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GERMANY-AFGHANISTAN-POLITICS-DEFENSE-JUNG
  Foto: AFP, AFP
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Franz Josef Jung: Der umstrittene Minister

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 26.11.2009 - 21:30

Berlin (RP). Franz Josef Jung kennt das Gefühl, zurücktreten zu müssen. Obwohl man nichts weiß. Oder weil man nichts weiß? Jedenfalls angeblich nicht über wichtige Informationen verfügt. Vor neun Jahren war das so. CDU-Ministerpräsident Roland Koch brauchte in der Schwarze-Kassen-Affäre in Wiesbaden einen Schuldigen ­ es traf seinen Staatskanzleichef Jung, vormals hessischer CDU-Generalsekretär. Weg war er. Doch er kam wieder.

Sein Organisationstalent, seine Steher-Qualitäten, seine Strippenzieher-Erfahrungen waren Koch viel zu wichtig, um auf seine loyale Allzweckwaffe Jung verzichten zu wollen. Jung wurde zweieinhalb Jahre nach seinem Rücktritt hessischer CDU-Fraktionschef und hielt damit Koch den Rücken frei. Und als dieser 2005 einen "Aufpasser" für die Bundesregierung brauchte, zog Jung ins Kabinett ein und hielt nun Merkel den Rücken frei.

Keine heiße Sympathie für den Chef

Hier arbeitete er sich mit Fleiß und Fingerspitzengefühl gründlich ein. Wenn die Soldaten auch keine heiße Sympathie für ihren Chef entwickelten, so doch Respekt und Anerkennung. Nach den finanziellen Entbehrungen der zurückliegenden Regierungen sorgte Jung wieder für ein Milliarden-Wachstum im Bundeswehr-Etat. Das zeigte bereits, dass auch Merkel hinter ihm stand. So oft Jung als Abschusskandidat angeblicher Kabinettsumbildungen genannt wurde, so oft kam aus dem Kanzleramt das klare Dementi: Merkel fand Gefallen an dem Hessen, der privat ein freundlicher und gewinnender Mensch ist, in der Öffentlichkeit aber hölzern und umständlich wirkt.

Reporter zur Verzweiflung gebracht

Hörfunk- und Fernsehreporter brachte er bei seinen Truppenbesuchen zur Verzweiflung, wenn sie die Jung'schen O-Töne nach sendefähigen Sätzen durchsuchten: Durchgeschachtelte Formulierungen und dann die Jung-Versatzstücke mit der berühmten "friedlichen Entwicklung", von Jung ins Hessische zur "friedschen Entwicklung" gewandelt.

Menschen mitnehmen durch überzeugende Rhetorik ­ das ist nicht Jungs Ding. Aber ein Gespür für Dinge entwickeln, die getan werden müssen, das um so stärker. Als er zum ersten Mal im nordafghanischen Kundus vor dem Gedenkstein mit den Namen der im Einsatz getöteten Bundeswehrsoldaten stand, hatte er sofort die Idee für ein Ehrenmal der Bundeswehr. Als eine seiner letzten Amtshandlungen konnte er es im Spätsommer einweihen.

Jung wurde kalt erwischt

Das Luftschlags-Video und der Feldjäger-Bericht haben Jung kalt erwischt. Davon nichts gewusst zu haben, zeugt von dramatischer Schwäche in einem Zusammenhang, der eigentlich Jungs Stärke ausmacht: Eine Administration optimal aufzustellen, damit der Laden reibungslos funktioniert. Vielleicht hatte er geahnt, dass in Sachen Tanklaster-Bombardierung noch einiges im Argen liegt. Denn der Nato-Abschlussbericht über den Luftschlag kam in der Nacht nach Jungs Verabschiedung in Berlin an. Wer das für einen Zufall hält, glaubt auch an den Osterhasen.

Die Gründe für den Verbleib im Amt

Zwei Umstände ließen Jung am Donnerstag im Amt bleiben: Mit den Entlassungen auf der Führungsebene des Ministeriums hatte Karl-Theodor zu Guttenberg den größten Druck aus dem Kessel genommen. Wären hier inzwischen zwei Neue am Ruder gewesen, hätten sich alle Blicke nur auf Jung gerichtet. Der zweite Grund hat mit Jungs neuem Job im Arbeitsministerium zu tun. Den würde sich Koch als geborener "Nachrücker" ins Kabinett nicht antun. Also müsste Merkel das Kabinett an mehreren Stellen umbauen und etwa Kanzleramtsminister Ronald Pofalla auf die Jung-Stelle schieben. Wozu die Chefin aber wenig Neigung verspürt. So bringen Jungs Krisenbewältiger-Qualitäten und die Detail-Untersuchungen in den nächsten Wochen die Antwort auf die Frage, ob er sich halten wird.


 
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