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Ehe für alle
Merkel verärgert über Vorpreschen der SPD

Ehe für alle: Merkel verärgert über Vorpreschen der SPD
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). FOTO: dpa, car
Berlin. Auf Drängen der SPD wird der Bundestag noch in dieser Woche über die Ehe für alle abstimmen. Angela Merkel ist deshalb verärgert. Die Eile sei "völlig unnötig", kritisiert die Kanzlerin.

"Mir ist es fremd, wie eine solche Entscheidung genau in dem Moment, als sich die realistische Aussicht auf ein fraktionsübergreifendes Vorgehen ergab, in eine parteipolitische Auseinandersetzung gezogen wurde", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel der "Wirtschaftswoche". "Das ist traurig, und es ist vor allem auch völlig unnötig."

Hintergrund: In diesen Ländern gibt es die Homo-Ehe FOTO: afp, DM

Die Sozialdemokraten waren am Dienstag mit ihren Abstimmungsplänen zur Homoehe vorgeprescht, nachdem Merkel bei einer Veranstaltung am Vorabend vom bisherigen Nein ihrer Partei zur völligen Gleichstellung homosexueller Paare bei der Ehe abgerückt war. Die Kanzlerin hatte erklärt, die Frage künftig "eher als Gewissensentscheidung" einstufen zu wollen.

Die SPD will das Votum über die Homoehe am Freitag gemeinsam mit der Opposition kurzfristig auf die Tagesordnung setzen und stellt sich damit gegen den Koalitionspartner Union. "Wir sprechen hier nicht über eine gesetzliche Fußnote, sondern über Artikel 6 unseres Grundgesetzes und eine Entscheidung, die die tiefsten Überzeugungen von Menschen und die Ehe, einen Grundpfeiler unserer Gesellschaft, berührt", sagte Merkel der "Wirtschaftswoche".

In dem Interview ließ die Kanzlerin weiter offen, wie sie sich bei der namentlichen Abstimmung am Freitag verhalten werde. Allerdings sagte sie, dass sie seit vielen Jahren von der Überzeugung geleitet werde, "dass in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften die gleichen Werte wie in der Ehe von Mann und Frau gelebt werden: Liebe, Fürsorge und Verantwortung füreinander und für ihre Kinder". Deswegen seien "Schritt für Schritt und Rechtsgebiet für Rechtsgebiet noch bestehende Diskriminierungen" aufgehoben worden.

Die SPD greift auf eine Gesetzesinitiative des Bundesrates von 2015 zurück, die unter Federführung des damals rot-grün regierten Rheinland-Pfalz entstand. Der Entwurf sieht die volle Gleichstellung von Homosexuellen bei der Ehe vor, etwa auch bei der Adoption von Kindern. Schwule und lesbische Paare, die bereits eine Lebenspartnerschaft eingegangen sind, sollen diese auf dem Standesamt in eine Ehe umwandeln lassen können.

Kirche äußert Vorbehalte

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass der Bundestag das Gesetz annehmen werde. "Die Ehe für alle ist längst gesellschaftlicher Konsens", erklärte die amtierende Bundesratspräsidentin. "Wir sollten endlich dafür sorgen, dass es Menschen, die sich lieben, ermöglicht wird, füreinander mit allen rechtlichen Konsequenzen einzustehen."

Die katholische Kirche äußerte starke Vorbehalte gegen die geplante Ehe für alle. Für die Bischofskonferenz sei die Ehe "die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann als prinzipiell lebenslange Verbindung mit der grundsätzlichen Offenheit für die Weitergabe von Leben", betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. 

"Wir bedauern, wenn dieser Ehebegriff aufgelöst werden soll und damit die christliche Auffassung von Ehe und das staatliche Konzept weiter auseinandergehen", sagte Marx weiter. Er kritisierte auch das Tempo bei der Abstimmung. Es sei "völlig unangemessen, eine solche gesellschaftspolitische Grundentscheidung in diesem überstürzten Verfahren zu fällen."

Der Bundestag entscheidet am Freitag um 8 Uhr über einen sogenannten Aufsetzungsantrag, um den Gesetzentwurf auf die Tagesordnung zu nehmen. Direkt im Anschluss sei eine 38-minütige Debatte mit anschließender namentlicher Abstimmung geplant. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD, Christine Lambrecht, rief ihre Fraktion in einem internen Schreiben zu vollständiger Präsenz auf. Sie erinnerte daran, dass die SPD gemeinsam mit Grünen und Linken nur zehn Stimmen Vorsprung vor der Union habe. "Es besteht absolute Präsenzpflicht", heißt es in dem Schreiben.

(wer/AFP)
 
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