Der Koalitionsausschuss hat sich auf Eckpunkte für die geplante Gesundheitsreform verständigt. Was das für die Versicherten genau bedeutet, fassen wir für Sie zusammen.
Was zahlen Versicherte 2007 mehr?
Um die akuten Finanzprobleme zu lösen, soll die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 2007 die Beiträge erhöhen - im Schnitt um 0,5 Prozentpunkte. Damit steigt der durchschnittliche Satz, den sich Arbeitnehmer und Betrieb bzw. Rentner und Rentenkasse teilen, auf 13,8 Prozent. Für einen Angestellten (Durchschnittslohn 3452 Euro) heißt das: Sein Monatsbeitrag steigt von 230 auf 238 Euro. Zudem muss er wie bisher den Sonderbeitrag für Zahnersatz von 0,9 Prozent, also 31 Euro, zahlen.
Werden Arzneimittel teurer?
Das soll die Reform verhindern. Kassen bekommen stärkere Einkaufsmacht. Führt das nicht dazu, dass im nächsten Jahr 500 Millionen Euro gespart werden, müssen Apotheker den Kassen einen Sonderrabatt geben. Zudem müssen Patienten, die eine teure Arznei wollen, künftig die Meinung eines zweiten Arztes einholen.
Ist nun das Ende der Beitragserhöhungen und Zuzahlungen erreicht?
Die Krankenkassen-Beiträge sollen eingefroren werden. Bis zur nächsten Bundestagswahl soll es auch keine Gesundheitssteuer geben. Aber: Die Kassen werden die Patienten mit der neuen Pauschale zur Kasse bitten. Höhe offen.
Wie werden Kinder künftig versichert?
Die Krankenversicherung für Kinder soll langfristig ganz durch Steuermittel finanziert werden. Sie kostet im Jahr 16 Milliarden Euro im Jahr und wird ab 2008 schrittweise über Steuern bezahlt. Steuererhöhungen soll es dafür nicht geben. 2008 sollen 1,5 Milliarden Euro, im Folgejahr 3,0 Milliarden Euro Steuermittel für die Kinderversicherung aufgebracht werden. In den Jahren danach soll sich der Prozess fortsetzen.
Was geschieht mit dem viel diskutierten Gesundheitsfonds?
Der Gesundheitsfonds kommt. Er soll den Wettbewerb zwischen den privaten und den gesetzlichen Kassen fördern. In ihn fließen Versichertengelder und Steuermittel. Die Kassen erhalten daraus einen bestimmten Betrag.
Was bedeutet die Reform für privat Versicherte?
Die private Krankenversicherung bleibt als Vollversicherung erhalten. Die Privatkassen müssen künftig aber jeden aufnehmen (Kontrahierungszwang). Jeder soll krankenversichert sein. Zudem sollen privat Versicherte in die Gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren können.
Was ändert sich für Betriebe?
Die Union hatte versprochen, Firmen zu entlasten. Nun erreicht die Gesundheitsreform das Gegenteil. Durch den Beitragsanstieg werden Betriebe 2007 um 2,5 Milliarden Euro zusätzlich belastet.
Muss ich mich denn überhaupt versichern?
Nach der Gesundheitsreform soll es niemanden mehr geben, der nicht versichert ist. Es werde einen Aufnahme-Zwang für die gesetzliche wie die private Krankenversicherung geben, kündigte die Koalition an.
Wird es Leistungskürzungen für die Versicherten geben?
Laut SPD-Chef Kurt Beck gibt es in der Regel keine Leistungskürzungen. Die von der Union geforderte Herausnahme privater Unfälle aus dem Leistungskatalog ist demnach vom Tisch.
Welche Ausnahmen gibt es?
Insgesamt gibt es wenige Ausnahmen. Jedoch müssen etwa Freunde von Tattoos und Piercing künftig damit leben, dass die Krankenkasse nicht mehr dafür aufkommt, wenn es nach der Behandlung zu einer entzündlichen Wunde kommt. Dies gilt auch für Schönheitsoperationen, soweit sie medizinisch nicht notwendig sind.
Gesundheitsfonds - was dahinter steckt
Im Dschungel der Begrifflichkeiten