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Kommentar zum Abschied von Roland Koch: Der letzte Rock'n'Roller geht

VON SVEN GÖSMANN - zuletzt aktualisiert: 25.05.2010 - 15:14

Düsseldorf (RP). Roland Koch tritt ab. Der hessische Ministerpräsident verblüfft mit seinem brutalstmöglichen Rücktritt ein letztes Mal die deutsche Öffentlichkeit.

Viele freuen sich über den Abgang dieses CDU-Politikers, der wie kein Zweiter mehr in der deutschen Politik polarisiert: Ob CDU-Spendenaffäre,  die Unterschriftenkampagne gegen die von Rot-Grün geplante doppelte Staatsbürgerschaft, mit der 1999 in Hessen gewann, kriminielle ausländische Jugendliche, der Sieg im Nervenkrieg mit Andrea Ypsilanti um die Macht 2008 oder zuletzt sein Satz vom "Sparen ohne Tabus auch in der Bildungs- und Familienpolitik" – Koch war immer für Aufreger gut, die aber eben auch Anreger für eine gesellschaftliche Debatte waren.

Sein letzter Coup war jetzt der sorgfältig abgeschottete Rücktrittsplan. Während er in den Wochen nach der NRW-Wahl seiner ungeliebten Kanzlerin und Parteivorsitzenden Angela Merkel noch eine CDU-Richtungsdebatte aufzwang, gar die Hoffnungen des konservativen Parteiflügels auf einen Aufstand gegen die Chefin befeuerte, bereitete er schon sein Ausscheiden aus der Politik vor. Dass er seinen Rücktritt ausgerechnete bekanntgab, als Angela Merkel am Arabischen Golf die Ölscheichs besuchte, ist wohl ein letzter kleiner Nadelstich des trickreichen Ronald.

Die Größe dieses Abgangs bleibt fraglich. Er soll wie ein frei gewählter wirken, er ist aber so ganz freiwillig nicht. Seine Wiederwahl wäre für Koch, der dann 13 Jahre Hessen regiert hätte, unwahrscheinlich gewesen. Die Wege nach Berlin in ein Ministeramt blockierte Merkel, die zudem noch auf dem von Koch eigentlich angestrebten Kanzlerstuhl sitzt. Mit 52 Jahren da noch einmal Neues zu wagen, auch mehr Geld zu verdienen – der von Koch geschätzte Friedrich Merz, noch so ein Merkel-Gegner/-Opfer hat es vorgemacht.

Roland Koch ist ein Verlust für die deutsche Politik. Wie immer man zu ihm stehen mag, er war ein strategischer Kopf, ein niemanden gleichgültig lassender Machtpolitiker. Nach Merz und Steinbrück, Lafontaine, Schröder und Joschka Fischer geht wieder einer, der Menschen begeistern und eben auch provozieren konnte. Der letzte Rock’n’ Roller der deutschen Politik ist in Frührente. Was bleibt, sind Volksmusikanten.

Quelle: RP

 
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