Fall Barschel: Die Rätsel um seinen Tod dauern an
zuletzt aktualisiert: 30.10.2007 - 17:17Schleswig (RPO). Auch 20 Jahre nach dem Tod von Schleswig-Holsteins früherem Regierungschef Uwe Barschel (CDU) dauern die Spekulationen über die Hintergründe an. Die zuständigen Justizbehörden veröffentlichten jetzt umfassende Ermittlungsunterlagen. Lediglich einen Mord vor dem Hintergrund von Waffengeschäften erscheint als gänzlich abwegig.
Generalstaatsanwalt Erhard Rex hält die These einer Ermordung des Politikers im Zusammenhang mit Waffengeschäften für abwegig. "Es gibt keinen einzigen belastbaren Beweis auch nur für die Verstrickung von Dr. Barschel in Waffengeschäfte, geschweige denn für Enthüllungen/Erpressungen oder für eine Beorderung Dr. Barschels nach Genf, wo er von Waffenhändlern ermordet sein soll", schreibt Rex in einer am Dienstag veröffentlichten Dokumentation des Falls.
Mordthesen brechen in sich zusammen
Die gesamte These von Verstrickung in Waffengeschäfte und Drohung mit Enthüllung löse sich an jeder Stelle der Beweisführung in nichts auf, hieß es weiter. Einige Mordthesen würden bei nüchterner Betrachtungsweise in sich zusammenbrechen. "Andererseits bleiben Ungereimtheiten, nicht erklärbare und zuordenbare Fakten, Spuren und Geschehensabläufe, und einen Beweis für Suizid gibt es ebenfalls nicht." Rex gilt als Anhänger der Selbstmordtheorie.
Dagegen erneuerte Ex-Chefermittler Heinrich Wille seine Mord-These. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft sei 1998 nicht eingestellt worden, weil der Verdacht des Mordes entfallen gewesen wäre, schreibt Wille in seinem Beitrag der Dokumentation. Vielmehr seien die vorhandenen Spuren abgearbeitet und "Ermittlungsansätze, die weitere Erkenntnisse über Tatablauf oder Tatverdächtige erbringen könnten" nicht mehr erkennbar gewesen.
327-seitige Dokumentation
Die 327-seitige Dokumentation wurde aus Anlass des 20. Todestages von Barschel vom Generalstaatsanwalt herausgegeben. Sie soll die Ermittlungen, aber auch die Bandbreite unterschiedlicher Einschätzungen widerspiegeln.
Die Barschel-Affäre gilt als einer der größten Politik-Skandale der Nachkriegszeit. Sie prägte mehr als zehn Jahre lang die Landespolitik in Schleswig-Holstein. Bevor Barschel tot aufgefunden wurde, hatte die so genannte Waterkantgate-Affäre mit der Bespitzelung von Oppositionspolitikern, einem gebrochen Ehrenwort und schließlich dem Rücktritt Barschels das Land erschüttert.
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