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Mit Italien und den USA: Deutschland will Luftabwehrsystem bauen

zuletzt aktualisiert: 21.10.2004 - 15:27

Berlin (rpo). Es wäre ein ambitioniertes Projekt. Ein Rüstungssystem, das Luftangriffe besser abwehrt, als es die Patriot-Raketen der USA bisher tun. Deutschland will sich gemeinsam mit Italien und den Vereinigten Staaten an der Entwicklung des Systems beteiligen - immer vorausgesetzt, das Geld reicht.

Die Verteidigungspolitiker der Bundestagsfraktionen stimmten einer Entwicklung des Rüstungsprojekts MEADS (Medium Extended Air Defense System) zu, wie der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold sagte. Damit sei aber noch nicht geklärt, ob dem Projekt angesichts knapper Mittel auch tatsächlich Priorität eingeräumt werde.

Das Verteidigungsministerium müsste nun eine Vorlage für die Bundestagsausschüsse erarbeiten, die dann dem Projekt zustimmen müssten. Ein Ministeriumssprecher betonte, es sei noch Zeit bis März. Frühestens sei mit einem Einsatz des Systems ab dem Jahr 2012 zu rechnen.

Der deutsche Kostenanteil an der Entwicklung soll sich nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" vom Donnerstag bis 2012 auf 1,142 Milliarden Euro belaufen. Vorstellbar sei, dass die Bundeswehr zwischen zwölf und 24 neue Feuersysteme ordere, sagte der SPD-Abgeordnete Hans-Peter Bartels dem Blatt. Die Beschaffungskosten dürften sich auf zwei bis drei Milliarden Euro belaufen.

Deutschland hat sechs Monate Zeit für eine Entscheidung

Italien und die USA hatte schon im September eine Art Vorvertrag für die Entwicklung unterschrieben und hatten Deutschland sechs Monate Zeit für die Beteiligungsentscheidung gegeben. Mehr als die Hälfte der Kosten würden laut "Berliner Zeitung" von den USA getragen. Die Fachleute der Fraktionen hatten am Mittwoch ihren Bericht zu dem Projekt vorgelegt.

Das neue, bodengestützte Raketenabwehrsystem soll nach Angaben des Ministeriums die bisherigen Patriot-Abwehrsysteme ergänzen oder ersetzen. Vor allem die Treffgenauigkeit sei der große Vorteil. Sowohl das Entdeckungsystem wie auch die Waffe selbst seien so gut, dass mehrfach schallschnelle Flugkörper genauer erreicht werden könnten. Auch Arnold betonte, dass das System eine "drastisch höhere Präzision" biete. Es habe auch eine größere Reichweite. Die Mobilität sei ähnlich. Denkbar sei ein Einsatz etwa zum Schutz von deutschen Soldaten bei Auslandseinsätzen wie in Afghanistan.

Das neue System soll Flugzeuge oder Raketen mit bis zu tausende Kilometern Reichweite in der Luft zerstören können. Auch chemische, biologische und atomare Sprengköpfe sollten abgefangen werden können, berichtete die "Berliner Zeitung". Bei jedem Wetter sollten die Boden-Luft-Raketen feindliche Raketen in einer Höhe bis zu 35 Kilometern treffen können.

Schwerpunktaufgabe innerhalb der Nato

Lediglich Interkontinental-Raketen könnten von MEADS nicht erreicht werden. Es handle sich um das derzeit größte transatlantische Rüstungsprojekt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen die Rüstungsfirmen EADS für Deutschland, Alenia Marconi in Italien und Lockheed Martin in den USA beteiligt sein.

"Wir übernehmen damit eine NATO-Schwerpunktaufgabe in Europa", sagte Bartels der Zeitung weiter. Die Raketensysteme könnten auch ins Ausland verlagert werden. Dafür werde sich die Luftwaffe des neuen Militärtransporters A400M bedienen können, der ab 2008/2009 ausgeliefert werde.

Bartels verwies dabei auf die lange deutsche Tradition im Bereich der Luftabwehrsysteme. Das derzeitige Luftabwehr-System Patriot war wiederholt auch von anderen Ländern zur Luftverteidigung angefordert worden. Derzeit sind zwei deutsche Systeme an Israel ausgeliehen.

Quelle: afp

 
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