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Hochschulproteste: Die Stimmung schlägt um

VON REINHOLD MICHELS UND EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 24.11.2009 - 21:33

Düsseldorf (RP). Im öffentlichen Streit um die Hochschlureform schlägt die Stimmung um. Die Studenten erhalten immer weniger Zuspruch zu ihren öffentlichen Protesten gegen die Neuorganisation der Studiengänge und gegen Studiengebühren. Auf der Hochschulrektorenkonferenz in Leipzig verhärteteten sich die Fronten zwischen Studenten und Hochschullehrern vollends.

Knapp 5000 Studenten waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist, um gegen den Bachelor-Studiengang und Studiengebühren zu protestieren. Sie warfen der HRK zudem mangelnde Legitimation vor, weil in dem Gremium keine Studenten vertreten sind. Nach der Sitzung der Uni-Rektoren stürmten die Studenten deren Pressekonferenz.

Die Chefin der Hochschulrektoren-Konferenz Margot Wintermantel verteidigte in Leipzig die Umstellung der alten Studiengänge auf die neuen Abschlüsse als in den meisten Fällen gut gelungen. Dort wo dies nicht der Fall sei, seien die Universitäten dabei, ihre Studiengänge zu überprüfen und Mängel zu beseitigen. Wintermantel betonte auch, dass der Reform-Prozess an den Unis unumkehrbar sei.

Auch aus den Reihen der Studenten gibt es Kritik an den Protesten. „Einfach nur mehr Geld fordern oder für die Abschaffung von Bachelor und Master Krawall machen ­ das ist für angehende Akademiker doch ein bisschen wenig”, sagte Gottfried Ludewig, Chef des RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten).

NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart verteidigt die Reform ebenfalls. „Die Studiendauer sinkt, die Absolventenquote in der Regelstudienzeit steigt”, sagte Pinkwart unserer Redaktion. Das Wissenschaftsministerium verwies zudem darauf, dass in den neuen Studiengängen im vergangenen Jahr 63 Prozent der im Ausland erbrachten Leistungen anerkannt wurden, während es in den traditionellen Studiengängen nur 46 Prozent gewesen seien.

Der Gründer der ersten privaten Hochschule in Witten-Herdecke, Konrad Schily, kritisierte das Nein der Studenten zu Studiengebühren als Ausdruck überholten Denkens. Schily (72), der von 2005 bis 2009 FDP-Bundestagsabgeordneter war und ein jüngerer Bruder des ehemaligen Bundesinnenministers Otto Schily ist, sagte unserer Redaktion „Je jünger Kinder sind, desto mehr können sie sich schenken lassen. Studierende aber sind Erwachsene, als solche müssen sie etwas beitragen zu den gesellschaftlichen Kosten ihrer Hochschulausbildung.” Im Gegenzug müssten die Studierenden dann aber auch mehr Mitwirkungsrechte bei der Gestaltung ihres Studiums erhalten.

Schily bezeichnete es als falsch anzunehmen, dass ohne Studiengebühren mehr Kinder armer Eltern eine Hochschule besuchten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten Bildungsanstrengungen früher beginnen, also in Kindertagesstätten, Vorschulen, Schulen. Solche Einrichtungen müssten kostenfrei bleiben, das gelte nicht für die Hochschule.

Den Politikern, die sich derzeit mit den Forderungen der protestierenden Studenten solidarisieren, hielt der ehemalige Hochschulpräsident entgegen, das helfe den Studierenden so wenig wie Arbeitslosen die öffentliche Empörung über Erwerbslosigkeit helfe. Wichtiger wäre, dass die Hochschulen stärker auf Selbstständigkeit drängten und ihren Studenten mehr Freiheiten einräumten bei der zielgerichteten Gestaltung ihres Studiums.


 
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