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Gespräch: Erdogan lädt Merkel nach Ankara ein

zuletzt aktualisiert: 18.11.2005 - 13:46

Berlin (rpo). Zwischen der Türkei und der neuen deutschen Regierung ist es noch vor der Vereidigung des Kabinetts zu ersten Annäherungsversuchen gekommen. Am Freitag trafen sich die designierte Kanzlerin und der türkische Außenminister Abdullah Gül zu Gesprächen in Berlin. Erstes Ergebnis: Die unterschiedlichen Haltungen von Union und Ankara in der Frage der EU-Mitgliedschaft der Türkei sollen den deutsch-türkischen Beziehungen nicht im Wege stehen.

Das haben sich die künftige Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Außenminister Abdullah Gül am Freitag bei einer Unterredung in Berlin nach Berichten von Teilnehmern gegenseitig versichert.

Wie weiter berichtetet wurde, hat Merkel Gül die Türkei-Passage in der Koalitionsvereinbarung als gute Arbeitsgrundlage geschildert. In dem Text werden die Beitrittsverhandlungen als Prozess mit offenem Ausgang beschrieben, der für den Fall, dass ein Beitritt nicht das Verhandlungsergebnis sein kann, vorsieht, dass das "privilegierte Verhältnis" der Türkei zur EU weiter entwickelt wird. Ankara besteht hingegen darauf, dass am Ende der Verhandlungen der EU-Beitritt steht.

Eine von Gül überbrachte Einladung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einem Besuch der Türkei im ersten Halbjahr 2006 habe Merkel angenommen, hieß es weiter. Gül habe Merkel auch im Namen Erdogans zur Bildung der schwarz-roten Regierungskoalition gratuliert und ihr Erfolg gewünscht.

Erler besorgt

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende und designierte Staatsminister im Auswärtigen Amt Gernot Erler nannte die Einigung zwischen Union und SPD im Koalitionsvertrag, ergebnisoffene EU-Beitrittsverhandlungen zu unterstützen, eine "Verständigung auf die Fakten". Die Verhandlungen hatten am 3. Oktober begonnen. Erler zeigte sich im Deutschlandradio Kultur besorgt, dass der Reformprozess in der Türkei ins Stocken geraten sei und dass der Eifer der EU für die Verhandlungen nachgelassen habe.

Das Verhältnis zwischen der Türkei und den Unionsparteien hat sich nach Ansicht des Vorsitzenden des deutsch-türkischen Forums in der CDU, Bülent Arslan, entspannt. "Eine gewisse Beruhigung ist da in jedem Fall zu beobachten", sagte Arslan im Bayerischen Rundfunk. Er führte dies auf die Erklärung Merkels vor der Bundestagswahl zurück, dass sie den Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei akzeptieren werde. Arslan räumte allerdings ein, dass die Türkei noch weitere Schritte unternehmen müsse, um beitrittsfähig zu werden. Mit einer Mitgliedschaft wird frühestens in zehn bis 15 Jahren gerechnet.

Quelle: ap

 
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