Umfrage enthüllt Stimmungstief: Deutschland am Rande einer Depression
zuletzt aktualisiert: 06.06.2008 - 14:16Düsseldorf (RPO). Immer höhere Preise, Armut oder Klimawandel – trotz des allgemeinen Aufschwungs sorgen sich die Deutschen um ihre Zukunft. Jeder zweite befürchtet laut dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend den finanziellen Abstieg, jeder dritte hat jetzt schon große Geldsorgen. Auch das Vertrauen in die Demokratie schwindet.
Obwohl die Steuereinnahmen des Staates sprudeln, merken 78 Prozent der Deutschen nichts vom allgemeinen Aufschwung. Das liegt in den Augen der Befragten vor allem an den stagnierenden Löhnen, heißt es in der Meinungsumfrage, die das Institut Infratest dimap Anfang Juni im Auftrag der ARD durchgeführt hat. Die größten Sorgen bereiten 86 Prozent der Deutschen derzeit steigende Preise. An zweiter Stelle folgte die "Armut in Deutschland", die 83 Prozent der Bundesbürger angaben, an dritter der Klimawandel (76 Prozent). Außerdem sorgen sich 72 Prozent der Bundesbürger um den Missbrauch von Daten, 70 Prozent um die Verschuldung des Staates.
Besonders pessimistisch beurteilen die Deutschen ihre eigene Zukunft. 43 Prozent der Befragten fürchten, dass es ihnen in zehn Jahren wirtschaftlich schlechter gehen wird als heute - bei den über 60-Jährigen sind es sogar 54 Prozent. Immerhin 36 Prozent aller Befragten glauben, dass sich ihre Situation nicht ändern wird. Nur 18 Prozent sind Optimisten und davon überzeugt, dass es ihnen in zehn Jahren besser gehen wird.
Die Perspektive hängt dabei stark von der sozialen Schicht der Deutschen ab. Während Befragte, die sich selbst zur Unter- oder Mittelschicht zählen, ihre Zukunft größtenteils negativ sehen, sind in der Oberschicht die meisten Optimisten zu finden.
Parteien im Umfragetief
Die schlechte wirtschaftliche Lage schlägt sich auch auf die Bewertung der Politik durch. Nur noch 48 Prozent der befragten wahlberechtigten Deutschen sind mit der Leistung der Demokratie zufrieden. Eine Mehrheit von 52 Prozent zeigt sich dagegen unzufrieden. Auch das Vertrauen in die Bundesregierung und die politischen Parteien ist gestört. 66 Prozent der Befragten haben wenig oder gar kein Vertrauen in die Arbeit der großen Koalition, 88 Prozent in die der Parteien.
In der Sonntagsfrage des Deutschlandtrends erreichen die Volksparteien zusammen so wenig Stimmen wie noch nie zuvor. Die SPD büßt danach bundesweit im Vergleich zum Vormonat drei Punkte ein und erzielt nur noch 24 Prozent der Stimmen. Das ist ihr schlechtester Wert seit September 2004. Die Union verliert ebenfalls drei Punkte und kommt auf 34 Prozent. Damit würden nur noch 58 Prozent der Deutschen eine der großen Volksparteien wählen.
Die kleinen Parteien konnten hingegen zulegen. Die FDP gewann drei Punkte und erreicht 13 Prozent, die Grünen konnten sich um zwei Punkte auf zwölf Prozent verbessern. Die Linke legte um ebenfalls zwei Punkte auf 14 Prozent zu, der beste Wert für die Linkspartei, der je im ARD-Deutschlandtrend gemessen wurde.
Lafontaine beliebter als Beck
Bei der Politikerzufriedenheit schnitt SPD-Chef Kurt Beck in diesem Monat schlechter ab als alle anderen Spitzenpolitiker. Er landete erstmals hinter Linke-Chef Oskar Lafontaine. Nur noch 21 Prozent der Bundesbürger sind danach mit Becks Arbeit zufrieden, zwei Punkte weniger als im Vormonat. Lafontaine erreichte 22 Prozent Zustimmung (plus zwei).
Die monatliche Liste der beliebtesten Parteipolitiker führt im Juni Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) an. 73 Prozent der Bundesbürger (plus sieben) sind mit seiner Arbeit zufrieden. Steinmeier löst damit an der Spitze Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab, die mit 71 Prozent (plus drei) auf Platz zwei folgt. Beliebter als alle Parteipolitiker ist allerdings Bundespräsident Horst Köhler, der auf 86 Prozent Zustimmung kommt.
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