Trauer um Paul Spiegel: "Ein Brückenbauer zwischen Christen und Juden"
zuletzt aktualisiert: 01.05.2006 - 12:17Düsseldorf (rpo). Der Tod von Paul Spiegel hat in Politik und Gesellschaft Trauer und Betroffenheit ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte den Präsidenten des Zentralrats der Juden als "beeindruckende Persönlichkeit". Auch Vertreter der Katholischen und Evangelischen Kirche lobten seine Verdienste. Spiegel war nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren in Düsseldorf verstorben.
Spiegel soll am Donnerstag in Düsseldorf beigesetzt werden. Spiegel werde im engen Familien- und Freundeskreis beerdigt, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, am Montag auf ddp-Anfrage. Der Trauerakt werde sehr wahrscheinlich am 21. Mai in Düsseldorf stattfinden. Hierzu würden hochrangige Vertreter aus Politik und von Kirchen aus dem In- und Ausland erwartet.
Spiegel hatte das Amt des Präsidenten des Zentralrats nach dem Tod von Ignatz Bubis übernommen, der im August 1999 gestorben war. Spiegel war im Januar 2000 an die Spitze der Dachorganisation der jüdischen Gemeinden in Deutschland gewählt worden.
Nach Mitteilung des Zentralrats wird die Beerdigung in kleinem Kreis stattfinden. Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer sagte, dass die Beisetzung am Mittwoch oder Donnerstag im engsten Kreis stattfinden könne. Eine offizielle Trauerfeier werde später nachgeholt. Spiegel soll in jedem Fall im Raum Düsseldorf beerdigt werden, sagte das Mitglied des Zentralrats-Präsidiums, Nathan Kalmanowicz. Die Todesnachricht sei für den Zentralrat zwar nicht überraschend gekommen, trotzdem sei man schockiert. Paul Spiegel hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter, die laut Zentralrat bei seinem Tod anwesend waren.
Große Bestürzung
Politiker aller Parteien und Kirchenvertreter reagierten mit Bestürzung auf die Todesnachricht und würdigten Spiegel als herausragende Persönlichkeit.
Spiegel hatte bereits am 3. Februar einen Herzinfarkt erlitten. Nach der Behandlung kamen eine Lungenentzündung und weitere Infektionen hinzu. Wegen der Komplikationen wurde er in ein künstliches Koma versetzt. "Er hatte keine Chance", sagte Nathan Kalmanowicz. Zum Schluss seien Hirnfunktionen ausgefallen. Kalmanowicz zufolge handelte es sich bei der Blutkrankheit um Leukämie. Noch im März hatte sich der Zentralrat optimistisch zur Genesung Spiegels geäußert.
Bundespräsident Horst Köhler bezeichnete Spiegel als "deutschen Patrioten", dessen Rat ihm fehlen werde. Das Land habe "einen Menschen verloren, der wesentlich zum guten Miteinander in Deutschland beigetragen hat".
Kanzlerin Angela Merkel erklärte in Berlin, Spiegel habe sich mit großer Leidenschaft und für eine gute Zukunft der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eingesetzt. "Er mahnte, wo viele stumm blieben. Sein Einsatz für Zivilcourage, für Toleranz und gegenseitigen Respekt und gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus hat Maßstäbe gesetzt", sagte die CDU-Chefin. Ihr SPD-Amtskollege Kurt Beck würdigte Spiegel als moralische Autorität. Er sei ein sehr überzeugender Präsident des Zentralrates und ein liebenswürdiger Mensch gewesen.
Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz würdigte Paul Spiegel als einen "engagierten Brückenbauer zwischen Christen und Juden."
Großes Engagement für Judentum
Die Zentralrats-Vizepräsidentin Charlotte Knobloch sagte, Spiegel habe mit seiner unermüdlichen Tätigkeit und seinem großen Engagement einen wichtigen Beitrag zur Renaissance des Judentums in Deutschland geleistet. Neben Knobloch ist auch Salomon Korn von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt Vizepräsident. Nach Kalmanowicz' Worten könnten die beiden die Amtsgeschäfte weiterführen. Über die Nachfolge im Zentralrat soll dann bei den turnusmäßigen Wahlen im November entschieden werden. Zunächst stehe ein Monat der Trauer an.
Spiegel wurde am 31. Dezember 1937 im münsterländischen Warendorf geboren. Nach dem Abitur arbeitete er zunächst als Journalist und engagierte sich früh in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und sowie im Zentralrat der Juden, der höchsten politischen und religiösen Vertretung der in Deutschland lebenden Juden, an deren Spitze er mehr als sechs Jahre stand. Als sein vorrangiges Anliegen bezeichnete Spiegel die Integration der Neu-Einwanderer aus Osteuropa.
Spiegel war seit 1993 zunächst einer der zwei stellvertretenden Präsidenten. Nach dem Tod von Ignatz Bubis 1999 wurde er im Folgejahr zum Präsidenten gewählt. Der Zentralrats-Präsident hatte zudem seit 1986 eine internationale Künstler-Agentur in Düsseldorf und vermarktete einige der erfolgreichsten Stars des Fernsehens und der Bühne.
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