kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast

Deutsch-türkischer Reiseunternehmer Öger: "Erdogan spricht nicht für uns"

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 14.02.2008

Berlin (RP). Die Warnungen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan vor „Assimilation“ stoßen auf Kritik bei den in Deutschland lebenden Türken. Unternehmer Vural Öger sagt: „Erdogan spricht nicht für uns.“

Die schärfste Kritik an dem „Gastauftritt“ des türkischen Ministerpräsidenten Recep Erdogan in Deutschland kam von Türken. „Man kann nicht einerseits Assimilation als Verbrechen gegen die Menschlichkeit kritisieren, andererseits einer Regierung vorstehen, die Assimilationspolitik erster Güte betreibt“, sagte Ali Toprak, Generalsekretär des Dachverbands der Religionsgemeinschaft der Aleviten. Toprak bezog sich dabei auf die gestern erneut von Erdogan vorgetragene Warnung vor einer „Assimilation“ der Türken.

Dass „Assimilation“ ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei, hatte Erdogan bereits in seiner umstrittenen Rede vor 16 000 Zuhörern in der Kölnarena gesagt und prompt heftige Reaktionen ausgelöst. NRW-Integrationsminister Armin Laschet erklärte, dass eine „erzwungene Assimilation, also die Aufgabe der Kultur, nicht Ziel der deutschen Integrationspolitik“ sei und mahnte Erdogan, sich doch mal „in seinem Land umzuschauen“. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Kurt Beck äußerten sich ebenfalls irritiert. Beobachter werteten die forschen Bemerkungen des türkischen Ministerpräsidenten als Teil eines „Wahlkampfs in eigener Sache“.

Folgen auch in Berlin spürbar

Doch die Folgen sind nun auch in Berlin spürbar. Die Fraktionen von SPD und CDU wollen kommende Woche im Bundestag eine Debatte über die „gemeinsame Integrationspolitik“ beantragen. „Da muss einiges klargestellt werden“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. „Die Integration in Deutschland ist keine Zwangsgermanisierung der Türken.“

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts versuchte, die Wogen zu glätten. Erdogan habe klare Worte zum solidarischen Miteinander gefunden. Sowohl in Ludwigshafen als auch in Köln habe er die in Deutschland lebenden Türken zur Integration aufgerufen, sagte sie. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will das Thema heute bei einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Ali Babacan ansprechen.

Die Kirchen zeigten sich empört über Erdogan. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schickh sagte: „Die Leitkultur in Deutschland ist das Grundgesetz. Wenn Erdogan auf Türkisch die Türken auffordere, auf Distanz zum Leben in Deutschland zu gehen, gefährdet er das Miteinander. Dieses Miteinander lebt aus der Kultur des Grundgesetzes.“ Schick betonte, zum Glück sei die türkische Gemeinschaft in Deutschland überwiegend gut integriert. Diesen Eindruck bestätigt eine Studie der Universität Würzburg, wonach inzwischen 62 Prozent der türkischstämmigen Jugendlichen zu Hause deutsch sprechen. 2005 waren es erst 56 Prozent.

"Keine Angelegenheit von Ankara"

Viele in Deutschland lebende Türken distanzierten sich von Erdogan. „Erdogan hat in der Kölnarena türkische Innenpolitik betrieben“, kritisierte der türkischstämmige Unternehmer und SPD-Europapolitiker Vural Öger im Gespräch mit unserer Zeitung. „Erdogan spricht nicht für die Deutsch-Türken. Die Integration der Türken in Deutschland ist nicht eine Angelegenheit von Ankara.“ Kein Deutscher würde Assimilierung verlangen.

Der Präsident der türkisch-deutschen Industrie- und Handelskammer (TD-IHK), Rainhardt Freiherr von Leoprechting, fürchtet durch die emotionale Debatte eine Eintrübung der deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen. „Ich sehe das mit Sorge, weil die Diskussion nicht sachlich geführt wird“, sagte von Leoprechting unserer Zeitung. Die Türkei habe im Zuge des Beitrittsprozesses zur EU eine „erstaunliche Dynamik“ entwickelt, von der die deutsche Wirtschaft profitiere. „Ich befürchte, dass der Reformeifer nun etwas gebremst wird.“

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Mubarak spottet über neue Politikergeneration

Ägyptens Ex-Präsident

Mubarak spottet über Politiker

Mit Hohn und Spott verfolgt Ex-Präsident Husni Mubarak die neue Generation ägyptischer Politiker. mehr 

Präsident im Kriegsmodus

Warum Hollande Syrien mit Militär droht

Präsident im Kriegsmodus

Frankreichs neuer Präsident François Hollande droht Syrien mit einer Militärintervention - ... mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Ägyptens Ex-Präsident

Mubarak spottet über Politiker

Warum Hollande Syrien mit Militär droht

Präsident im Kriegsmodus

Schmutz-Wahlkampf in den USA

Obama macht Romney zum Vampir

Diskussion um Nichtraucherschutz

"Rauchen ist bei jungen Menschen out"

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Schröder hält am Krippenausbau fest

"Wir dürfen die Eltern nicht enttäuschen"

Familienministerin Schröder hält daran fest: Ab August 2013 soll der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung gelten. Am Mittwoch legte sie ein Zehn-Punkte-Programm vor. Mit seiner Hilfe sollen doch noch 160.000 Betreuungsplätze entstehen. "Fast ... mehr

 

Ministerin will auf Uni-Bewertung warten

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 
 

Streitpunkt Vorratsdaten

EU-Kommission wird Deutschland verklagen

 

Merkel nur noch knapp vorn

Kraft stürmt die Beliebtheits-Charts

 

Ramsauers Vorschlag abgeblockt

Merkel erteilt Pkw-Maut klare Absage

Top-Services