Erste bundesweite Pflegenoten offenbaren Defizite: Durchwachsene Noten für Altenheime
zuletzt aktualisiert: 08.10.2009 - 16:31Berlin (RPO). Seit Anfang Juli werden die Pflegeheime in Deutschland nach einem einheitlichen Schulnotensystem überprüft. Nun wurden erste Ergebnisse veröffentlicht. Das Fazit: Zahlreiche Altenheime weisen deutliche Mängel auf, insgesamt schnitten die Heime aber überwiegend gut ab.
In jeder fünften Einrichtung gibt es demnach Defizite beim Umgang mit demenzkranken Bewohnern. Das ergab die Prüfung der ersten 1057 Pflegeheime nach dem neuen Bewertungsschema. Die Ergebnisse stellte der Dachverband der Kranken- und Pflegekassen, der GKV-Spitzenverband, am Donnerstag in Berlin vor.
Bei der pflegerischen und medizinischen Versorgung erhielten rund 17 Prozent der Häuser schlechte Noten. Überwiegend schnitten die Heime aber gut ab. Kritiker bemängeln, das System verschleiere die Wirklichkeit und sei irreführend.
Acht Prozent "mangelhaft" oder "ausreichend"
Seit Anfang Juli überprüfen die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) Pflegeheime nach dem einheitlichen Schulnotensystem. Das soll deutschlandweit mehr Transparenz und Vergleichbarkeit zur Qualität der Betreuung schaffen. Bis Mitte September wurden rund zehn Prozent der etwa 11.000 Einrichtungen untersucht.
Von den untersuchten Heimen bekamen acht Prozent die Gesamtnote "mangelhaft" oder "ausreichend". Etwa ein Viertel der Häuser erhielt die Zensur "befriedigend". Rund Zwei Drittel der Einrichtungen erreichten eine "gute" oder "sehr gute" Gesamtbewertung.
Kritiker hatten mit einem solchen Resultat gerechnet. Sie bemängeln, selbst schwere Defizite in einzelnen Bereichen könnten durch gute Noten bei anderen Kriterien ausgeglichen werden. Die Gesamtnoten fielen dadurch größtenteils positiv aus.
Mehr Differenzierung gefordert
Der Geschäftsführer des MDK Rheinland-Pfalz, Gundo Zieres, rügte, es gebe nach wie vor "methodische Mängel" und "fachliche Fehler" an dem System. Schwarze Schafe könnten ihre Mängel verschleiern, während gute Einrichtungen in der Masse untergingen. "Wir haben nichts gegen gute Noten", sagte Zieres, "aber sie müssen der Wirklichkeit entsprechen." Er forderte mehr Differenzierung bei der Bewertung und plädierte dafür, die Veröffentlichung der Noten vorerst auszusetzen.
Stattdessen solle ein unabhängiges Institut die früheren textbasierten Qualitätsberichte der Medizinischen Dienste mit den bisher vergebenen Noten vergleichen. Dann könne man sehen, wie nah die neuen Bewertungen an der Realität seien.
Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte Nachbesserungen. Es gebe bei dem Notensystem zu viele und zum Teil wenig plausible Kriterien, die noch dazu falsch gewichtet würden. Die nun vorgelegten Resultate seien wie erwartet "verwirrend" und "irreführend". "Mit diesen Ergebnissen kann ich die guten von den schlechten Heimen nicht unterscheiden", kritisierte er. Ein Heim könne bei den wichtigen Aspekten der Pflege schlechte Arbeit vorweisen und trotzdem gute Noten bekommen.
Dieter Voß, Vorstand des Kassen-Dachverbandes, räumte ein, vier solcher "Ausreißer" habe es bei den bisherigen Prüfungen in der Tat gegeben. Auch seien die Noten auffallend häufig im oberen Bereich angesiedelt. "Wir werden den Ursachen nachgehen", sicherte er zu. Im Zweifel werde es auch Änderungen an dem System geben. Grundsätzlich sei das jetzige Modell aber "tauglich", um mehr Transparenz zu schaffen und auch den Qualitätswettbewerb zwischen den Heimen anzukurbeln.
Die Ergebnisse der bisherigen Prüfungen werden voraussichtlich im November im Internet und in den betroffenen Einrichtungen veröffentlicht. Die übrigen Bewertungen folgen nach und nach. Bis Ende 2010 sollen alle Einrichtungen in Deutschland einmal geprüft sein.
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