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Bilder von "Neda" gehen um die Welt: Die Revolution hat ihren Märtyrer

zuletzt aktualisiert: 22.06.2009 - 16:48

Kairo/Frankfurt (RPO). Die Bilder sind verwackelt. Knapp 50 Sekunden dauert das Amateur-Video, aufgenommen auf den Straßen Teherans. Es zeigt den Tod einer jungen Frau, vermutlich am Samstag, als die Gewalt im Iran eskalierte. Neda Soltani soll sie geheißen haben. Die blutigen Bilder gehen um die Welt. Sie wird zu einer Ikone der Widerstandsbewegung.

Das Video verbreitete sich im Netz wie ein Lauffeuer: Überall dort, wo über die Protestbewegung im Iran diskutiert wird, finden sich Verweise auf die junge Frau, die "Neda" heißen soll. Eine offizielle Aussage über ihre Identität hat es bisher nicht gegeben. Unsere Redaktion will das Video aufgrund seiner Brutalität nicht zeigen.

Für die Revolution spielt das keine Rolle mehr. Ob auf der Kontaktseite Facebook, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter oder beim Videodienst Youtube: Überall ist über "Neda" zu lesen, überall sind Bilder der blutenden Frau zu sehen. Bei Twitter zum Beispiel gehören "Iran", "IranElection" und "Neda" zu den zehn wichtigsten Themen.

Bilder von Neda tauchten erstmals am Samstag auf, als es wieder gewalttätige Zusammenstöße von Demonstranten und iranischen Sicherheitskräften gab. Auf YouTube und Facebook wurden von dem Fall zwei verschiedene Videos gestellt. Darauf ist eine junge Frau zu sehen, die am Boden liegt und aus Nase und Mund blutet. Mehrere Menschen versuchen verzweifelt ihr zu helfen.

Bei YouTube hieß es, Neda sei an der Schussverletzung in der Teheraner Innenstadt gestorben. "Sie starb in weniger als zwei Minuten", schreibt ein User namems toosinbeymen bei Twitter. Erschossen hat sie angeblich ein Heckenschütze der paramilitärischen Bassidschi-Milizen, der sich auf dem Dach eines Hauses versteckt hatte. Die Anschuldigung steht leer im Raum, die Quelle bleibt anonym.

Nach der Veröffentlichung wurden die Aufnahmen von Medien in der ganzen Welt gezeigt. Ob die Videos echt sind, ist bislang nicht zu klären. Die Nachrichtenagentur AP hat Teilnehmer der Protestaktionen vom Samstag per Telefon und E-Mail befragt. Keiner der Demonstranten sah einen derartigen Vorfall.

Viele Webseiten im Iran gesperrt

Trotzdem tragen die Aufnahmen nach Ansicht von Experten dazu bei, dass sich die aufgeheizte Situation verschärft. "Die Wut und Frustration bei den Wahlverlierern steigt", sagt der Iran-Kenner Henner Fürtig vom Hamburger Leibniz-Institut für globale und regionale Studien. "Es existieren eine Reihe von ähnlichen Bildern, die durch die Bank nicht verifiziert werden können. Die haben trotzdem eine erhebliche Wirkung." Seiner Ansicht nach zählt vor allem der Anschein von Realität. "Darauf kommt es am Ende an, nicht auf den Wahrheitsgehalt eines einzelnen Bildes", sagt er.

Ihre Wirkung erzielen die Bilder eher im Ausland, wo sie anders als im Iran frei empfangbar sind und von Millionen Menschen gesehen werden. In dem islamischen Land selbst sind Seiten wie Facebook, Twitter oder auch die von Oppositionellen gesperrt. SMS-Nachrichten funktionieren seit der vergangenen Woche nicht mehr. Das Mobilnetz in Teheran ist regelmäßig nicht erreichbar.

Die Einschränkungen der Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad machen es auch ausländischen Medien unmöglich, sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Selbst ihre iranischen Mitarbeiter müssen in ihren Büros bleiben. Der Kontakt zur Protestbewegung läuft vor allem über Telefon, E-Mails und Chaträume. Einige Medien beschäftigen inzwischen Mitarbeiter, die Mitteilungen in der Landessprache Farsi übersetzen.

Die Beschränkungen stoßen auch bei Journalistenvereinigungen auf scharfe Kritik. "Der Iran gilt momentan als weltweit größtes Gefängnis für Medienmitarbeiter", berichtet etwa die Organisation Reporter ohne Grenzen. Nach ihren Informationen wurden bis Montag 33 Journalisten und Blogger verhaftet. Andere werden des Landes verwiesen, wie am Sonntag der BBC-Journalist Jon Leyne.

Sein Sender nutzt zusätzlich zwei Satelliten, um sein farsisprachiges Programm trotz der Zensur im Iran auszustrahlen. Ähnlich geht der amtliche US-Auslandssender Voice of America vor.

Oppositionelle verschleiern Herkunft

Die Medien haben indes Probleme, die Identität von mutmaßlichen iranischen Oppositionellen im Netz zu verifizieren. Die Bewegung startete etwa eine Aktion, mit der Twitter-Nutzer im Ausland vorgeben, in der Region Teheran angesiedelt zu sein. Damit erhoffen sich die Teilnehmer, sich mehr Gehör zu verschaffen.

"Das ist toll für Aktivisten, aber schrecklich für Journalisten", sagt der Journalistik-Professor Sreenath Sreenivasan von der Columbia-Universität in New York. So könne es passieren, dass man Nachrichten von iranischen Twitterern verfolge. Dann stelle sich aber heraus, dass sie in Wahrheit im Ausland seien.

Quelle: AP/csi

 
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