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Debatte um Zentrum der Vertriebenen: Die "Steinbach-Psychose" der Polen

VON DORIS HEIMANN - zuletzt aktualisiert: 03.03.2009 - 14:26

Warschau (RP). Selbst ein polnischer Professor bescheinigt seinen Landsleuten eine "Steinbach-Psychose". Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen ist in Polen eine regelrechte Hassfigur. Hintergrund: Die Polen verzeihen ihr zwei Positionen nicht, die sie in der Vergangenheit vertreten hat.

Als "blonde Bestie" und "falsche Vertriebene" wird sie beschimpft, als "Lügnerin" oder "Tochter eines Feldwebels" geschmäht. Wenn es um Erika Steinbach geht, dann scheint das Arsenal an Schimpfwörtern der polnischen Sprache unerschöpflich. Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) ist in Polen eine Hassfigur. Die Polen hätten eine regelrechte "Steinbach-Psychose", diagnostizierte jüngst ein Professor der Universität in Krakau.

Angst vor der Umdeutung der Geschichte

Was bringt die Polen an Erika Steinbach so in Rage? In erster Linie verbindet sich mit der CDU-Politikerin die ständige Angst vor einer Umdeutung der Geschichte. Regierungschef Donald Tusk brachte es auf den Punkt: Die Polen seien sehr empfindlich, wenn es um die Verteidigung der Wahrheit über den Zweiten Weltkrieg gehe, sagte er kürzlich dem "Spiegel": "Da sind wir obsessiv – und werden es immer bleiben."

Seit Erika Steinbach 1998 zur Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen (BdV) gewählt wurde und wenig später ihren Vorschlag einer Gedenkstätte präsentierte, fühlen sich die Polen von dieser Frau und ihrem Projekt provoziert. Ihre Angst: Ein solches Museum könnte die Vertreibung von 14 Millionen Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten so einseitig darstellen, dass am Ende in Vergessenheit gerät, wer den Zweiten Weltkrieg begonnen hat.

Zwar heißt es im Gesetz über das Zentrum, die Vertreibung solle "im historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik" dargestellt werden. Doch das dient nur wenigen Polen als Beruhigung, solange der Name Steinbach involviert ist.

Kandidatur bringt Öl in die Flammen

Mit ihrer Entscheidung, für den 13-köpfigen Stiftungsrat zu kandidieren, hatte die BdV-Präsidentin neues Öl in die Flammen gegossen. Die Polen nehmen Frau Steinbach persönlich übel, dass sie 1990 im Bundestag gegen die Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze stimmte. Später machte sie Stimmung gegen einen Beitritt Polens zur EU. Ein weiterer Vorwurf: Erika Steinbachs Rolle als Vertriebenen-Lobbyistin sei unglaubwürdig, da sie als Tochter eines deutschen Besatzungsoffiziers geboren wurde und Polen als Kleinkind verließ. "Sie kam mit Hitler und musste mit Hitler wieder gehen", spottete Außenminister Radek Sikorski.

Polen bemüht um Aufarbeitung der Geschichte

Bei ihrer Angst vor Geschichtsklitterung muss man den Polen eines zugute halten: Sie selbst haben sich um die Aufarbeitung auch der dunklen Kapitel ihrer Geschichte bemüht wie kein anderes Land in Osteuropa. Polnische Historiker befassten sich bereits mit der Vertreibung der Deutschen, als dieses Thema unter Geschichtswissenschaftlern in der Bundesrepublik noch als politisch anrüchig galt.

In den 90er Jahren entstand in deutsch-polnischer Zusammenarbeit eine vierbändige Quellensammlung zur Dokumentation der Vertreibung. Vor acht Jahren schrieben polnische Tageszeitungen ausführlich über das Pogrom in Jedwabne. Dort hatten Polen 1941 unter deutscher Besatzung die jüdische Dorfbevölkerung in eine Scheune gesperrt und angezündet.

Als Gegenentwurf zu dem Zentrum gegen Vertreibungen plant die Regierung von Donald Tusk übrigens ein Weltkriegsmuseum in Danzig. Es soll sich ausdrücklich nicht auf die polnische Perspektive beschränken und wird auch die Vertreibung der Deutschen mit einbeziehen.

Quelle: RP

 
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