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Partei im Umbruch
Die CDU sucht ihr neues Gesicht

Presse: Von Beust war politikverdrossen
Presse: Von Beust war politikverdrossen FOTO: ddp
Berlin (RPO). Sechs Ministerpräsidenten binnen eines Jahres - der personelle Aderlass in der CDU ist beachtlich. Manche in der Partei befürchten eine Erosion. Doch an die Stelle der alten Platzhirsche treten neue, oftmals unverbrauchte Gesichter. Ein Blick auf die neue CDU.

Christian Wulff, Roland Koch, Jürgen Rüttgers, Ole von Beust, Günther Oettinger und Dieter Althaus - innerhalb eines Jahres ging und geht ein halbes Dutzend CDU-Ministerpräsidenten von Bord.

Die Gründe sind unterschiedlich. Wulff (jetzt Bundespräsident) und Oettinger (jetzt EU-Kommissar) wechselten auf andere Posten von politischem Renommee. Jürgen Rüttgers verlor den Halt, weil die Wähler ihm das Vertrauen entzogen. Andere wie Koch oder von Beust hatten - zumindest nach offizieller Lesart - persönliche Gründe.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel steht vor einem Neuanfang. Sie muss mit neuen Köpfen die Lücken füllen. Spätestens im November stehen Entscheidungen an. Drei vakante Stellvertreterposten sind auf dem CDU-Parteitag im November zu besetzen. Bis dahin können sich eine ganze Reihe der "Neuen" in Position bringen.

David McAllister: Der 39-Jährige ist erst seit knapp drei Wochen Ministerpräsident in Niedersachsen, dennoch zählt er zu den großen Talenten in der CDU. Der Amtswechsel von Christian Wulff zu McAllister klappte reibungslos. Er gilt als großes politisches Talent. Die erste Bewährungsprobe ist die Landtagswahl 2013. Stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU will er zunächst nicht werden. Der Mann kann sich aufgrund seines jungen Alters noch Zeit lassen mit seinem Ehrgeiz. Aus Niedersachsen hat Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die besten Chancen.

Stefan Mappus: Für den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg (seit Februar 2010) ist die Landtagswahl im März 2011 die Feuertaufe. In der Bundespolitik meldet sich der 44-Jährige bereits deutlich zu Wort, etwa mit Kritik an der Atompolitik der Regierung. Dabei eckte er auch mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) an. Abgesehen davon blieb es in Stuttgart erstaunlich still. Dabei galt der Mann doch als potenzieller Ruhestörer. Er ist bekennender Fan von Franz-Josef Strauß.  Auf den Posten des Parteivize meldete er noch keine Ansprüche an. 

Ursula von der Leyen: Die Arbeitsministerin ist noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Als neue Parteivizechefin dürfte sie im November gesetzt sein. Das wäre eine Stärkung für die 51-Jährige, die zuletzt zwei Rückschläge hinnehmen musste, aber mitunter schon als Reservekanzlerin genannt wird. Gesundheitsministerin wäre sie gern geworden, musste dann zunächst aber das Familienressort und dann das Arbeitsministerium übernehmen. Vor der jüngsten Bundespräsidentenwahl musste sie fast zwei Tage lang mit ansehen, wie sie öffentlich ohne Dementi als Favoritin gehandelt wurde, obwohl intern angeblich schon die Entscheidung für Wulff gefallen war.

Norbert Röttgen: Der Bundesumweltminister ist immer wieder für höhere Aufgaben im Gespräch. Für den 45-Jährigen, der bereits über 16 Jahre Bundestagserfahrung verfügt, könnte sein Heimatland Nordrhein-Westfalen ein Sprungbrett für die Karriere werden. Bei der Vergabe des CDU-Landesvorsitzes spricht Röttgen jedenfalls ein Wort mit, hält sich aber noch bedeckt, ob er selbst antritt. Die Bürger sehen ihn laut einer Umfrage aber als Favoriten. Und dass das Amt des Umweltministers nicht schlecht sein muss für einen Karriereschub, hat schon sein Vorgänger, der jetzige SPD-Chef Sigmar Gabriel, bewiesen. Allerdings gilt er vielen in der Union als zu akademisch.

Volker Bouffier: Ein neues Gesicht ist der designierte hessische Ministerpräsident Volker Bouffier genau genommen nicht mehr. Der Politiker ist bereits 58 Jahre alt und hat sich über seine vielen Jahre als hessischer Innenminister auch in der Öffentlichkeit einen Namen gemacht. Als künftiger Regierungschef von Hessen hat der Vorsitzende eines eher konservativ ausgerichteten CDU-Landesverbandes aber auch in Berlin etwas zu sagen. Sollte die Hessen-CDU einen Stellvertreterposten in der Bundes-Partei beanspruchen, könnte Bouffier in die engste Parteispitze aufrücken - auch weil er für den konservativen Flügel sprechen könnte.

Kristina Schröder: Die Bundesfamilienministerin ist das Küken im Bundeskabinett mit 32 Jahren und muss für höhere Aufgaben noch etwas warten. Immerhin nannte der erfahrene Wolfgang Schäuble die junge Hessin am Wochenende bei der Aufzählung von qualifizierten Nachwuchspolitikern in einer Reihe mit von der Leyen, Röttgen und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

Julia Klöckner: Die 37-Jährige ist derzeit Parlamentarische Staatssekretärin im Agrarministerium und gilt ebenfalls als Hoffnungsträgerin ihrer Partei. Merkel hat sie jedenfalls im Blick und nannte die einstige Weinkönigin jüngst als einer der "spannenden Köpfe" der CDU. Die große Bewährungsprobe für Klöckner ist die Landtagswahl 2011 in Rheinland-Pfalz, wo die CDU sie als Spitzenkandidatin aufgestellt hat.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Der 38-Jährige ist zwar Mitglied der CDU-Schwesterpartei CSU, bei Debatten über die Zukunft der Union und Leute mit Kanzlerpotenzial fällt aber auch sein Name. In Politiker-Umfragen bei den Bürgern ist Guttenberg schon ganz oben angelangt. Der "Erststimmenkönig" bei der Bundestagswahl 2009 (68,1 Prozent im Wahlkreis Kulmbach), hatte zuletzt einen kometenhaften Aufstieg genommen. CSU-Generalsekretär, Wirtschaftsminister und Verteidigungsminister lauten die Stationen seit November 2008.

Christoph Ahlhaus: Seit dem Sonntag zählt auch der Hamburger Innensenator als voraussichtlicher Nachfolger auf dem Hamburger Bürgermeisterposten zu den kommenden  Aushängeschildern. Mit gerade einmal 40 Jahren darf man ihn ebenfalls der Nachwuchsgarde zurechnen. Bisher eilt ihm der Ruf eines Mannes voraus, der auf Recht und Ordnung pocht. Die Opposition nannte ihn einen Machtpolitiker und Kraftmeier. Politisch bietet er das Gegenbild des sanften Ole von Beust. Vollbringt er in Hamburg das Kunststück, die schwarz-grüne Koalition zusammenzuhalten, darf mit dem ehrgeizigen Rechtsanwalt auch bundespolitisch  gerechnet werden.

(DDP/pst)
 
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