Neue IW-Studie: Der Osten holt schneller auf als erwartet
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 03.11.2009 - 12:02Berlin (RPO). Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall zieht das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine positive Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung in den neuen Bundesländern. Zwar habe sich das Versprechen der "blühenden Landschaften" als Fehler erwiesen. Der Osten hole jedoch schneller auf als erwartet. Bereits in zwölf Jahren könnten einige Regionen West-Niveau erreichen.
Laut Studie, die unserer Redaktion vorliegt, wuchs die ostdeutsche Wirtschaft in den vergangenen 20 Jahren beinahe doppelt so schnell von Fachleuten erwartet. Durch die massive Förderung des Ostens vornehmlich durch den Solidarzuschlag werden neue Bundesländer demnach bereits in rund zwölf Jahren das Niveau von strukturschwächeren Westländern wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein erreichen.
Vorreiter des Wandels im Osten Deutschlands ist nach IW-Einschätzung die Industrie, die mittlerweile ein Fünftel zur Bruttowertschöpfung beiträgt - im Westen sind es 25 Prozent. Befürchtungen, das Gebiet der ehemaligen DDR, könne zu einer riesigen Brache im Herzen Europas werden, erfüllten sich damit nicht. Denn die Industrie des Ostens schwenkte laut IW bereits im Jahr 1992 auf soliden Wachstumskurs. Am schnellsten wuchs dabei Thüringen mit im Schnitt zehn Prozent, gefolgt von Brandenburg mit immerhin acht Prozent.
Auch bei der Arbeitslosigkeit hole der Osten auf, erklärte IW-Chef Michael Hüther in Berlin. Noch 2005 lag die Arbeitslosigkeit im Schnitt bei 18,7 Prozent. Sie sank bis Oktober 2009 auf 11,8 Prozent. Die aktuelle Krise trifft zudem die Beschäftigten im Westen stärker als im Osten, weil dort in exportorientierten Branchen zurzeit deutlich mehr Jobs gestrichen werden.
Dennoch steht auch die ostdeutsche Wirtschaft auch in den kommenden Jahren vor massiven Herausforderungen. Denn einige Regionen drohen den Anschluss an den Aufschwung zu verlieren. Die Küstenregion Mecklenburgs leidet unter dem jüngsten Werftsterben und fehlenden Arbeitsplätzen. Auch die Hauptstadt Berlin bleibt ein Sorgenkind. Seit dem Jahr 2000 schrumpft das Bruttosozialprodukt der Hauptstadt um durchschnittlich 0,2 Prozent im Jahr.
Zudem sei es bisher zu selten gelungen, Hightech-Unternehmen im Osten zu verankern. Außer einigen Leuchturmprojekten, beispielsweise in Dresden und Sachsen-Anhalt, hinkt der Osten laut IW weit hinterher. Weitere Herausforderung sei der massenhafte Wegzug der jungen Generation. Allein aus Mecklenburg-Vorpommern wanderten demnach seit 1991 mehr als 120.000 Menschen aus. Hier zeichnet sich laut IW bereits heute ein Fachkräftemangel ab.
Dennoch zeigen sich die Experten zuversichtlich, dass der bisherige Solidaritätszuschlag in etwa zwölf Jahren abgeschafft werden könne. Um die dann verblieben Ungleichheiten abzumildern, reicht nach Einschätzung des IW dann der normale Länderfinanzausgleich in Verbindung mit regionalen Förderungen aus.
Ohnehin müsse man sich von der Lebenslüge verabschieden, dass es in allen Regionen Deutschland das gleiche Niveau geben müsse. Unterschiede zwischen Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg werde es ebenso geben wie Unterschiede zwischen Westländern wie Schleswig-Holstein und Bayern.
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