Kommandos Spezialkräfte (KSK): Deutschlands geheime Krieger
VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 - 07:32Calw (RP). Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr sollen am umstrittenen Luftangriff auf zwei entführte Tanklaster beteiligt gewesen sein. Welche Rolle spielt die streng abgeschottete Truppe?
Überall Kameras, vor dem Tor Schleusen mit Betonsperren, Gebäude können nur mit entsprechend programmierter Chipkarte betreten werden – Sicherheit wird groß geschrieben in der Graf-Zeppelin-Kaserne am Rande des Schwarzwald-Städtchens Calw. Hier residiert das Kommando Spezialkräfte, die geheimste Truppe der Bundeswehr.
Der Eliteverband hatte offenbar maßgeblichen Anteil an dem Luftangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklastzüge am Kundus-Fluss, bei dem auch zahlreiche Zivilisten getötet worden sein sollen. "Bild" berichtet, im deutschen Feldlager Kundus sei der gesamte Einsatz aus dem eigenen Gefechtsstand einer "Taskforce 47" geführt worden. Ihr hätten KSK-Soldaten angehört.
Dort sei der entscheidende Hinweis eines afghanischen Informanten eingegangen, und dort sei auch der verhängnisvolle Entschluss gefallen, die in einer Sandbank festgefahrenen Lastwagen anzugreifen. Oberst Georg Klein sei in Personalunion auch Vorgesetzter dieses geheimen Stabes gewesen.
Ein Auftrag des KSK ist nach offiziellen Angaben "der Schutz deutscher Einrichtungen und Kräfte im Ausland sowie von Personen in besonderen Lagen". Dazu gehört neben weiträumiger Aufklärung und Überwachung die "vorbeugende Abwehr feindlicher Kräfte und verdeckt operierender Gegner" – im Klartext: deren direkte Bekämpfung.
Das KSK operiert dazu – teils in enger Zusammenarbeit mit Geheimdiensten – unter strengster Geheimhaltung, was regelmäßig die Opposition im Bundestag stark verärgert. Gegründet worden war der Verband, der auch auf Geiselbefreiungen spezialisiert ist, nach dem "Ruanda-Schock" von 1994: Mitarbeiter des Kölner Auslandssenders "Deutsche Welle" waren in dem Bürgerkrieg vor Rebellen in einen Sendeturm geflüchtet. Die Bundesregierung konnte ihnen nicht helfen. Belgische Fallschirmjäger retteten schließlich nur die 13 Deutschen; ihre afrikanischen Kollegen blieben zurück und wurden ermordet.
Die ersten Einsätze hatte das KSK aber nicht wie erwartet in Afrika, sondern 1998 auf dem Balkan, wo es für das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag mehrere Beschuldigte festnahm. Bei einem dieser nächtlichen Zugriffe wurden drei Soldaten schwer verletzt, als ein Verdächtiger eine Handgranate zündete. Unmittelbar vor dem Kosovo-Einmarsch der Nato 1999 sollen KSK-Soldaten in enger Absprache mit kosovarischen Freiheitskämpfern serbische Truppen erfolgreich aus dem Land herausgeschleust haben, um Blutvergießen zu vermeiden.
Auch über die Aktivitäten in Afghanistan wird nur wenig bekannt. So hatte der "Bremer Taliban" und Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz behauptet, er sei 2002 nach der Gefangennahme in Kandahar von KSK-Männern gequält worden.
Erstmals brach das Verteidigungsministerium am 7. Mai dieses Jahres sein Schweigen und berichtete stolz, dass KSK-Kräfte nach einer Verfolgungsjagd bei Faisabad den Taliban-Chef Abdul R. gefasst hätten.
Verluste des KSK im Einsatz soll es nicht gegeben haben. Eine unbekannte Zahl von Soldaten starb aber im Zuge der harten Ausbildung.
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