| 16.14 Uhr

Treffen mit Muslimen abgebrochen
Die AfD wollte den Eklat

Treffen zwischen AfD und Muslimen abgebrochen
Treffen zwischen AfD und Muslimen abgebrochen FOTO: dpa, nie fdt
Meinung | Berlin. Die AfD-Spitze hat ein Treffen mit dem Zentralrat der Muslime abgebrochen. Als Grund nennt Parteichefin Frauke Petry eine Aussage des Zentralrat-Chefs, die schon drei Wochen alt ist. Der Abbruch des Gesprächs dürfte also wohlkalkuliert gewesen sein.  Von Birgit Marschall

Das Gespräch zwischen dem Zentralrat der Muslime (ZMD) und der AfD-Spitze endete im Eklat, weil die AfD es so wollte, nicht der ZMD.

Mazyek hatte Anfang Mai nach der Verabschiedung des Anti-Islam-Programms der AfD gesagt, erstmals nach dem Ende der Nazi-Herrschaft gebe es wieder eine Partei in Deutschland, "die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht".

Weil Mazyek den Satz jetzt nicht revidieren wollte, habe die AfD-Spitze das Gespräch vorzeitig abgebrochen, sagte AfD-Chefin Petry. Denn Mazyek habe die AfD mit diesem Satz in die Nähe des Dritten Reiches gerückt, was die AfD-Spitze mit "aller Schärfe" zurückwies.

Dazu lassen sich zwei Dinge sagen: Erstens ist diese Interpretation des Mazyek-Satzes überzogen, denn allenfalls lässt sich daraus ein sehr, sehr indirekter Vergleich der AfD mit der Nazi-Herrschaft ableiten. Zweitens ging es in dem Mazyek-Satz ja vor allem auch um den zweiten Teil, nämlich die pauschale Diskreditierung einer ganzen Religionsgemeinschaft durch die AfD, gegen die sich die Muslime wehren, und zwar zu Recht.

Scheinheilige Empörung

Pauschalisierungen statt Differenzierungen, emotionale Überhöhungen statt Sachlichkeit sind bevorzugte rhetorische Techniken der Populisten. Petry wandte sie auch am Montag wieder schulmäßig an: der Zentralrat habe die AfD mit einer "totalitären Frage" aufgefordert, "ihr Programm zurückzunehmen". Dabei sei dieses Programm "demokratisch legitimiert" durch einen Parteitagsbeschluss.

Auch dazu lässt sich zweierlei sagen: Der Zentralrat hat die AfD nicht aufgefordert, ihr gesamtes Programm zurückzunehmen, sondern lediglich aufgefordert, Teile davon, die den Islam betreffen, zu überdenken. Mazyek hat der AfD auch keine "totalitäre Frage" gestellt, nur weil das Programm auf einem Parteitag demokratisch beschlossen worden war. Er hat der AfD einfach nur eine ganz normale Frage gestellt. Mindestens die Empörung Petrys über diese legitime Frage wirkt scheinheilig.  

Die Geste war richtig

Zu einer ausgewogenen Bewertung gehört allerdings zu sagen, was auch noch stimmt. Es stimmt der Hinweis Petrys, dass der Zentralrat der Muslime in Deutschland nur eine sehr kleine Gruppe von Muslimen vertritt. Er spricht nicht für die Mehrheit der Muslime in Deutschland, die möglicherweise anders - weniger liberal - denkt als der ZMD. Und ja, es kann sein, dass auch der ZMD populistisch ist.

Es kann gut sein, dass ZMD und AfD sich sehr ähnlich sind in ihrem pauschalisierenden Auftreten und Gebaren. Dass seine Einladung zu einem Gespräch mit der AfD womöglich nicht zur Klärung eines Konflikts beitragen sollte, sondern zur eigenen Profilierung. Das kann alles sein.

Trotzdem ist ein Gesprächsangebot besser als gar keins, ist die Geste des ZMD auf die AfD zuzugehen, mutig und richtig gewesen. Es bleibt zu hoffen, dass es auch nach diesem Eklat durch die Populisten wieder zu Gesprächen zwischen beiden Seiten kommen kann.   

(mar)
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