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Landtagswahlen
"Erschießen wäre zu soft" – diese AfD-Politiker wollen tatsächlich in den Landtag

Diese AfD-Politiker wollen wirklich in den Landtag
FOTO: dpa, cch hpl
Verharmlosung von Wehrmachtsverbrechen, Herabsetzung kinderloser Frauen und schmerzhafte Strafen gegen Tierquäler: Wer sich ansieht, was einige Landtagskandidaten der AfD bei Facebook posten, muss an ihrer Tauglichkeit zweifeln – eine Auswahl. Von Sebastian Dalkowski

Am Sonntag wählen Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Nach aktuellen Umfragen wird die AfD in jeden dieser Landtage einziehen, in Sachsen-Anhalt würden aktuell 19 Prozent die Partei wählen. Das heißt, dass ab nächster Woche Menschen zu Berufspolitikern werden, die zuvor einer anderen Tätigkeit nachgegangen sind. Wer sich anschaut, was einige der AfD-Kandidaten an Kommentaren bei Facebook hinterlassen haben, der muss Zweifel an deren Befähigung haben.

Anmerkung: Wir können nicht ausschließen, dass einige Postings im Laufe des Tages gelöscht werden und die Links ins Leere laufen. Es gibt allerdings von allen Postings Screenshots.

Die Wehrmacht hat doch bloß Urlaub gemacht

Felix Zietmann fordert als Landtagskandidat für Sachsen-Anhalt eine "Politik ohne Denkverbote". Ihm darf man jedenfalls bescheinigen, auch Gedanken zu denken, die sonst keiner denkt. Als ausländische Jugendliche laut "Junge Freiheit" bei einem Public Viewing in Essen während der WM 2014 Deutschland-Fans attackieren, kommentiert Zietmann: "Ich hoffe es sind genung Deutsche unter den Rädern gekommen, nur so kann ,wenn überhaupt, unsern blinden Volk noch die Augen geöffnet werden." (Die Rechtschreibung haben wir in allen Zitaten beibehalten)

Insgesamt hat er ein eher entspanntes Verhältnis zur Gewalt, vor allem, wenn es um die Wehrmacht geht. Ein Foto des Accounts "Geschichte der Wehrmacht" kommentiert er mit den Worten: "Ewig lebt der Toten Tatenruhm." Welcher Ruhm der Wehrmacht in sechs Jahren Weltkrieg genau sollte noch mal ewig weiterleben? Wobei, soll es überhaupt Krieg heißen? Unter ein Bild, das deutsche Wehrmachtssoldaten beim Hochziehen der Hakenkreuzflagge in Athen zeigt, schreibt er: "Griechenland Urlaub 41" (Das Posting ist mittlerweile gelöscht worden, s. Screenshot). Ein Urlaub, der mehrere Hunderttausend Griechen das Leben kostete.

(Anmerkung: Das Profil von Felix Zietmann wurde mittlerweile gelöscht.)

FOTO: Screenshot Facebook

Tierquäler erschießen? Reicht nicht

Der Mindestlohn ist nicht unumstritten. Ulrich Siegmund, Kandidat der AfD Sachsen-Anhalt, findet sogar: "Mindestlohn ist vollkommener Quatsch." Er hat auch eine - nun ja - einleuchtende Erklärung dafür: "Würde es nicht so viele Menschen geben die für so wenig Geld arbeiten, dann bräuchte man darüber gar nicht diskutieren. Mit Fortbildungen, Qualifizierungen, einer selbstständigen Tätigkeit oder einem Jobwechsel kann jeder sehr leicht mehr als 5 oder 6 Euro die Stunde verdienen." Ganz genau: Einfach mal alle weigern, für so wenig Geld zu arbeiten, dann bekommen wir alle einen Job mit besserer Bezahlung.

Ulrich Siegmund hat sich aber auch mit der Bestrafung von Tierquälern auseinandergesetzt. Eine Zeitung hatte von einem Schäferhund berichtet, der am Rande eines Gewerbegebietes angebunden worden war und dort verendete. Die Strafe, die er sich vorstellt, geht leicht über das übliche Maß hinaus: "Erschießen wäre zu soft.... Das Schwein kann man nicht genug strafen..." (Das Posting ist mittlerweile gelöscht worden, s. Screenshot)

FOTO: Screenshot Facebook

Lieber Brücken sprengen als Flüchtlinge ins Land zu lassen

David Hügel würde gerne in den Landtag von Sachsen-Anhalt. Da können ein paar flüchtlingskritische Bemerkungen nicht schaden. Als ein anderer User ein Video postet, das angeblich eine große Menge Flüchtlinge auf einer Brücke zwischen Deutschland und Österreich zeigt, blickt er nostalgisch zurück: "Damals hat man Brücken gesprengt um eine Invasion zu verhindern".

