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Neonazis marschierten auf: Dresden gedenkt der Bombardierung vor 60 Jahren

zuletzt aktualisiert: 13.02.2005 - 22:29

Dresden (rpo). Seit Sonntag 22 Uhr ist es endlich wieder möglich: Die Frauenkirche bietet Gläubigen nach dem Wiederaufbau Raum zum Gebet. Mit einer Kranzniederlegung für die Opfer der Luftangriffe auf Dresden hatten Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt am Sonntag die Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag des Bombardements eingeleitet. Die Polizei konnte Auseinandersetzungen zwischen Extremisten verhindern. Das Lichtermeer am Abend signalisierte der Welt Versöhnung.

Die Türen zur Baustelle des Hauptraums wurden um 22 Uhr für drei Stunden geöffnet. Die Stiftung des Gotteshauses begründete ihren Ausnahme-Schritt damit, dass sie ein deutliches Zeichen "für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt" setzen wolle. Die Weihe der im Februar 1945 zerstörte und seit vergangenem Jahr äußerlich wieder hergestellten Frauenkirche ist für den 30. Oktober geplant.

Vor der Öffnung der Frauenkirche läuteten eine Viertelstunde lang alle Kirchenglocken Dresdens als Erinnerung an den Beginn der Angriffswellen britischer und amerikanischer Bomber, die am 13. und 14. Februar weite Teile der historischen Innenstadt zerstört hatten. Dabei waren nach Schätzungen etwa 35.000 Menschen ums Leben gekommen.

Verlauf des schweren Gedenktages

Mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer der Luftangriffe auf Dresden hatten der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt und Oberbürgermeister Ingolf Roßberg am Sonntag die Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag des Bombardements eingeleitet. Über 50 Verhaftungen bis zum Nachmittag sollten die Sicherheit auf der Straße gewährleisten, wo die politischen Extremisten aufeinander trafen. Das Lichtermeer am Abend setzte ein Zeichen der Versöhnung.  

Auf dem Heidefriedhof legten sie am Vormittag Kränze nieder. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) warnte in Berlin davor, die Geschichte umzudeuten und das Leid der Menschen zu missbrauchen und zu instrumentalisieren.

Milbradt und Roßberg wurden von dem Botschafter der USA, Daniel Coats, dem Botschafter Großbritanniens, Peter Torry, und dem französischen Botschafter Claude Martin begleitet. Nach dem offiziellen Teil legten Abgeordnete der im Landtag vertretenen demokratischen Parteien von CDU, SPD, FDP, PDS und Bündnis 90/Grüne und Bürger der Stadt ebenfalls Kräne am Mahnmal nieder. Auch Vertreter der rechtsextremistischen NPD-Landtagsfraktion nahmen an der Kranzniederlegung teil.

Demonstrationen in Dresden

Am Sonntagmittag versammelten sich 5.000 Teilnehmer zu einer von der rechtsextremistisch unterwanderten Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) angemeldeten Demonstration vor dem Landtag. Sie wird von der rechtsextremistischen NPD-Landtagsfraktion unterstützt.

Vor dem Parlamentsgebäude war weithin sichtbar ein Transparent mit der Aufschrift "Die Würde des Menschen ist unantastbar - Aktion Weiße Rose" zu sehen. Parlamentssprecher Ivo Klatte sagte, dass das Transparent auch als Aufruf an die Teilnehmer der JLO-Demonstration zu sehen sei, Menschenwürde und Toleranz zu wahren.

Am Rande der Kundgebung protestierten Dresdner mit Pfiffen und Sprechchören wie "Nazis raus!" gegen die Veranstaltung, die von der rechtsextremen NPD und weiteren rechten Gruppen organisiert wurde. Im Anschluss war ein Neonazi-Aufmarsch in der Innenstadt geplant.

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben rund 50 Demonstranten aus der linken Szene in Gewahrsam. Sie seien vermummt gewesen und hätten versucht, die Kundgebung der Rechten zu stören, sagte eine Polizeisprecherin.

Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag in Dresden gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten demonstriert. Die Gegenveranstaltung startete vom Dresdner Albertplatz nach einer Kundgebung, an der auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) teilnahm. Zu der Demonstration unter dem Motto "GehDenken" hatte ein Bündnis von Gewerkschaften, Politikern und Vereinen aufgerufen.

Lichtermeer am Abend

Mit einem Lichtermeer vor der Semperoper haben Tausende Menschen am Sonntagabend zum 60. Jahrestag der Bombardierung Dresdens ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Nach Angaben des Innenministeriums versammelten sich auf dem Theaterplatz insgesamt 50.000 Menschen.

Zu der Aktion "10.000 Kerzen auf dem Theaterplatz - Ein Bild geht um die Welt" hatten mehrere Prominente aufgerufen, darunter Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), der Schauspieler und Kabarettist Wolfgang Stumph sowie der Trainer des Fußballklubs Dynamo Dresden, Christoph Franke.

Quelle: afp

 
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