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Landtagswahl in Niedersachsen
Die FDP - eine schrecklich nette Familie
Die FDP - eine schrecklich nette Familie
Die FDP - eine schrecklich nette Familie FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Düsseldorf. Kurz vor der Niedersachsen-Wahl führt die FDP einen innerparteilichen Kleinkrieg. Die CDU hat den Ernst der Lage erkannt und eine Zweitstimmen-Kampagne für den Wunsch-Koalitionspartner angedeutet. Die SPD erklärt lauthals: "Philipp Rösler ist nicht mehr zu retten."

Der Wahlkampf für die Landtagswahl in Niedersachsen nimmt immer groteskere Züge an: Die ums politische Überleben kämpfende FDP ist mit innerparteilichen Sticheleien und gegenseitigen Schuldzuweisungen beschäftigt.

Am Sonntag aber wird die FDP-Familie bei ihrem traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart krampfhaft ein harmonisches Bild abgeben. Dabei hängt der Haussegen schief. Misstrauen trüben die Feiertagsharmonie.

Lieber gegeneinander als miteinander

Im Wahlkampf-Endspurt arbeiten führende Parteimitglieder lieber gegeneinander als miteinander. Wer führt eigentlich was im Schilde bei den Liberalen?

Doch damit nicht genug. Der Niedersachsen-Wahlkampf liefert mittlerweile genügend Stoff für eine abendfüllende Seifenoper. Die FDP demontiert sich selbst. Wie bereits erwähnt. Die niedersächsischen Christdemokraten aber fürchten einen Hannoveraner Landtag ohne die Liberalen.

Ein FDP-freies Parlament würde wohl einen Regierungswechsel zur Folge haben. Was CDU-Ministerpräsident David McAllister offenbar dazu veranlasst hat, eine Zweitstimmen-Wahlhilfe zugunsten der FDP anzudeuten.

Ein Bruchteil reicht aus für die FDP

"Viele CDU-Wähler haben mir in den vergangenen Tagen gesagt, sie überlegten, zum ersten Mal in ihrem Leben mit der Zweitstimme FDP zu wählen", sagte McAllister nach einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" am Donnerstag auf dem Neujahrsempfang der niedersächsischen CDU.

"Wenn nur ein Bruchteil von ihnen das wirklich tut, dann wird die FDP fünf Prozent erreichen und wieder in den Landtag kommen." Ein Bruchteil – das reiche nach Meinung McAllisters also aus, um die FDP mit einem Kraftakt ins Parlament zu wählen. Ein vernichtenderes Urteil über den aktuellen Zustand des liberalen Koalitionspartners könnte es kaum geben.

Die niedersächsischen Sozialdemokraten wittern derweil ihre Chance und erklären die FDP samt Parteichef Rösler für einen hoffnungslosen Fall. Die SPD besiegelt das Schicksal des FDP-Chefs. "Philipp Rösler ist nicht mehr zu retten", erklärte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann am Freitag in Berlin.

"Autorität nie besessen"

"Die FDP wäre gut beraten, wenn sie sich schon vor der Wahl in Niedersachsen einen neuen Vorsitzenden sucht." Nichts brauche eine Partei in der Krise mehr als eine Autorität an der Spitze. Oppermann: "Diese Autorität hat Philipp Rösler nie besessen."

Die FDP kommt in einer aktuellen NDR-Umfrage auf vier Prozent und würde damit bei der Landtagswahl am 20. Januar den Einzug in den Landtag verfehlen. McAllister braucht die FDP im Landtag als Koalitionspartner. In einem denkbaren Drei-Parteien-Parlament würden SPD und Grüne wahrscheinlich ein rot-grünes Bündnis eingehen können.

Quelle: rpo/dpa/apd/rtr/nbe
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