Auch sonst hält er es für richtig, die Ankunft von Flüchtlingen zu verhindern. Die so genannten "Identitären Aktivisten" in Halle empfangen die Flüchtlinge mit der Botschaft "No way" und schreiben bei Facebook: "Mit der Aktion wetzen wir Identitären ein Zeichen gegen die rasante Überfremdung unserer STadt und den selbstmörderischen Willkommensrausch der Lemminge" – Hügel ist begeistert: "Tolle Aktion !!! RESPEKT". Identitäre sind Menschen, die davon überzeugt sind, dass verschiedene Kulturen nicht zusammen in einem Land leben können, also zum Beispiel Muslime in Deutschland. Sie wollen also im Prinzip keinen einzigen Flüchtling aus dem muslimischen Raum aufnehmen.

Nur gebärende Frauen sind gute Frauen

Am 27. November 2014 platzte Uwe Junge der Kragen. Der Senior, der heute der Spitzenkandidat der AfD in Rheinland-Pfalz ist, sah sich eine Talkshow von Maybritt Illner an und polterte schließlich auf Facebook: "Da diskutieren drei Frontfrauen über Zukunft und Rente und haben alle drei kein einziges Kind zur Welt gebracht! Was für eine Anmaßung! Die Lebensleistung dieser Damen ist gegenüber der Gesellschaft gleich null!" Welche Partei genau betonte nach den Silvester-Vorfällen in Köln noch mal das antiquierte Frauenbild im Islam? Ach ja.

FOTO: Screenshot Facebook

Er ist mit dieser Position in der AfD nicht alleine. Stefan Räpple, ein Landtagskandidat für Baden-Württemberg, spricht vom "Geburtenrückgang durch Feminismus und damit verbundene Rentenkatastrophe". Wie konnte es der Feminismus bloß wagen, die Frauen darin zu bestärken, neben der Nachwuchsproduktion auch andere Ziele im Leben zu haben?

Was Moslems so mit Ziegen anstellen

Es gibt Kandidaten, bei denen selbst der AfD auffallen sollte, dass diese den Ruf der Partei mehr als ohnehin schon ramponieren könnten. Wolfgang Rehfeld (AfD Sachsen-Anhalt) könnte einer von ihnen sein. Einen Artikel über die Weigerung von 17 Staaten, abgelehnte Asylbewerber zurückzunehmen, kommentiert er mit "aber es sind doch Ärzte,Wissenschaftler,Fachkräfte!!!!!!!!!!!!!1". Und setzt darunter das Foto eines Afrikaners, der sich an einer Ziege vergeht. Auf dem Foto steht: "Do you have a minute to talk about Islam?"

In seinem Profilbanner ist zu lesen: "Es gibt einen Plan, eine Verschwörung! Die USA wollen Europa, vornehmlich Deutschland ins Chaos stürzen." Und die deutsche Staatsbürgerschaft gibt es nicht, sagt er: "Schaut mal in den Ausweis....wo steht da was von Staatszugehörigkeit???????????????". Solche Aussagen hört man sonst nur von Mitgliedern der so genannten Reichsbürgerbewegung.

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Pressefreiheit ja, aber nicht für die Lügenpresse

Dass es Rassismus in Deutschland gibt, bestreitet Mario Kuhn, AfD-Landtagskandidat in Rheinland-Pfalz, gar nicht. Nur eben anders, schreibt er: "Es gibt in Deutschland mehr Rassismus gegen Deutsche als gegen Ausländer, da darf man aber nicht drüber berichten. Da gab es ja von der Regierung bereits den Medienmaulkorb."

Maulkorb findet Kuhn natürlich nicht okay, es sei denn, er kommt von ihm."Wechselt doch bitte mal die Redakteure aus, das tut ja schon weh", verlangt er von einer Lokalzeitung, als diese in Flüchtlingsangelegenheiten nicht seiner Meinung ist. Auch an einem Beitrag von RTL2 über Rassismus in Deutschland kann er nichts Gutes finden: "Also was ihr da betreibt ist Volksverhetzung der übelsten Sorte. Es sollte geprüft ob man da nicht rechtliche Schritte einleiten soll. Unglaublich !"

FOTO: Screenshot Facebook

Und wenn selbst RTL2 das Deutschtum nicht verteidigt, dann macht Kuhn das eben selbst, berichtet er: "Ich mache meinen Mund auf wenn mir Ausländer mit ihrer Sprache auf den Keks gehen, viele Volksgruppen können nämlich nicht in normaler Lautstärke sprechen und das kann ganz schön nerven. Ausserdem ist hier Amtssprache Deutsch und da hat man sich anzupassen, ganz einfach".

