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SPD-Politiker wurde 93 Jahre alt
Egon Bahr ist tot

Egon Bahr - Grandseigneur der SPD
Egon Bahr - Grandseigneur der SPD FOTO: dpa, eis_gr cul axs tmk
Der SPD-Politiker Egon Bahr ist tot. Der frühere enge Vertraute des SPD-Kanzlers Willy Brandt und Ex-Bundesminister starb im Alter von 93 Jahren. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel trauert um einen "großen Sozialdemokraten".

"Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren", sagte Parteichef Sigmar Gabriel am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.  Die deutsche Sozialdemokratie und viele Menschen in Europa trauerten um einen "mutigen, aufrichtigen und großen Sozialdemokraten, den Architekten der deutschen Einheit, Friedenspolitiker und Europäer", sagte Gabriel. 

Bahr galt zusammen mit Brandt als Architekt der deutschen Ostpolitik. Die Annäherung an Moskau und die DDR war eine wichtige Voraussetzung zur späteren Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas. Bahr sei ein großer Vordenker mit einzigartiger politischer Tatkraft gewesen. "Er vertraute wesentlich auf die Macht der Freiheit und die Kraft des Gesprächs, das war die Grundlage für den "Wandel durch Annäherung"", sagte Gabriel.

Bis zuletzt sei Bahr stets ein loyaler und unermüdlicher Ratgeber der SPD gewesen. "Wir werden seine analytische Brillanz, seine Rationalität und Leidenschaft, aber auch sein Temperament und seinen liebenswürdigen Humor sehr vermissen", betonte Gabriel. "Ich werde Egon auch als Freund und Ratgeber sehr vermissen." 

Bahr war erst Ende Juli noch in Moskau und hatte sich dort zusammen mit dem Ex-Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow für ein Ende der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland in der Ukrainekrise ausgesprochen. 

Bahr war einer der entscheidenden Vordenker und führenden Mitgestalter der von der Regierung Brandt 1969/70 eingeleiteten Ost- und Deutschlandpolitik. Von ihm stammt der politische Leitgedanke "Wandel durch Annäherung". Von 1972 bis 1974 war Bahr Bundesminister für besondere Aufgaben und von 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Egon Bahr gilt als Baumeister der deutschen Ostpolitik. Die Karriere des 1922 im thüringischen Treffurt geborenen SPD-Politikers war eng mit dem ersten SPD-Bundeskanzler Willy Brandt verknüpft. Mit Moskau und Warschau verhandelte Bahr über Verträge zu einem Gewaltverzicht und zur Normalisierung der Beziehungen. Außerdem suchte er die Annäherung an die DDR, um die deutsch-deutschen Verhältnisse zu verbessern. Er wirkte unter anderem als Staatssekretär im Bundeskanzleramt.

(dpa)
 
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