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Königshaus ist neuer Wehrbeauftragter
Ein Oberleutnant in Reserve

Königshaus ist neuer Wehrbeauftragter: Ein Oberleutnant in Reserve
Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Bundestages, lobte die Pläne des Verteidigungsministers. FOTO: ddp
Berlin (RPO). Er sieht sich als "Anwalt aller Soldaten und ihrer Familien". Hellmut Königshaus ist zum elften Wehrbeauftragten des Bundestages gewählt worden. Als Mitglied des Verteidigungsauschusses und Experte für die Afghanistan-Politik hat der FDP-Politiker bereits Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt.

375 Abgeordnete des Parlaments stimmten für Königshaus, 163 dagegen, 41 enthielten sich. In den nächsten fünf Jahren wird er nun die Belange der Bundeswehrsoldaten vertreten.  Er kümmert sich um Missstände in der Truppe - von maroden Kasernen über Ärztemangel bis zur Verpflegung im Einsatz. Er hat ein offenes Ohr für Soldaten, die mit traumatischen Belastungen aus dem Einsatz zurückkehren, für Konflikte mit Vorgesetzen und für Probleme bei der Vereinbarkeit von Dienst und Familie.  Und die Truppe ist ihm nicht fremd. Denn der 59-Jährige hat selbst gedient, ist Oberleutnant in Reserve. Von 1970 bis 1972 leistete er seinen Wehrdienst als Soldat auf Zeit, zuletzt als Personaloffizier bei der Luftwaffe.

Laut der FDP-Fraktionsvorsitzenden Birgit Homburger hielt er bereits als Leiter der FDP-Arbeitsgruppe "Afghanistan" stets engen Kontakt mit der Bundeswehr und kümmerte sich zudem in der letzten Legislaturperiode intensiv um sicherheitspolitischen Fragen. Als Obmann im Kundus-Untersuchungaussschusses war er außerdem lange mit dem Thema beschäftigt, dass die Bundeswehr seit Monaten beschäftigt: der Angriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan. Erst Mitte März hatte er Verteidigungsminister Karl-Theodor von Guttenberg (CSU) gegen Kritik verteidigt.

Defizite in der Truppe

Vor Königshaus liegt eine Menge Arbeit. Erst vor Kurzem hatte der Jahresbericht seines Vorgängers Reinhold Robbe für Aufregung gesorgt. Erneut hatte er auf wachsende Missstände bei der Bundeswehr hingewiesen: Fehlende Ärzte, sexuelle Diskriminierung oder auch dramatisch steigende Zahlen von psychischen Erkrankungen. Laut Robbe ist die Bundeswehr zudem für ihre zahlreichen Auslandseinsätze nicht ausreichend ausgerüstet. Es fehle an gepanzerten Fahrzeugen, Maschinengewehren und Transportflugzeugen.

Königshaus sagte am Morgen vor seiner Wahl im ZDF, derzeit würden die Struktur der Bundeswehr überprüft und Defizite definiert. Danach wisse er, was seine künftigen Hauptaufgaben seien. Man werde sich auch langfristige Großprojekte noch mal genau ansehen und überlegen, was wirklich gebraucht werde. Wichtig sei, "dass die Truppe, die heute im Einsatz ist, optimal ausgestattet ist".

Zugleich forderte er mehr Anerkennung für die Arbeit der Bundeswehr. Die Soldaten müssten das Gefühl haben, dass ihre Opfer und ihre Belastungen auch anerkannt würden. Oft kämen sie vom Auslandseinsatz zurück und würden missachtet oder gar beschimpft. Auch die Politik habe die Soldaten bisher "möglicherweise nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit betrachtet".

Der studierte Jurist ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 2004 sitzt er im Bundestag. Damals rückte er für den verstorbenen FDP-Politiker Günter Rexrodt nach. Das Mandat muss er nun allerdings niederlegen. Denn der Wehrbeauftragte darf weder Beamter noch Bundestagsabgeordneter sein. Einen Namen machte sich Königshaus auch als Mitglied des BND- und Visa-Untersuchungsauschusses. Zudem war er in der vergangenen Wahlperiode als Sprecher im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie als stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss tätig.

(das/fb)
 
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