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Vom Facebook-Protest zu Pöbeleien gegen Politiker
Erste "Pegida"-Demonstration jährt sich zum zweiten Mal

Dresden: Zwei Jahre "Pegida"-Abendspaziergänge
Dresden: Zwei Jahre "Pegida"-Abendspaziergänge FOTO: dpa, oki jai
Dresden. Am Sonntagmittag haben auf dem Dresdner Theaterplatz mehrere tausend Anhänger des islam- und fremdenfeindlichen "Pegida"-Bündnisses unter starkem Polizeiaufgebot mit einer Demonstration begonnen.

Es seien zwischen 6500 und 8500 Menschen gezählt worden, teilte die Beobachtergruppe "Durchgezählt" auf Twitter mit. Vor einem Jahr waren es demnach noch mehr als doppelt soviel. Es gab mehrere Gegendemonstrationen.

Zum einjährigen Bestehen von Pegida hatten nach Angaben von "Durchgezählt" im Oktober 2015 etwa 15.000 bis 20.000 Anhänger der Bewegung demonstriert. Nach Angaben der Polizei gab es anders als vor einem Jahr bis zum Sonntagnachmittag keine besonderen Vorkommnisse. 2015 war es zwischen beiden Seiten immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen, ein Mensch wurde schwer verletzt.

Die Demonstration fand nicht wie ursprünglich erwartet am Montag statt, weil die Stadt an dem Tag ein Bürgerfest unter dem Motto "Dresden zeig Dich!" organisiert und damit ein Zeichen gegen Pegida setzt. Die Polizei wird mit einem Großaufgebot im Einsatz sein. Bei der Pegida-Kundgebung am Sonntag trat auch Mitbegründer Lutz Bachmann auf, der in Dresden wegen Volksverhetzung vor Gericht steht.

Als Geburtsstunde der umstrittenen Pegida-Bewegung gilt ein "Abendspaziergang" am 20. Oktober 2014. In den folgenden Monaten nahmen immer wieder tausende Menschen an den Kundgebungen teil. Zuletzt sorgten Pegida-Anhänger für Empörung, als sie am Einheitsfeiertag Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den Festveranstaltungen in Dresden beschimpften.

16. Oktober 2014 - der erste Abendspaziergang durch Dresden

Der eigentliche Gründungstag ist am Donnerstag, der Jubiläumsaufmarsch fand aber bereits am Sonntag statt - am Montag folgt als Gegenveranstaltung ein Bürgerfest.

11. OKTOBER 2014: Der Dresdener Lutz Bachmann gründet eine Facebook-Gruppe mit dem Titel "Friedliche Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Dort protestiert er gegen eine Solidaritätskundgebung für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in Dresden am Tag davor.

20. OKTOBER: Zum ersten "Abendspaziergang" der nun nicht mehr als Friedliche, sondern als Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes - kurz "Pegida" - auftretenden Gruppe kommen 350 Menschen.

24. NOVEMBER: Erstmals kommen mehr als 5000 Menschen zu den wöchentlichen Spaziergängen, die öffentliche Wahrnehmung von "Pegida" steigt stark. Von nun an erhöht sich die Teilnehmerzahl der Märsche und Kundgebungen sprunghaft. Zwei Wochen später kommen schon 10.000 Teilnehmer. In vielen anderen Städten entstehen "Pegida"-Ableger.

8. DEZEMBER: Auch die "Pegida"-Gegner verzeichnen wachsende Unterstützung. Mit 9000 Teilnehmern erreichen die seit Wochen laufenden Gegendemonstrationen in Dresden einen Höchststand.

19. DEZEMBER: "Pegida" wird zum eingetragenen Verein.

22. DEZEMBER: Am Montag vor Weihnachten kommen 17.500 Menschen zu einem als Singen von Weihnachtsliedern bezeichneten Aufmarsch. "Pegida"-Unterstützer attackieren zunehmend Journalisten. Diese werden als "Lügenpresse" beschimpft - der Begriff wird später zum Unwort des Jahres.

10. und 12. JANUAR 2015: An einer Kundgebung gegen "Pegida" in Dresden nehmen 35.000 Menschen teil, am "Pegida"-Montagsmarsch 25.000. Bundesweit protestieren in diesen Tagen deutlich über 100.000 Menschen gegen "Pegida".

18. JANUAR: Mit "Pegida"-Mitbegründerin Kathrin Oertel geht erstmals ein führender Kopf der Gruppe an die Öffentlichkeit, sie ist Talkgast bei "Günther Jauch".

19. JANUAR: Wegen akuter Anschlagsgefahr wird die "Pegida"-Kundgebung abgesagt. Oertel und Bachmann geben zum ersten Mal eine Pressekonferenz.

21. JANUAR: Nach Bekanntwerden eines Fotos von ihm in Hitler-Verkleidung tritt Bachmann ab.

28. JANUAR: Oertel und vier weitere führende "Pegida"-Köpfe ziehen sich nach internen Querelen zurück.

8. FEBRUAR: Oertel veranstaltet mit einer neuen Gruppe eine erste eigene Kundgebung, an der aber nur 500 Menschen teilnehmen.

9. FEBRUAR: Zur ersten "Pegida"-Kundgebung nach der Spaltung kommen nur noch 2000 Menschen.

7. SEPTEMBER: Die Teilnehmerzahl der Abendspaziergänge steigt wieder auf 5000 Menschen. In den folgenden Wochen erhöht sich die Zahl weiter.

2. OKTOBER: Die Staatsanwaltschaft Dresden erhebt Anklage gegen Bachmann wegen Volksverhetzung. Er soll auf seiner Facebook-Seite Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber als "Gelumpe" und "Viehzeug" beschimpft haben.

12. OKTOBER: Beim jüngsten "Abendspaziergang" zeigt ein Teilnehmer einen Galgen, der für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) bestimmt ist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

17. OKTOBER: Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) gibt "Pegida"-Anhängern eine Mitverantwortung für brennende Flüchtlingsheime und Angriffe auf Flüchtlingshelfer.

3. MAI 2016: Das Amtsgericht Dresden verurteilt Bachmann wegen herabwürdigenden Äußerungen über Flüchtlinge zu 9600 Euro Geldstrafe. Staatsanwaltschaft und Verteidigung legen Berufung ein. Ende November befasst sich das Landgericht Dresden mit dem Fall.

16. JUNI: Es kommt zum offenen Bruch in der "Pegida"-Führung. Durch eine Erklärung des sogenannten Orgateams von "Pegida" auf Facebook wird bekannt, dass Tatjana Festerling, bislang neben Bachmann führender Kopf der fremdenfeindlichen Bewegung, aus dem Verein ausgeschlossen wird.

3. OKTOBER: Am Einheitsfeiertag beschimpfen "Pegida"-Anhänger Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Ehrengäste der Festveranstaltungen in Dresden mit Rufen wie "Merkel muss weg", "Haut ab" und "Volksverräter".

16. OKTOBER 2016: Tausende "Pegida"-Anhänger demonstrieren in Dresden. Die Kundgebung wird von mehreren Gegendemonstrationen begleitet. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz.

(felt/dpa/AFP)
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