Milbradt geht, Tillich soll kommen: Ein Sachse für Sachsen
zuletzt aktualisiert: 14.04.2008 - 16:22Dresden (RPO). Machtwechsel in Sachsen. Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hat im Zuge der Finanzaffäre bei der SachsenLB seinen Rücktritt erklärt. An der Entscheidung soll dem Vernehmen nach auch das Kanzleramt beteiligt gewesen sein. Milbradt stellte bereits seinen Nachfolger vor: Der bisherige Finanzminister Stanislaw Tillich (ebenfalls CDU) soll für das Amt kandidieren. Tillich gilt als skandalfrei und waschechter Sachse.
Stanislaw Tillich muss in jüngster Zeit häufiger mal seine Sachen packen. Erst im September wechselte der 49-Jährige in der sächsischen Landesregierung vom Umweltressort an die Spitze des Finanzministerium. Nun muss er wieder umziehen - diesmal in der Staatskanzlei. Der CDU-Politiker soll an Stelle von Georg Milbradt, der infolge der Affäre um die Sächsische Landesbank (Sachsen LB) das Handtuch warf, Ministerpräsident im Freistaat werden.
Tillich gilt als unverbraucht und frei Skandalen. Und er hat einen weiteren Vorteil: Anders als seine Vorgänger Milbradt und Kurt Biedenkopf ist Tillich kein Westimport. Damit könnte Ende Mai, wenn sich Tillich zur Wahl im Landtag stellt, erstmals ein Sachse Ministerpräsident werden.
Tillich, der der slawischen Minderheit der Sorbe in der Lausitz angehört, ist seit 1999 Mitgleid der sächsischen Regierung. Zunächst war er Minister für Europaangelegenheiten, wurde dann Staatskanzleichef und Umweltminister. Im September 2007 wechselte er überraschend in das Finanzressort, nachdem Finanzminister Horst Metz (CDU) wegen der kurz vor der Pleite stehenden Sachsen LB überraschend zurückgetreten war.
Das Geldinstitut, das sich auf dem US-Hypothekenmarkt verspekuliert hatte, war später an die Landesbank Baden-Württemberg notverkauft worden. In den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass die Stuttgarter Bank offenbar mehrere hundert Millionen Euro aus einer 2,75-Milliarden-Euro-Bürgschaft des Freistaats in Anspruch nehmen will. Nach einer Krisensitzung der sächsischen CDU-Spitze machte Milbradt am Wochenende schließlich den Weg frei für Tillich.
Tillich besuchte das sorbische Gymnasium in Bautzen und wurde zunächst Ingenieur. Er selbst bescreibt sich als bodenständigen Lausitzer. Als Krisenmanager verschaffte er sich 2002 bei der Elbeflut in Sachsen Anerkennung. Nun soll er den Ruf des Freistaates, der unter Milbradt arg gelitten hat, wieder aufpolieren. "Er ist ein kraftvoller und erfahrener Politiker", sagte Milbradt am Montag bei seiner Rücktrittserklärung über Tillich, der als getreuer Gefolgsmann des scheidenden Regierungschefs gilt.
Tillich kündigte an, sowohl für das Amt des Ministerpräsidenten als auch für den CDU-Landesvorsitz kandidieren zu wollen. Er habe den Rückhalt von einem engen Kreis politischer Weggefährten Milbradts, sagte der Vater zweier erwachsener Kinder, der seit 25 Jahren verheiratet ist. Er werde versuchen, politische Gräben zu überwinden. Die CDU-SPD-Koalition befindet sich seit Wochen in einer Regierungskrise. Immer wieder war Milbradt von SPD-Abgeordneten scharf kritisiert worden. Mit Tillich könnte sich nun ein Nachfolger gefunden haben, der das Land wieder in ruhigeres Fahrwasser führt.
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