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  Foto: AP, AP
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Althaus-Wahlkampf in Thüringen: Der Schatten des Ski-Unfalls

VON CARSTEN FIEDLER - zuletzt aktualisiert: 16.08.2009 - 12:24

Düsseldorf (RP). Dieter Althaus kämpft nicht nur gegen den politischen Gegner – sondern auch gegen die Folgen des tödlichen Unglücks auf der Riesneralm am Neujahrstag. Die absolute Mehrheit hat die CDU in den Umfragen verloren, eine große Koalition erscheint möglich. Ausgerechnet SPD-Spitzenkandidat Christoph Matschie wirft Althaus im Wahlkampf-Endspurt vor, er könne mit der Schuld am Tod eines Menschen nicht umgehen.

Hände schütteln, Menschen umarmen, Autogramme schreiben und dabei immer lächeln: Dieter Althaus spult sein Pensum routiniert ab. Vormittags Staatskanzlei in Erfurt, nachmittags Wahlkampf auf der Straße, mit mehr als 100 Auftritten bis zur Entscheidung am 30. August. Braungebrannt ist er, dynamisch, drahtig, fast so wie vor seinem tragischen Ski-Unfall am Neujahrstag. Drei, vier Kilo fehlten ihm noch bis zu seinem Idealgewicht, erzählt er seinen Zuhörern freimütig.

Dieter Althaus, der Kümmerer

Zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Thüringen sagt der 51-Jährige CDU-Politiker: "Ich bin topfit. Es gibt keine Beeinträchtigung mehr." Daran sollen auch die Wahlplakate keinen Zweifel lassen, auf denen er als fürsorglicher Landesvater inmitten der Bürger des Freistaates posiert. Dieter Althaus, der Kümmerer. "Thüringen gut gemacht!", lautet die schlichte Wahlbotschaft. Gut sieben Monate nach dem Unglück in Österreich, das von manchen Beobachtern als unumgängliches Aus seiner politischen Karriere gedeutet wurde, hat Althaus gute Chancen, als Regierungschef wiedergewählt zu werden. Die absolute Mehrheit im Landtag ist zwar in weite Ferne gerückt; die jüngste Umfrage sieht die Union mit 34 Prozent aber eindeutig als stärkste Kraft. Die Linkspartei folgt weit dahinter mit 24 Prozent, noch vor der SPD mit 20 Prozent. Schwarz-Gelb oder Schwarz-Rot sind die wahrscheinlichsten Konstellationen.

Matschie sieht „schamlose Selbstinszenierung“

Ausgerechnet der Spitzenkandidat des möglichen Koalitionspartners SPD, Christoph Matschie, hat Althaus im Wahlkampf nun persönlich angegriffen. Das Fass zum Überlaufen brachte für den Pfarrerssohn, dass auf den Wahlplakaten der CDU neben Althaus auch eine junge Mutter mit Baby abgebildet ist. Der SPD-Herausforderer sieht darin eine „schamlose Selbstinszenierung“ des Ministerpräsidenten. Immerhin sei bei dem schweren Unfall in Österreich eine junge Mutter ums Leben gekommen, Althaus sei wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Sein Gegenspieler instrumentalisiere den Unfall für den Wahlkampf, kritisiert Theologe Matschie: "Wer so mit seiner Schuld am Tod eines Menschen umgeht, der muss sich fragen, ob er die Qualitäten hat, das Land zu führen."

Fragen will Althaus nicht verbieten

Dabei sollte der Ski-Unfall, nach dem Althaus wochenlang wegen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas behandelt worden war, im Wahlkampf eigentlich gar nicht zur Sprache kommen. Doch dann gab Althaus Zeitungsinterviews, in denen er über das tödliche Unglück und die Folgen sprach. Er bete für die Familie des Opfers. Er wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, hieß es da. Seine Frau wurde mit dem Satz zitiert, ihr Mann sei nach dem Unfall noch sensibler geworden.

Jetzt wird also doch öffentlich über den Schicksalsschlag diskutiert. Althaus erklärt, er könne die Aufregung nicht nachvollziehen: Er habe nichts anderes getan, als den Journalisten geantwortet. Fragen könne er nicht verbieten, "schließlich haben wir zu DDR-Zeiten für diese Form der Medienfreiheit gekämpft". Ein knappes Dutzend Großveranstaltungen auf Marktplätzen habe er im Wahlkampf schon hinter sich: "Bei den Menschen draußen spielt das Thema überhaupt keine Rolle".

„Ich bin austherapiert“

Althaus sagt: „Ich bin austherapiert“. Er arbeite 18 Stunden am Tag, genau wie vor dem Unfall, und wenn er dass nicht gekonnt hätte, "hätte ich gar nicht erst wieder angefangen". Ob er eine Belastung spüre, ob er sich mit der Frage von Schuld auseinandersetze? "Natürlich weiß ich als guter Katholik, wie ich mit dem Thema umzugehen habe". Punkt, Aus. Dann redet er über Bildung, Familie, Mittelstand und die Erfolge, die seine Regierung in diesen Bereichen erzielt habe.

Ob der Unfall und seine Folgen für die politische Konkurrenz wirklich taugen, um Althaus im Wahlkampf-Endspurt zu schaden, ist höchst zweifelhaft: Könnten die Thüringer den Ministerpräsidenten direkt wählen, sprachen sich bei einer Umfrage zuletzt 42 Prozent für Althaus aus. Im Dezember 2008, einen Monat vor dem Unfall, lag er bei gerade einmal 34 Prozent. „Nach der Regierungsumbildung im letzten Jahr hatte Althaus abgewirtschaftet, jetzt sieht es anders aus“, sagt Bodo Ramelow, Spitzenkandidat der Linken. Zwar könnte es rein rechnerisch eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün geben. SPD-Spitzenkandidat Matschie hat jedoch einen dunkelroten Ministerpräsidenten Ramelow ausgeschlossen – und da die Linke in den Umfragen deutlich vor der SPD liegt, ist solch ein Bündnis so gut wie ausgeschlossen.

Vom Ziel 45 Prozent plus X verabschiedet

Von seinem ursprünglichen Ziel 45 Prozent plus X, um der CDU für eine weitere Wahlperiode die absolute Mehrheit zu sichern, hat Althaus sich längst verabschiedet. Er spricht nun von der „Gestaltungsmehrheit“, die er erreichen will. Die FDP ist der bevorzugte Partner, aber notfalls, so meinen Beobachter, könnte er sich in einer großen Koalition wohl auch mit seinem schärfsten Kritiker Matschie arrangieren.

Im Kampf um die Staatskanzlei hat Althaus gute Chancen, erneut zu gewinnen. Die Aufarbeitung seines persönlichen Schicksals dürfte ihn deutlich mehr Kraft kosten.

Quelle: RP

 
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