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Der Unicef-Skandal
Das Kinderhilfswerk Unicef erlebt die schwerste Krise seiner Geschichte. Unsere Autoren Stefanie Winkelnkemper und Stefan Klüttermann beantworten die wichtigesten Fragen.
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Worum geht es beim Skandal?
Geschäftsführer Dietrich Garlichs soll jahrelang Misswirtschaft mit Spendengeldern betrieben haben. Bislang hat ihn der Vorsitzende Reinhard Schlagintweit verteidigt, aber kündigte an: „Unicef muss die inneren Strukturen überprüfen.“
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Wie ist Unicef strukturiert?
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen unterstützt Kinder in Entwicklungsländern und Krisengebieten. Ursprünglich wurde die Organisation 1946 als Nothilfe für Kinder in Europa gegründet. Auch Deutschen wurde geholfen. Inzwischen ist Unicef eine Weltorganisation mit 37 nationalen Komitees in den Industriestaaten. Sitz der Zentrale ist New York. Das Deutsche Komitee ist in Köln ansässig.
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Wer steuert die Arbeit in Deutschland?
Das Deutsche Komitee ist als mildtätiger und gemeinnütziger Verein anerkannt. Schirmherrin des Komitees ist Eva-Luise Köhler – es ist die traditionelle Aufgabe jeder Frau eines Bundespräsidenten. Die Geschicke leitet aber der elfköpfige Vorstand, deren Vorsitzende bis zu ihrem Rücktritt Heide Simonis war. Die wichtigen Entscheidungen aber trifft Geschäftsführer Garlichs.
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Wer ist Dietrich Garlichs?
Er ist die zentrale Figur des Unicef-Skandals und seit 1989 Geschäftsführer der deutschen Sektion. Er studierte in Köln und an der Harvard Universität Politik und Wirtschaftswissenschaften. Auf der Unicef-Homepage heißt es, er habe vor Unicef im Bundeskanzleramt gearbeitet. Laut „Frankfurter Rundschau“ war Garlichs dort vor 30 Jahren Praktikant. Sein Gehalt soll aber mittlerweile knapp unter dem von Angela Merkel liegen. Der Geschäftsführer und der ehrenamtliche Vorstand sollen 239 000 Euro im Jahr einstecken.
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Wie kommt Unicef zu seinen Spenden?
Für Unicef Deutschland arbeiten rund 8000 ehrenamtliche Helfer. Sie verkaufen in mehr als 100 Arbeitsgruppen Grußkarten und sammeln Spenden. Sie organisieren auch Veranstaltungen und Werbekampagnen. Jährlich kommen dadurch rund 90 Millionen Euro zusammen. Im Tsunami-Jahr waren es 190 Millionen.
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Wie lauteten die Vorwürfe, die die Krise auslösten?
Geschäftsführer Dietrich Garlichs wird vorgeworfen, externe Berater mit einem Spendenaufkommen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr zu großzügig honoriert zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Anfangsverdachts der Untreue. Wirtschaftsprüfer von KPMG stellten außerdem fest: „In vier der fünf von uns untersuchten Sachverhalte wurde Verstöße gegen bestehende Regeln der Vergabe, Durchführung und Kontrolle von Transaktionen festgestellt, die dem Bereich der Ordnungsmäßigkeit zuzuordnen sind.“
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Was sagen die Unicef-Botschafter?
Sabine Christiansen traf sich nach einem Auslands-Aufenthalt erst gestern Abend mit Vertretern der Organisation. Zum Botschafter-Trio gehören außerdem die Schauspieler Pierre Brice und Joachim Fuchsberger. Brice sagte unserer Zeitung: „Meine letzte Zusammenarbeit mit Unicef liegt vier Jahre zurück.“ Er hoffe, dass die Diskussion bald beendet werden könne, und zwar in dem Sinne, „dass alle gewährte Hilfe auch tatsächlich den notleidenden Menschen im vollen Umfang zu Gute kommt.“
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Was denken die Helfer?
Herbert Schröders (67) war 25 Jahre Leiter der Arbeitsgruppe Niederrhein. Er hat sein Amt niedergelegt. „Wenn ich entscheiden dürfte, würde ich erst den Geschäftsführer entlassen und dann eine Kontrollinstanz für seinen Nachfolger installieren”, sagt er. 250 000 Euro habe seine Arbeitsgruppe bis zuletzt jährlich gesammelt – fast soviel wie Garlichs einem Berater als Salär für zwei Jahre bewilligte. „Da haben wir dem Mann doch ein hübsches Taschengeld finanziert“, sagt er. Die Arbeitsgruppe Niederrhein hat sich als erste Gruppe aufgelöst.