Umfrage: Größter Handlungsbedarf an Schulen: Deutsche wollen mehr Reformen in der Bildung
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 14.04.2011 - 14:48Berlin (RPO). In die Schulen wird zu wenig investiert, die Politik hat keinen Mut zur Reform, kurzum: Im deutschen Bildungssystem läuft etwas schief. Dieser Ansicht sind viele Deutsche, wie eine aktuelle Umfrage ergab. Dabei sind die Bundesbürger auch bereit, Opfer zu bringen, um an den Gegebenheiten etwas zu ändern.
Immer wieder haben Politiker bis zur Bundeskanzlerin betont, wie wichtig Bildung ist. Da gab es den Bildungsgipfel, neue Schulformen werden erprobt, und es wurde vor der aktuellen Pisa-Studie gezittert. Dass es an vielen Ecken und Enden noch hakt, haben viele geahnt. Die aktuelle Umfrage "Zukunft ist Bildung - Deutschland will's wissen" des Meinungsinstituts TNS Infratest und der Bertelsmannstiftung bestätigt dies nun erneut.
Es ist keine repräsentative Umfrage, wie die Initiatoren betonen. Denn die Teilnehmer seien nicht ausgewählt worden, sondern es konnten sich im Internet alle daran beteiligen - vom Schüler über den Lehrer bis hin zu den Eltern. Und das taten dann auch 480.000 Bundesbürger. Dennoch spiegelt die Befragung in vielen Bereichen die Probleme in unserem Bildungssystem wieder.
Und das zielt vor allem auf das System Schule. Dort sehen die meisten Befragten den größten Handlungsbedarf. Genauer gesagt gaben rund 70 Prozent an, dass in diesen Bereich zusätzliche Investitionen nötig seien. An zweiter Stelle folgen die Kitas mit 18 Prozent. Auch befürwortet mehr als die Hälfte, dass Schulen in Problembezirken besser ausgestattet werden sollten als andere.
Kritik am Bildungsföderalismus
Doch nicht nur die finanzielle Ausstattung der Schulen wird kritisiert, sondern auch das System an sich. So plädieren mehr als zwei Drittel der Befragten dafür, dass der Übergang in eine weiterführende Schule viel später erfolgen sollte, ein Viertel wollen dies sogar erst nach dem neunten oder zehnten Schuljahr.
Auch der Bildungsföderalismus mit seiner Konkurrenz der Bundesländer stößt vielen bitter auf. Neun von zehn Befragten wollen demnach einheitliche Abschlussprüfungen in der Bundesrepublik. Dabei ist es gerade dieser Föderalismus, auf den die Bundesländer immer wieder beharren. So hatte etwa der große Bildungsgipfel der Bundeskanzlerin vor einigen Jahren für viel Unmut gesorgt. Denn Angela Merkel betrat damit einen unüblichen Pfad.
Lediglich die Rahmenbedingungen gestaltet der Bund im Bildungssystem. Doch die über Jahre schlechten Ergebnisse etwa in der Pisa-Studie hatten auch die Berliner Politik aufhorchen lassen. Hinzu kommt das immer stärker werdende Problem des Fachkräftemangels.
80 Prozent bevorzugen Ganztagsschule
Dass es im deutschen Bildungssystem auch durchaus positive Veränderungen gegeben hat in den vergangenen Jahren, zeigt ein weiterer Aspekt der Umfrage. 80 Prozent der Deutschen bevorzugen demnach das System der Ganztagsschule, nur ein Fünftel wünscht sich, dass die Halbtagsschule beibehalten wird. In diesem Aspekt können sich viele Bundesländer bestätigt sehen, die in der Vergangenheit den Ausbau der Ganztagsschulen massiv vorangetrieben haben.
Ein interessanter Neben-Aspekt dabei ist, dass sich die Mehrheit der Eltern dafür ausspricht, den Unterricht für alle verbindlich ganztags anzubieten, während Schüler und Eltern eher befürworten, dass es am Nachmittag freiwillige Angebote gibt.
All das zeigt, dass eine Reform des Bildungssystems für viele Deutsche immer noch nötig und wichtig ist. Doch die Hoffnungen, dass die Politik tatsächlich Verbesserungen bewirken kann, sind gering. Im Gegenteil: Rund 80 Prozent der Befragten sind sogar der Ansicht, dass es den Politikern überhaupt am Reformwillen mangele. Und dieses Ergebnis zieht sich gleichmäßig durch alle Bildungs- und Einkommensschichten. Eltern und Unternehmen dagegen wird mehr Entschlossenheit zu Veränderungen zugedacht.
Steuererhöhungen akzeptabel
Dass sich der Eindruck mangelnder Reformbereitschaft bei vielen festgesetzt hat, mag dabei durchaus mit den finanziellen Bedürfnissen im Bildungssystem zusammenhängen. In den Schulen fehlt das Geld oft an allen Ecken und Enden. Dabei war es das Bildungsressort, dass von den Sparmaßnahmen im Bundeshaushalt ausgenommen worden war.
Doch in der Wahrnehmung der Deutschen kommt das nicht an, solange vor Ort keine Veränderungen wahrzunehmen sind. Und dass die Politik immer wieder betont, wie wichtig Bildung ist, wird manch einem eher negativ aufstoßen. Denn das - so bestätigte auch wieder die Umfrage - ist den Deutschen durchaus bewusst.
Und so sind sie auch bereit, Opfer für Verbesserungen zu bringen. Während Steuererhöhungen in allen anderen Bereichen des Lebens abgelehnt werden, konnten sich die Befragten durchaus vorstellen, mehr Steuern zu zahlen, um die Situation zu verbessern. Denn die zentrale Aufgabe des Bildungssystems, das ergab die Umfrage ebenfalls, ist für viele immer noch, den sozialen Aufstieg zu ermöglichen.
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