Aktuelle Umfrage: Deutsche sorgen sich um den Sozialstaat
VON J. HORN UND D. SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 07.04.2011 - 19:28Düsseldorf (RPO). Höhere Steuern, weniger Sozialleistungen: In Deutschland geht es bergab mit dem Sozialstaat - dieser Ansicht ist zumindest eine Mehrheit der Bundesbürger. Viele rechnen zudem damit, dass der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft künftig abnimmt, wie eine Infas-Umfrage für die Bertelsmann Stiftung ergab.
Mehr als 60 Prozent rechnen demnach damit, dass sich zum Beispiel das Niveau der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung in Zukunft verschlechtern wird. 63 Prozent der Befragten glauben, dass die Einkommensunterschiede in den kommenden Jahren größer werden. Nur 16 Prozent erwarten eine positive Entwicklung in dieser Frage. Rund 50 Prozent bangen der Entwicklung der gesetzlichen Pflege- und Arbeitslosenversicherung entgegen. Bei der Steuer- und Abgabenlast erwartet die große Mehrheit der Befragten (78 Prozent) im Jahr 2020 ein deutlich höheres Niveau.
Und das betrifft nicht nur die Allgemeinheit, wie die Befragten glauben, sondern hat auch Auswirkungen auf die eigene Zukunft. Immerhin 42 Prozent erwarten, dass die individuellen Aufstiegschancen schlechter werden. Die soziale Marktwirtschaft sehen dennoch derzeit mehr als 70 Prozent in Deutschland verwirklicht.
Wirtschaft ist ein Lichtblick
Aber nicht nur die Zukunft sieht düster aus. Im Schnitt sagt jeder Zweite, dass soziale und gesundheitliche Leistungen heute schon zu Wünschen übrig lassen. In der Verantwortung für die heutige und auch die künftige Misere sehen 90 Prozent der Deutschen den Staat. Allerdings nicht ausschließlich, auch jeder Einzelne sei gefordert, sich um die soziale Sicherheit zu kümmern.
Auch der soziale Zusammenhalt löst beim Blick in die Zukunft Skepsis aus. Mehr als 50 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich der Zusammenhalt abschwächen wird.
In der Umfrage wird aber nicht nur schwarz gesehen: Die Wirtschaft wird sich in den nächsten zehn Jahren positiv entwickeln, sagen mehr als 40 Prozent der Befragten. Lediglich 19 Prozent glauben das nicht. Ein stärkeres Wirtschaftswachstum erwarten 38 Prozent. Bis 2020 wird nach Ansicht der Befragten die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen steigen. Genau so viele gehen auch von einem stärkeren Wachstum aus.
Die meisten sehen den Staat in der Pflicht
Trotz der oft beklagten Defizite im deutschen Bildungssystem glauben 41 Prozent an eine größere Leistungsfähigkeit der Schüler im internationalen Vergleich im Jahr 2020. Nur 18 Prozent denken, das Leistungsniveau werde sinken.
In Fragen der sozialen Sicherheit sehen fast alle Befragten (93 Prozent) den Staat in der Pflicht. Allerdings geben zugleich 92 Prozent an, dass sich auch jeder Einzelne einbringen müsse. Eine wichtige Rolle bei der sozialen Sicherheit weisen die Deutschen den Arbeitgebern und den Familien (jeweils 85 Prozent) zu. Weniger wichtig wird die Rolle der Gewerkschaften (63 Prozent) sowie der Kirchen und Wohlfahrtsverbände (46 Prozent) eingeschätzt.
Die Umfrage wurde vom Infas-Institut vom 2. bis 27. März unter 1000 Personen ab 18 Jahren durchgeführt.
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