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Deutsche Geiseln im Irak: Entführer stellen offenbar politische Forderungen

zuletzt aktualisiert: 28.01.2006 - 15:14

Hamburg (rpo). Medienberichten zufolge haben die Entführer der beiden deutschen Ingenieure im Irak weit reichende politische Forderungen gestellt. Berlin soll die Zusammenarbeit mit Bagdad einstellen, außerdem müssten in irakischen Gefängnissen einsitzende Frauen freigelassen werden.

Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf das Bekennervideo der Gruppe Ansar el Tawhid wal Sunna (Anhänger der göttlichen Einmaligkeit und der Sunna). Auch der "Tagesspiegel" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Kidnapper verlangten, dass die Bundesregierung den Kontakt zum Irak abbricht.

Das Video hat laut "Spiegel" eine Dauer von 123 Sekunden. Die von einem der Entführer verlesenen Forderungen lauteten "Botschaft sofort aus dem Irak zurückziehen" und "Kooperation mit der abtrünnigen irakischen Regierung einstellen". Die Entführten René Bräunlich und Thomas Nitzschke werden auf dem Video als "zwei ungläubige Ingenieure" bezeichnet, die für die "ungläubige Regierung" in Bagdad gearbeitet hätten.

Drei Tage nach der Entführung hatte der arabische Nachrichtensender El Dschasira am Freitag das Video ausgestrahlt, auf dem die beiden Männer am Boden kauernd mit vier bewaffneten, vermummten Geiselnehmern zu sehen sind. Der Ton war von El Dschasira jedoch nicht mit ausgestrahlt worden.

Der Krisenstab trat am Samstag erneut im Auswärtigen Amt in Berlin zusammen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte kurz vor der Sitzung, dass die deutschen Stellen "unermüdlich dabei sind, Leben und Gesundheit der Geiseln zu schützen, um sie baldmöglichst wieder in Freiheit zu sehen". Darüber hinaus gebe es "leider keine neuen Einzelheiten". Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte, die Bundesregierung sei sich einig, "dass wir zu allem, was im Zusammenhang mit dem Wort Lösegeld steht, nicht Stellung nehmen". "Diejenigen, die die Verantwortung tragen, müssen den Mund halten", sagte Schäuble der "Welt am Sonntag".

Der irakische Sunniten-Führer Adnan Dulaimi rief seine Glaubensbrüder zur Freilassung der beiden Deutschen auf. Der Vorsitzende des Irakischen Volksrates sagte in Bagdad, er setze sich sowohl für die Freilassung der vor vier Tagen entführten Ingenieure von der sächsischen Firma Cryotec als auch für die Freilassung der US-Journalistin Jill Carroll ein, die bereits vor drei Wochen verschleppt worden war. "Ich bitte Gott, dass er das Herz der Entführer gnädig stimmt", sagte Dulaimi. Die Kidnapper sollten ihre Geiseln "unverzüglich" freilassen.

Cryotec-Geschäftsführer Peter Bienert sagte der Zeitschrift "Focus", sein Unternehmen werde das Engagement im Irak auch nach der Entführung nicht abbrechen. "Wir werden sicherlich im Irak präsent bleiben", sagte Bienert. Die Sicherheitsmaßnahmen seien allerdings "selbstverständlich neu zu überdenken". Bienert erklärte, Bräunlich und Nitzschke seien bei ihrem Arbeitseinsatz in Baidschi, rund 200 Kilometer nordwestlich von Bagdad, "aus unserer Sicht im ausreichenden Maß versichert" gewesen. Einzelheiten zu der Art der Versicherung wollte der Cryotec-Chef nicht nennen.

Die Entführer von vier im Irak verschleppten Friedensaktivisten drohten erneut mit deren Ermordung. El Dschasira veröffentlichte ein neues Video, in welchem die Geiselnehmer erklärten, dies sei "die letzte Chance" für ihre Gefangenen. Wenn nicht die Häftlinge aus den irakischen und US-Gefängnissen im Irak befreit würden, würden die Geiseln getötet.

Die vier Mitarbeiter der Organisation Christian Peacemaker Teams (CPT) waren am 26. November im Irak entführt worden. Sie stammen aus Kanada, Großbritannien und den USA. Zu der Tat bekannten sich die bis dahin unbekannten "Brigaden der Schwerter des Rechts". Die Entführer hatten den Behörden bereits zum 10. Dezember ein erstes Ultimatum gestellt, diese Frist aber verstreichen lassen.

Quelle: afp

 
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