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Deutschland und Polen
Entfremdete Nachbarn

Deutschland und Polen: Entfremdete Nachbarn
25 Jahre ist er alt, der deutsch-polnische Freundschaftsvertrag. FOTO: dpa, ppl pzi dna
Meinung | Berlin. Die Beziehung zwischen Polen und Deutschland muss auf den Status gesetzt werden: "Es ist kompliziert". Trotz aller Beteuerungen der Gemeinsamkeiten anlässlich von 25 Jahren deutsch-polnischem Freundschaftsvertrag ist die Entfremdung der Nachbarn nicht zu übersehen. Von Eva Quadbeck

Nachdem Polen Deutschland in der Hochphase der Flüchtlingskrise vorgeworfen hatte, die Lage in Deutschland sei "außer Kontrolle" und der polnische Außenminister über die Nation der "Radfahrer und Vegetarier" lästerte, schlägt man nun wieder harmonische Töne an. Von Herzen kommen sie aber nicht. Trotz aller Beteuerungen der Gemeinsamkeiten anlässlich von 25 Jahren deutsch-polnischem Freundschaftsvertrag ist die Entfremdung der Nachbarn nicht zu übersehen.

Der Wandel im Ton ist der Einsicht geschuldet, dass man einander braucht: Polen braucht Deutschland als Versicherung gegen Russland. Deutschland wiederum braucht Polen, um Europa zusammenzuhalten. Ob diese polnische Regierung dafür taugt, ist allerdings sehr fraglich.

Vor 25 Jahren war Polen ein Hoffnungsträger in Europa. Die Erwartung lag darin, dass Polen wie Frankreich im Westen ein stabiler Anker für den Fortschritt und den Zusammenhalt der EU im Osten wird. Insbesondere für Deutschland eröffnete sich die Chance, die Aussöhnung zu vollenden und Polen zum engen Verbündeten zu machen.

Es ging nicht schnell, aber Schritt um Schritt wurden diese Erwartungen viele Jahre erfüllt. Auch das inzwischen 25 Jahre alte "Weimarer Dreieck" aus Frankreich, Deutschland und Polen ist ein Symbol dafür, dass die europäische Achse nun drei Haltepunkte haben sollte. Das Weimarer Dreieck erwies sich in der Flüchtlingskrise allerdings als handlungsunfähig.

Nun droht Polen ebenso Mittelpunkt und Motor eines zerfallenden Europas zu werden. Während überall in Europa Rechtspopulisten auf dem Vormarsch sind, die der EU feindlich bis skeptisch gegenüberstehen, sitzen sie in Polen schon in der Regierung. In der Flüchtlingskrise weigerten sich die Polen, Menschen aufzunehmen. Ihre Demokratie und ihre Rechtsstaatlichkeit ist mit der PIS-Regierung auf dem Rückzug. Obwohl sie von den Subventionen der EU profitieren wie kaum ein anderes Land, stellen sie ihre nationalen Interessen über die der Europäischen Union. Das kann nicht lange gut gehen.

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