerung aus, wer im Saarland regieren soll", erklärte er im Saarländischen Rundfunk.

Ganz unbescheiden gibt Lafontaine zu, dass diese bereits im Vorfeld der Wahlen abzusehende Entwicklung vor allem mit ihm zu tun habe. Gleichwohl: Auch die Wahlforscher kommen zu diesem Ergebnis. "Lafo", wie ihn Freund und Feind nennt, hat noch enormen Kredit aus seiner Regentschaft als Ministerpräsident von 1985 bis 1998.

Lafontaine ging es bei seiner Kandidatur nicht nur um den politischen Sieg seiner Partei - es ging ihm auch um persönliche Genugtuung, Rache. Bis heute hängt es dem einstigen SPD-Chef nach, dass er vor zehn Jahren überraschend von all seinen Ämtern in der SPD und als Finanzminister aus der Bundespolitik abgedankt hatte. Als er sich dann deren Rivalin im linken Lager, der Linkspartei, anschloss, wurde er von vielen seiner einstigen Weggefährten wegen des Hochverrats als "Persona non grata" ausgegrenzt.

Nun ist er - zumindest im Saarland - wieder willkommen. Für ein Comeback als Regent hat es letztlich nicht gereicht, Lafontaine war wahrscheinlich von Anfang an als Zugpferd eingeplant gewesen. "Ich bin als Ministerpräsidenten-Kandidat angetreten und habe dieses Ziel verfehlt. Deshalb werde ich meine Arbeit in Berlin fortsetzen", sagte Lafontaine.

Doch vorher gilt es, die Thronfolge zu regeln. SPD-Spitzenkandidat Heiko Müller ist auf Lafontaines Hilfe angewiesen. Pikant: 1996 holte der damalige SPD-Ministerpräsident Maas als Staatssekretär ins Umweltministerium. Und jetzt wird Lafontaine seinen einstigen Kronprinzen zum Ministerpräsidenten in einer rot-rot-grünen Koalition machen. 

Dahinter steckt nicht nur Gutmenschentum, sondern auch politisches Kalkül. Rot-rot-grün könnte mittelfristig ein Fingerzeig für zukünftige politische Konstellationen im Bund sein. Der Weg nach Berlin führt in diesem Fall über Saarbrücken, denn mit einer funktionierenden Links-Koalition erodiert allmählich auch der Widerstand im Bund. Schon nach 2013, so hoffen auch viele SPD-Linke, soll die (derzeit bestehende) strukturelle linke Mehrheit auch im Bundestag in politische Macht umgesetzt werden.

Dass die SPD und die Linke wieder zusammenwachsen, sieht Lafontaine hingegen nicht - zumindest in der Öffentlichkeit. Im Saarland sei die Schnittmenge der Themen zwar groß, aber bundesweit gäbe es noch einige "Gräben", etwa die komplette Ablehnung der Linken des Afghanistan-Einsatzes.

Aber: Das avisierte Linksbündnis ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Grünen legten sich vor der Wahl nicht fest. Und Maas hat mit Lafontaine schlechte Erfahrungen gemacht. 2004 holte er, obgleich die Genossen in Berlin entsetzt die Köpfe schüttelten, Lafontaine im Wahlkampf 2004 sogar als Berater in sein Team, um die SPD-Stammwähler an der Saar an sich zu binden.

Der Schuss ging nach hinten los: Nur vier Wochen vor der Wahl drohte Lafontaine, sich in einer Linkspartei zu engagieren, sollte die SPD am Reformkurs und am damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder festhalten. Die SPD stürzte um über 13 Punkte auf 30,8 Prozent ab. Am Sonntag waren es nur noch 24,5 Prozent. Dem König wirds gefallen haben.

Mehr zum Saarland  
Analyse

Mit Agenturmaterial.


 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Der Bundespräsident fordert die israelische Regierung auf, in der Siedlungspolitik ein konstruktives Zeichen für die Palästinenser zu setzen ... mehr 

Mubarak spottet über neue Politikergeneration

Ägyptens Ex-Präsident

Mubarak spottet über Politiker

Mit Hohn und Spott verfolgt Ex-Präsident Husni Mubarak die neue Generation ägyptischer Politiker. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Ägyptens Ex-Präsident

Mubarak spottet über Politiker

Warum Hollande Syrien mit Militär droht

Präsident im Kriegsmodus

Schmutz-Wahlkampf in den USA

Obama macht Romney zum Vampir

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Der Bundespräsident fordert die israelische Regierung auf, in der Siedlungspolitik ein konstruktives Zeichen für die Palästinenser zu setzen. Seine zweifelnden Äußerungen über das Einstehen Deutschlands für Israel im Ernstfall sorgen für Aufregung. VON Birgit Marschall  mehr

 

Schröder hält am Krippenausbau fest

"Wir dürfen die Eltern nicht enttäuschen"

 

Ministerin will auf Uni-Bewertung warten

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 
 

Streitpunkt Vorratsdaten

EU-Kommission wird Deutschland verklagen

 

Merkel nur noch knapp vorn

Kraft stürmt die Beliebtheits-Charts

Top-Services