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Studie: 20 Jahre nach dem Mauerfall: Der Osten hängt noch immer hinterher

zuletzt aktualisiert: 27.08.2009 - 19:40

Berlin (RPO). Gewaltige Summen sind in den vergangenen 20 Jahren nach Ostdeutschland geflossen. Schätzungen gehen von bis 1,5 Billionen Euro netto aus, die seit der Wiedervereinigung über die Elbe transferiert wurden. Grund genug für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), am Donnerstag eine "ökonomische Bilanz" dieser Aufbauhilfe für den Osten vorzulegen. Das Fazit: Der Osten hängt noch immer hinterher.

Neben einem Rückblick und der Bestandsaufnahme sollen zugleich auch Perspektiven aufgezeigt werden. Der DIW-Präsident erinnerte an die Erwartungen zu Beginn des Mauerfalls. 1989 sei angenommen worden, "über Nacht gute Ergebnisse ohne großen Aufwand" erreichen zu können. Daran gemessen hätten sich die "überschäumenden Erwartungen" nicht erfüllt.

 Insgesamt habe die wirtschaftliche Entwicklung zwischen Kap Arkona und dem Fichtelberg tatsächlich aber "positive Fortschritte" gemacht. Dazu referiert sein Institut noch einmal die Ausgangslage: 2,5 Millionen Jobs gingen in der Industrie verloren, Tausende Unternehmen wurden liquidiert.

1992 erwirtschaftete Ostdeutschland laut DIW rund 3,4 Prozent des gesamtdeutschen Bruttoinlandsprodukts. Seitdem hat sich der Anteil auf gut zehn Prozent erhöht. Die Bruttowertschöpfung je Arbeitnehmer stieg von weniger als 25 Prozent des Westniveaus im Jahr 1991 auf 78,3 Prozent 2008. Es sei nach einer "fast vollständigen Deindustrialisierung gelungen, wieder ein beachtliches industrielles Wachstum zu erreichen", resümierte Zimmermann.

Sachsen-Anhalts ehemaliger Finanzminister Karl-Heinz Paqué bezeichnete die weitere Verringerung des Produktivitätsunterschiedes als zentrale Aufgabe für die weitere Angleichung. Zugleich pries der Forscher der Magdeburger Universität die geringeren Löhne und die höhere Flexibilität des Arbeitsmarktes als Standortvorteile. "Die Tarifpartner haben nicht die Kartellmacht wie im Westen" fasste er zusammen. Mit Blick auf die Transferleistungen sagte Paqué weiter, dass ein Großteil davon auch in Renten geflossen sei. Dabei wäre die Frage nach der "Anerkennung der Lebensleistung" zentral gewesen.

Einig waren sich die Experten, dass die bessere Verknüpfung zwischen den Unternehmen und den Hochschulen erfolgen müsse. Die Innovationskraft der Wirtschaft erreiche nur die Hälfte des Westniveaus. Die weitere Förderung müsse daher anstatt wie bislang in Beton nun in Köpfe erfolgen.

Große Probleme bereitet der ostdeutschen Wirtschaft zudem weiter die Demografie. Seit 1990 hätten rund zwei Millionen Menschen ihrer Heimat den Rücken gekehrt, erklärte Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut in Dresden. Im Gegensatz dazu sei der Gang nach Ostdeutschland vor allem für Hochqualifizierte wegen der geringeren Verdienstmöglichkeiten und der dadurch oftmals unattraktiven Jobs schlichtweg wenig reizvoll. Trotz des Arbeitskräftemangels werde die Arbeitslosigkeit vergleichsweise hoch bleiben.

Gleichwohl wünsche er sich, in 20 Jahren sagen zu können, dass der Aufbau Ost abgeschlossen sei, sagte Ragnitz. Doch nahezu im selben Atemzug dämpfte er die Hoffnungen wieder: Entsprechende Theorien gingen von 40 bis 80 Jahren aus.

Quelle: DDP/csi

 
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