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Kommentar: Die Zeitbombe von Kundus

VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 09:06

Düsseldorf (RP). Mit der Flucht nach vorn hat Verteidigungsminister zu Guttenberg richtig gehandelt. Denn allzu deutlich war geworden, dass in seinem Ministerium Falschinformationen zum Luftangriff von Kundus verbreitet und offenbar auch wichtige Berichte zurückgehalten worden sind.

Minister Guttenberg nimmt eine Ehrenformation in Berlin ab.  Foto: ddp, ddp
Minister Guttenberg nimmt eine Ehrenformation in Berlin ab. Foto: ddp, ddp

Die Verantwortung trägt neben dem geschassten Inspekteur vor allem Guttenbergs Vorgänger. Der neue Mann musste zum eigenen Schutz schnell aufräumen. Es mag zwar sympathisch erscheinen, dass sich Jung und Schneiderhan vor den international vorverurteilten Oberst gestellt haben. Er ist eine der bedauernswertesten Figuren in diesem Skandal. Doch allerspätestens Anfang Oktober hätte dem Noch-Verteidigungsminister klar sein müssen, dass er die Ursprungsdarstellung des Vorgangs so nicht mehr aufrecht erhalten konnte.

Seine gestrige Erklärung, er habe zwar den Bericht, in dem von toten Zivilisten die Rede war, an die Nato weitergeleitet, ihn aber nicht gelesen, klingt peinlich unglaubwürdig. So oder so hat nach Guttenbergs Durchgreifen allein Minister Jung den Schwarzen Peter: Entweder wurde in seinem damaligen Ministerium geschlampt oder es wurde vertuscht ­ beides ist nicht akzeptabel.

Jungs schwacher Auftritt vor dem Bundestag hat das Problem noch verschärft: Er ist zur schweren Last für die Bundeskanzlerin geworden.


 
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