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SPD in der K-Falle: Die späte Revanche der "Frau XY"

VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 04.09.2008 - 15:06

Berlin (RPO). Der Druck auf die SPD-Führung, endlich den Kanzlerkandidaten auszurufen, nimmt täglich zu. Die Genossen streiten intern über den passenden Zeitpunkt für die Bekanntgabe, mehrere Szenarien werden durchgespielt. Einfluss auf die Entscheidung dürfte auch die bayerische Landtagswahl und - vor allen Dingen - das Schicksal einer gewissen Andrea Ypsilanti haben.

Andrea Ypsilanti und Ex-Kanzler Gerhard Schröder waren nie dicke Freunde. Die Agenda 2010 war steter Zankapfel zwischen der Parteilinken und dem Reformer. Den Spitznamen "Frau XY" verdankt Ypsilanti niemand anderem als ihrem früheren Parteivorsitzenden.

Schröder machte aus seiner Abneigung zur hessischen Aufständlerin nie wirklich einen Hehl. Kam Ypisilanti in Sitzungen zu Wort, plauderte er demonstrativ mit seinem Nebenmann oder verließ sogar den Raum. Selbst einem Handschlag mit der heute 51-Jährigen versuchte Schröder wenn möglich aus dem Weg zu gehen.

Der "Spiegel" schrieb zuletzt gar, beim Namen Schröder würde Ypsilani nicht selten mit ihren Händen abwehrend gestikulieren, so als würde man ihr einen Schnaps anbieten, den sie nicht trinken wollte.

Nun aber ist Ypsilanti am Zug. Sie weiß, dass ihre Wahlabsichten in Hessen Einfluss auf den Zeitpunkt der Erklärung des Kanzlerkandidaten - vielleicht sogar auf den Kandidaten selbst - haben. Wochenlang wurde spekuliert, warum die hessische Landeschefin sich unbedingt mit der Hilfe der Linken an die Macht bugsieren lassen möchte. Viele stellten sich die Frage, ob sie denn kein schlechtes Gewissen habe, ihren Parteikollegen in Berlin einen zweiten Anlauf in ihrem Bundesland anzutun.

Offenbar hat Ypsilanti aber weniger Skrupel, als man vermutet hätte. Auch die Tatsache, dass sie Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit ihrem Links-Flirt in die Parade fährt, scheint sie nur bedingt zu stören. Warum auch? Steinmeier ist einer der Strategen hinter der Agenda 2010 und seit jeher ein enger Schröder-Vertrauter. Damit steht er eigentlich für all das, womit Ypsilianti so ihre Schwierigkeiten hat. Stellt sich die hessische Parteivorsitzende also die Frage, was sie Steinmeier schuldig ist, dürfte sie zu folgendem Schluss kommen: Wenig bis gar nichts.

Zwar sieht der vielbeschworene Zeitplan der SPD vor, den Kandidaten erst Ende des Jahres zu nennen, aber kann man sich das überhaupt noch leisten? Zwar haben die Partei-Strategen eine Variante in der Schublade, die eine Ernennung des Kandidaten nach der (aller Voraussischt nach erfolgreichen) Wahl Ypsilantis vorsieht, doch gäbe es dabei einige Stolpersteine.

Kaum jemand zweifelt mehr daran, dass Frank-Walter Steinmeier gegen Angela Merkel ins Rennen gehen wird - und der gilt als Anhänger der Partei-Rechten. Die "spin doctors" der Partei wissen schon, wie sie die Kandidatur dennoch "verkaufen" könnten: Man stellt Steinmeier als Garanten gegen ein Links-Bündnis im Bund hin und beruhigt so die Wähler.

Doch in SPD-Kreisen wird andererseits argumentiert, Steinmeier könne kaum Kanzlerkandidat werden, falls Ypsilantis Links-Coup in Hessen glückt. Es gibt sogar jene, die glauben, dass der 52-Jährige in diesem Fall selbst hinschmeißen werde und Parteichef Kurt Beck den Vortritt ließe.

Was also ist zu tun? Muss man Ypisilanti zuvorkommen und den Kandidaten früher ausrufen? Zwei Varianten würden sich hier anbieten: Entweder man bekennt sich vor der Bayern-Wahl am 28. September zu einem Kandidaten und stärkt den Genossen im Freistaat damit für den anstehenden Urnengang den Rücken. Oder aber man entscheidet sich direkt im Anschluss der Landtagswahl für einen Kandidaten - noch bevor sich die Politiker in die Herbstferien verabschieden.

Die gewagteste Option, die momentan durch das Willy-Brandt-Haus geistert, ist derweil noch eine andere. Man könnte den Kandidaten doch auch zwischen dem 30. November und dem 2. Dezember bekanntgeben. Pikant: Zu diesem Zeitpunkt findet der CDU-Bundesparteitag in Stuttgart statt. Mit einer Nominierung könnten die Genossen der Union auf einen Schlag den Großteil der Medienaufmerksamkeit "stehlen". Das allerdings dürfte beim (Noch)-Koalitionspartner sicher übel aufstoßen.


 
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