Parteitag in Karlsruhe: Die CDU wird weiblicher
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 14.11.2010 - 18:49Karlsruhe (RP). Seit zehn Jahren steht bei der CDU nun eine Frau an der Spitze. Natürlich tritt Angela Merkel beim Bundesparteitag heute in Karlsruhe erneut als Parteichefin an. Am Ende des Tages werden sie und ihre Vertraute Annette Schavan nicht mehr die einzigen Frauen im innersten Führungskreis der Regierungspartei sein. Ursula von der Leyen geht auf Wunsch der Niedersachsen-CDU in der Nachfolge von Christian Wulff ins Rennen um den Posten als stellvertretende Parteivorsitzende.
Und auch unter den sieben weiteren Mitgliedern des Parteipräsidiums rücken zwei Frauen auf: Julia Klöckner, Verbraucherschutz-Staatssekretärin in Berlin und als Spitzenkandidatin bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl Herausforderin von SPD-Ministerpräsident Kurt Beck, und Annegret Kramp-Karrenbauer, bundesweit bislang eher in ihrer früheren Funktion als Chefin der Kultusministerkonferenz unter Experten bekannt geworden und derzeit Arbeitsministerin im Kabinett von Saarlands Ministerpräsident Peter Müller. Sie ist die Kandidatin der Frauenunion. Und auch sie wird sicher gewählt werden, denn für die Spitzenämter gibt es nur so viele Kandidaten, wie auch Ämter zu vergeben sind.
Auch Kohl will kommen
Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) wird am Montag erstmals seit Jahren wieder einen CDU-Parteitag besuchen. Kohl werde am Montagabend Gast beim Parteiabend in Karlsruhe sein, teilte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Sonntagabend mit.
So wird denn vor allem mit Spannung erwartet, welches Ausmaß an Zuspruch das neue Personaltableau erhalten wird. Norbert Röttgen, Annette Schavan, Ursula von der Leyen oder Volker Bouffier – die vier werden vom Parteitag die Ansage bekommen, wer von ihnen die tatsächliche „Nummer zwei“ hinter Merkel ist. Vieles spricht für von der Leyen, die auch in den Umfragen als potenzielle Nachfolgerin Merkels gehandelt wird. Von Karl-Theodor zu Guttenberg von der CSU mal abgesehen.
Elf mal NRW in den Führungsgremien
Die CDU-Spitze wird daneben aber auch westlicher werden. Jedenfalls rechnet der NRW-Landesverband, der traditionell die meisten Delegierten stellt, damit, gleich elf Mal in den Führungsgremien vertreten zu sein. Denn neben Röttgen kandidieren auch NRW-Landtagsfraktionschef Karl-Josef Laumann und JU-Chef Philipp Mißfelder für das Präsidium. Merkel selbst hat den Neusser Hermann Gröhe als Generalsekretär und den Klever Helmut Linssen als Bundesschatzmeister vorgeschlagen. Sechs weitere CDU-Politiker aus Nordrhein-Westfalen sehen gute Chancen, in den Vorstand der CDU gewählt zu werden.
Von Merkel abgesehen taucht die Ost-CDU nur am Rande auf: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich ist der einzige, der aus den neuen Ländern für das Präsidium kandidiert. Außerdem stellen sich Kanzleramtsminister Eckart von Klaeden und Finanzminister Wolfgang Schäuble den Delegierten zur Präsidiumswahl. Nach den Attacken auf Schäuble selbst aus den Reihen des eigenen Koalitionspartners erwarteten am Rande der Gremiensitzungen am Sonntag zahlreiche Spitzenpolitiker, dass Schäuble mit besonders vielen Stimmen ausgestattet wird.
Es ist für ihn ein Heimspiel: Schäuble ist vom gastgebenden Landesverband Baden-Württemberg nominiert. Der erwartet vom Parteitag Rückenwind und kämpferische Geschlossenheit für den eigenen Landtagswahlkampf. Und so wird denn vermutlich nur einer ein glänzendes Ergebnis für Schäuble kaputt machen können. Schäuble selbst.
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