Helmut Schmidt gibt sich bescheiden: "Ein alter Mann ohne Einfluss"
zuletzt aktualisiert: 18.09.2008 - 10:32Berlin (RPO). Bei einer Buchpräsentation am Mittwochenabend ließ sich Helmut Schmidt (89) nach seinem Lafontaine-Hitler-Vergleich zu keiner weiteren Skandal-Aussage hinreißen. Im Gegenteil. Der Altkanzler bezeichnete sich als "alter Mann ohne Einfluss". Im Berliner Ensemble präsentierte er sein Werk mit dem Titel "Außer Dienst – Eine Bilanz".
Bei aller Bescheidenheit hatte der fast 90-Jährige trotzdem reichlich Rat zur Lösung der Weltprobleme anzubieten. Im vollbesetzten Theater am Schiffbauerdamm, wo er das Buch im Gespräch mit dem Fernsehjournalisten Claus Kleber erstmals vorstellte, sinnierte der Staatsmann über die aktuellen Krisen vom Finanzmarkt bis zur NATO-Erweiterung und auch darüber, was aus seiner Sicht getan werden muss.
Kommentare zur aktuellen Tagespolitik lehnte er an diesem Abend ab. Erst in den vergangenen Tagen hatte Schmidt mit seinen Kommentaren für einen Skandal gesorgt. Er nannte Linksparteichef Oskar Lafontaine in einem Atemzug mit dem Rechtspopulisten Jean-Marie le Pen und auch mit Hitler. Die Linkspartei unterstellte dem 89-Jährigen daraufhin Senilität.
Somit ließ sich Schmidt am Mittwoch von Klebers Fragen nicht zu einem weiteren Fauxpas hinreißen. Nur das gab Schmidt zum SPD-Führungswechsel preis: "Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden."
Auch der Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel stellte er ein recht mildes Zeugnis aus. "Die Große Koalition hat bisher keine großen Fehler gemacht", sagte der Altkanzler. Und im übrigen mahnte er die Deutschen zu Gelassenheit gegenüber ihren Herrschenden, den Koalitionsdebatten und dem politischen Gezänk. "Das Schlimme ist, dass die Deutschen sich angewöhnt haben, Koalitionen und Kompromisse für faul zu halten", sagte er. "Das ist falsch."
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