Nur den Zahlen glauben, die man selbst erfunden hat

Patrick Hoffmann aus Rheinland-Pfalz hat sehr genau im Auge, wie groß der Anteil der so genannten Wirtschaftsflüchtlinge ist. "95 % Wirtschaftsflüchtlinge", schreibt er am 24. Dezember 2015 um 20.04 Uhr. Am 24. Dezember 2015 um 20.28 schreibt er schon "99% Wirtschaftsflüchtlinge", also Menschen, die kein Anrecht auf Asyl in Deutschland haben. Falsch sind allerdings beide Zahlen. 2015 lag die Gesamtschutzquote laut "Bundesamt für Migration und Flüchtlinge" bei 48,5 Prozent der Anträge. Wer "Wirtschaftsflüchtling" ist, erhält diesen Schutz nicht.

Auch sonst steht Hoffmann den Flüchtlingen eher kritisch gegenüber. Als die Huffington Post von einer Schule in Österreich berichtet, die einer Asylbewerberin gegen die Regeln erlaubt, ihr Kind mitzubringen, weil die Frau nicht weiß, wer sonst darauf aufpassen soll, kommentiert Hoffmann: "Unglaublich. Wer das gut findet ,muss dringend in die Klappsmühle...."

FOTO: Screenshot Facebook

Auch mit anderen Parteien hat er es nicht so, lassen diese Worte vermuten: "Diese grüne Partei, welche auf Kindersex und Drogen steht, muss am 13. März aus dem Landtag gefegt werden! Deshalb letzte Chance nutzen: AfD wählen!"

Und wie einige seiner Kollegen schreckt er auch vor Verschwörungstheorien nicht zurück: Als die Antifa ein Plakat einer AfD-Unterstützerinitiative beschmiert und ein Banner mit der Aufschrift "Refugees welcome, Racists not" daran hängt, kommentiert Hoffmann: "Man kann sich ausmalen, was diese SA ,welche von den Altparteien bezahlt und gedeckt wird treibt, wenn ihre Schutzparteien in Regierungsverantwortung bleiben."

Wer sonst noch für die AfD als Landtagskandidat antritt

Eugen Ciresa (Baden-Württemberg) stellt die Politik- und Geschichtswissenschaften mit einem Posting völlig auf den Kopf. Heutige rechte Parteien können gar keine Nähe zum Nationalsozialismus haben, weil: "Die Nazis ware LINKS Faschisten, wie sie dazu einen Bezug zu rechten Parteien herstellen wollen bleibt mir ein Rätsel und es kann eigentlich nur in nicht vorhandenem Wissen der Geschichte begründet sein. Die Partei hieß übrigens ' National SOZIALISTISCHE Partei Deutschlands' also ganz ähnlich der heutigen Santifa."
Genau genommen heißt es Antifa ("SAntifa" ist der Schmähbegriff der Rechten). Anti heißt übrigens "gegen" und das "fa" steht für "Faschismus".

Wolfgang Fuhl (Baden-Württemberg), sagt: "Ich bin kein Anhänger der Verschwörungstheorie 9/11." Er sagt aber über den Anschlag aufs Pentagon: "Ich glaube das Flugzeug wurde von Raketen abgeschossen und eine weitere Rakete ging ins Pentagon. Da dies zu den geheimen Abwehrmaßnahmen des Pentagons gehört, und der Abschuss eines Zivilflugzeugs zu Milliardenklagen gegen die Regierung führen würde, ist die offizielle Version halt so, wie sie ist."

Florian Fillbach (Rheinland-Pfalz), weiß ganz genau, wer in Deutschland ausgebeutet wird: "Der deutsche Mittelstand, die Bundesregierung und ein Asylant sitzen an einem Tisch. Der Mittelstand hat 12 Kekse gebacken. Die Bundesregierung isst 11 auf und gibt den letzten Keks dem Asylant."

Matthias Joa (Rheinland-Pfalz) erklärt einer amerikanischen Kongressabgeordneten, woran man in Deutschland Islamisten erkennt: "But in fact, the threat to the us are not people with names like 'Klaus Müller' or 'Max Meier'. Many of this extremit guys could be detected by their names."

Volker Olenicak (Sachsen-Anhalt) scheint der Einführung der Prügelstrafe nicht gänzlich abgeneigt zu sein. In einem Video aus dem Nahen Osten ist ein Lehrer zu sehen, der seine Schüler mit dem Stock auf die Hand schlägt. Olenicak kommentiert das so: "Passende Sprache zur Mentalität der Schüler ? Sieht hart aus aber ermöglicht in Zukunft sicher ein erträglichen Schulalltag."

Und Armin Friese (Sachsen-Anhalt) schert alle Muslime über einen Kamm. Bei Facebook kommentiert er: "Und warum stehen dann die Muslime nicht auf und wehren sich dagegen, dass der Islam anscheinend verunglimpft wird?! Weil sie alle verlogen sind, und weil der Islam eine Religion des Mittelalters ist. Geht blos nach Hause wo Ihr hingehört !!!!!"

Wohin bloß gehört so eine AfD?

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