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EHEC Bahr Aigner Panorama
  Foto: dapd, dapd
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Suche nach der Quelle des Darmerregers: EHEC: Was Deutschland von den USA lernen kann

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 09.06.2011 - 17:05

Berlin (RPO). Es hatte mächtig Kritik gehagelt in den vergangenen Tagen am Krisenmanagement der Bundesregierung. Die EHEC-Infektionen und die noch immer erfolglose Suche nach der Quelle machen viele nervös. Auch Länder wie die USA und Japan mussten sich bereits mit einer solchen Epidemie beschäftigen - und gingen damit auf ihre ganz eigene Art und Weise um.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verbraucherschutzausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), regte im SWR eine Fusion aller mit den Themen Seuchen- und Krankheitsbekämpfung, Verbraucherschutz sowie Lebensmittelsicherheit befassten Bundesbehörden an. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, forderte eine mobile Task Force für EHEC und andere Epidemien unter Zuständigkeit des Bundesgesundheitsministers.

Es sind zahlreiche Vorschläge, die in den vergangenen Tagen an die deutsche Regierung herangetragen wurde, die sich wiederum dazu genötigt sah, ihr Krisenmanagement zu verteidigen. Erst am Mittwoch hatten Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) bei einer Pressekonferenz erklärt, dass sie sich durchaus mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) abspreche - und dieser quittierte das mit einem Kopfnicken.

Amerika als Vorbild genannt

Die verschiedenen Meldungen - Hamburg warnt vor Gurken, Niedersachsen warnt vor Sprossen - verunsichern die Menschen, sodass der Ärger durchaus verständlich ist. Und so wird in diesen Tagen vor allem eine Institution immer wieder als Vorbild für Deutschland genannt: das amerikanische Center of Disease Control and Prevention (CDC). Das ist vergleichbar mit dem deutschen Robert-Koch-Institut, denn es ist ebenfalls dem Gesundheitsministerium unterstellt.

Auch das CDC beschäftigt sich vor allem mit Infektionskrankheiten. Gibt man auf der Webseite das Wort "EHEC" ein, bekommt man unzählige Meldungen, darunter zahlreiche wissenschaftliche Erhebungen. Auch bei Facebook ist das Institut vertreten, und jede Woche wird ein Report mit frischen Daten zu allen möglichen Gefahren herausgegeben. Prävention und Aufklärung - das ist die Aufgabe des Instituts.

Die Gesundheitsbehörde gab es auch schon, als EHEC das erste Mal zu einem größeren Problem wurde. Das war im Jahr 1982, als sich zahlreiche US-Bürger vor allem nach dem Genuss in einer Imbisskette mit dem Erreger infiziert hatten. Das Rindfleisch in den Burgern war damals nicht durchgegart wurden. Und die USA reagierten nicht nur mit einer schnellen Meldepflicht, sondern auch mit zahlreichen Aufklärungskampagnen, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt.

Aufklärungskampagnen in USA und Japan

Der ARD-Journalist Klaus Weidmann hatte schon 1998 die deutschen Behörden hinsichtlich ihrer Reaktion auf EHEC kritisiert. Denn die Krankheit kommt jedes Jahr wieder auf, nur ist der jetzt veränderte Keim wesentlich aggressiver. Weidmann erklärte im Interview mit tagesschau.de, dass in den USA, aber auch in Japan, wo es 1996 eine große EHEC-Epidemie gab, viel ernsthafter mit dem Keim umgegangen worden sei und man schon in den 90er Jahren viel Geld und Personal in die diesbezügliche Forschung gesteckt habe.

Das CDC selbst, so Weidmann, habe große Befugnisse, entsprechendes Personal und auch Geld zur Verfügung, der Erfahrungsschatz der Amerikaner sei - auch wegen der Epidemie in den 80ern - wesentlich größer. Aber auch in Japan habe er schon vor 15 Jahren Aufklärungskampagnen gesehen, wie man mit Hygiene umgeht, und es gebe bereits seit den 40er Jahren eine Meldepflicht.

Tatsächlich hatten die Japaner ähnliche Probleme, mit denen jetzt auch die Bundesregierung kämpft. Satoshi Takaya, Leiter der Gesellschaft für Lebensmittelhygiene in Japan, erinnert sich gegenüber tagesschau.de an die Epidemie von 1996, als rund 10.000 Menschen an EHEC erkrankten. Er war damals im Gesundheitsministerium mit dem Fall beschäftigt.

Viele Sprossen-Bauern pleite gegangen

Damals waren Sprossen der Auslöser der Erkrankung. Laut Takaya gab es eine Firma, die im Verdacht war. Und auch wenn die Behörden den Keim dort nicht nachweisen hätten können, hätten sie eine Warnung heraus gegeben. Die Japaner verzichteten demnach auf das Produkt und viele Sprossen-Bauern gingen pleite - und klagten.

Das japanische Gesundheitsministerium, so Takaya, habe damals in großen Aufklärungskampagnen die Großküchen und Verbraucher auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Und das Bildungsministerium habe die Schulen angewiesen, dass alles, was roh verzehrt werden soll, vorher in mit Chlor versetztem Wasser gereinigt werden müsse.

Auch wenn die Kritik an dem deutschen Informationswirrwarr groß ist, so zeigt sich aber auch, dass die anderen Staaten erst auf die Infektionen reagiert haben, als der große Ausbruch in ihrem Land stattfand. Und dass die Bundesregierung nun zu wenig reagieren würde, wird wohl auch niemand behaupten. Japan und die USA hatten Glück, die Quelle der Infektionen zu finden. Und sollte das auch in Deutschland geschehen, werden die kritischen Stimmen sicher auch ein wenig leiser.


 
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