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panorama Gruüen-Fraktionschef Jürgen Trittin
  Foto: ddp, ddp
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Rot-Grün laut Umfrage bei 48 Prozent: Ein Grüner als Kanzler?

VON GREGOR MAYNTZ UND EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 23.09.2010 - 07:22

Berlin (RP). Nach einer Forsa-Umfrage liegen die Grünen aktuell bundesweit bei 24 Prozent, punktgleich mit der SPD. Wenn sich diese Werte stabilisieren, brauchen die Grünen 2013 einen eigenen Kanzlerkandidaten.

Der aktuelle Umfragewert von 24 Prozent bundesweit hat bei den Grünen gestern betonte Zurückhaltung ausgelöst. Grünen-Chef Cem Özdemir reagierte auf die Frage, ob die Grünen einen eigenen Kanzlerkandidaten brauchen, mit einem Scherz: "Mit uns jetzt über Kanzlerkandidaturen zu reden, ist genauso sinnvoll, als würde der FSV Mainz schon die Meisterschaftsfeier planen", sagte Özdemir unserer Redaktion. Der Bundesligaclub Mainz 05 ist nach dem fünften Spieltag Spitzenreiter der Tabelle.

Dennoch könnten die Grünen in naher Zukunft Spitzenpersonal benötigen, das auch als Regierungschef taugt. In Baden-Württemberg hat die einstige Öko-Partei die SPD längst abgehängt. Dort steht Winfried Kretschmann bereit, nach den Landtagswahlen im März bei einem Sieg von Rot-Grün den amtierenden Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) zu beerben.

Für die Landtagswahlen in Berlin im Herbst 2011 wird erwartet, dass Renate Künast ihre Spitzenkandidatur erklärt. Auch hier liegen die Grünen Kopf an Kopf mit der regierenden SPD. Parteistrategen der Öko-Partei munkeln bereits, wenn sich die aktuellen Umfragewerte der Grünen in echten Wahlergebnissen niederschlügen, benötige man 2013 wohl einen eigenen Kandidaten für das Kanzleramt.

Nach Ansicht von Forsa-Chef Manfred Güllner, der die sagenhaften Umfragewerte gemessen hat, sind die Grünen nach wie vor keine Volkspartei. Trotzdem sei für Bürgerliche ein Spitzenpolitiker wie Jürgen Trittin akzeptabel geworden: "Der Grünen-Politiker Trittin war noch 1998 der Buhmann. Jetzt wird er als seriöser Staatsmann wahrgenommen. Das macht die Grünen so attraktiv", sagte Güllner unserer Redaktion. Viele Vorbehalte gegen Trittin seien nicht mehr vorhanden. "Wer sich Trittin, Özdemir und Künast anschaut, erhält den Eindruck einer durch und durch soliden, seriösen und anständigen Partei, die nicht mehr streitet und keine Farbbeutel mehr schmeißt."

Am Abend wurde Jürgen Trittin selbst Opfer eines Anschlags mit Farbe. In Hannover bewarf ein Maskierter den Fraktionschef mit "einem tortenähnlichen, offenbar mit weißer Farbe gefüllten Gegenstand", wie die Polizei Hannover mitteilte. Trittin wollte an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. Als sich seine Diskussionspartnerin nicht von dem Farbanschlag distanzieren wollte, verließ Trittin die Bühne: "Körperliche Gewalt kann keine Basis einer Diskussion sein", betonte Trittin. Die Polizei ermittelt.

Im Gespräch mit unserer Redaktion hatte Trittin die Grünen zuvor auf eine Augenhöhe mit der CDU gerückt: Er habe "mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass Frau Merkel uns von Atom bis ,Stuttgart 21' als ihren eigentlichen Gegner sieht", sagte Trittin. "Diese Herausforderung nehmen wir gerne an", fügte er hinzu.

Für die Demoskopen ist der Höhenflug der Grünen mehr als eine Momentaufnahme. "Das ist keine Fantasiegeschichte mehr", betonte Güllner. Er verwies darauf, dass die Grünen bei der Europawahl in Berlin bereits stärker als die SPD abgeschnitten hatten und bei der Kommunalwahl in Stuttgart stärkste Partei geworden waren. Im Zentrum von Köln hätten sie bei den Wahlen für die Bezirksvertretungen doppelt so viele Stimmen bekommen wie die SPD. In der Domstadt habe dies unter anderem an der "völlig verfehlten Stadtentwicklungspolitik" gelegen, auf Bundesebene treibe die SPD den Grünen derzeit die Stimmen geradezu zu. Wer derart massiv auf den Atomausstieg setze wie die SPD, mache auf das "Original" dieser Forderungen durch die Grünen aufmerksam.

Nach Einschätzung von Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen profitieren die Grünen davon, dass sie kaum Regierungsverantwortung trügen. Deshalb seien sie auch am wenigsten von allen Parteien von der Unzufriedenheit über politische Entscheidungen betroffen. Spielten andere Themen eine größere Rolle, könne das Interesse an den Grünen auch wieder abnehmen. Ähnlich äußerten sich SPD-Politiker.

Quelle: RP

 
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