Hessens Ministerpräsident hat sich verändert: Der neue Roland Koch
VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 12.11.2008 - 16:26Berlin/Wiesbaden(RP). Der einstige CDU-Hardliner hat eine bemerkenswerte Verwandlung durchgemacht. Der alte und wohl auch neue Ministerpräsident von Hessen hat verhärtete Fronten aufgelöst, unhaltbare Positionen geräumt und ist auf die Grünen zugegangen. In der CDU ist er längst wieder ein Schwergewicht.
Am Ende waren es genau die 3595 Stimmen, die Roland Koch (CDU) bei den Wahlen am 27. Januar vor seiner Rivalin Andrea Ypsilanti (SPD) lag. Der hauchdünne Vorsprung sichert dem CDU-Ministerpräsidenten bis heute das politische Überleben. Ypsilanti konnte und wollte damals keine große Koalition mit dem ungeliebten CDU-Politiker als Chef eingehen. Der Rest ist Geschichte.
Jetzt ist Koch wieder zurück im politischen Geschäft. Ganz weg war er ohnehin nie. Denn als geschäftsführender Ministerpräsident zog er geschickt die Strippen, trickste mal das informelle Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei aus, machte dann auch wieder gemeinsame Sache. Sogar eine Novelle des Schulgesetzes, das die missglückte Reform des achtjährigen Gymnasiums nachbesserte, schaffte er im breiten Konsens.
Koch ist zurück – und es ist ein anderer Koch. Selbst im kleinsten Kreis schüttete er keine Häme aus über Ypsilanti, seine gescheiterte Rivalin. Im Präsidium und im Bundesvorstand seiner Partei am gestrigen Montag, als ihn alle feierten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sogar bekannte, sie habe sich über die Ereignisse in Hessen „unheimlich gefreut“, blieb Koch zurückhaltend und nüchtern.
Seinem neuen Gegner, Thorsten Schäfer-Gümbel, bescheinigte er sogar, ein „tüchtiger Abgeordneter und ein emsiger Typ“ zu sein. Und zum anstehenden Wahlkampf sagte er im Kreis seiner Parteifreunde nur: „Wir haben jetzt alle Chancen, wieder stabile Verhältnisse zu schaffen.“ Das klingt nicht nach Triumphgeheul. Und es ist wohl auch auszuschließen, dass Koch noch einmal mit härteren Strafen für kriminelle ausländische Jugendliche auf Wählerfang geht.
Koch hat gelernt
Der rot-rot-grüne Koalitionsvertrag hat ihm genug Wahlkampfmunition geliefert. Wirtschaft und Flughäfen, Autobahnen und Kohlekraftwerke werden im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen. Koch wird aber nicht polemisieren, sondern auf anderen Gebieten den ökologischen und sozialen Ausgleich dafür finden. „Ich habe verstanden“, war eines der Lieblingsworte des hessischen CDU-Politikers in jüngster Zeit.
Koch werde nicht noch einmal seine Gegner „so extrem mobilisieren“, meint auch Politik-Professor Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin. Der hessische Ministerpräsident werde peinlich darauf achten, den Wahlkampf „nicht zu konfrontativ“ anzugehen. „Das hat Koch gelernt“, meint der Berliner Politikwissenschaftler.
Parteienforscher Niedermayer erwartet einen klaren Wahlsieg von Schwarz-Gelb. „Alles andere wäre eine Riesenüberraschung.“ Auszuschließen ist ein bürgerliches Bündnis (CDU und FDP) mit den Grünen. „Da passen auch die Akteure nicht zueinander“, meint Niedermayer. Koch selbst ist offener. „Die Debatte über eine Schnittmenge mit den Grünen wird fortgesetzt“, sagte er am Wochenende. Der Verwandlungskünstler vom Main ist offenbar immer für eine Überraschung gut. Und getäuscht haben sich schon viele in ihm.
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