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Recep Tayyip Erdogan Türkei Panorama, AP 2010-0324
  Foto: AP, AP
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Sprachprobleme in der Integrationsdebatte: Erdogan will türkische Gymnasien in Deutschland

zuletzt aktualisiert: 25.03.2010 - 09:19

Hamburg (RPO). Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat in einem Zeitungsinterview die Einführung von türkischen Gymnasien in Deutschland vorgeschlagen. Migranten müssten erst die eigene Sprache beherrschen, bevor sie eine neue lernen, begründet Erdogan seinen Vorstoß. CSU und FDP lehnen indes den Vorschlag ab.

"In der Türkei haben wir deutsche Gymnasien. Warum sollte es keine türkischen Gymnasien in Deutschland geben?", sagte Erdogan der Wochenzeitung "Die Zeit". Der Ministerpräsident begründete seinen Vorstoß mit den anhaltenden Sprachproblemen vieler der drei Millionen Türken in Deutschland. "Hier hat Deutschland noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt. Man muss zunächst die eigene Sprache beherrschen, also Türkisch, und das ist leider selten der Fall", wurde Erdogan weiter zitiert.

Mit seinem Vorschlag hat sich Erdogan in eine Diskussion eingeschaltet, die nach Gründung von Privatgymnasien in Berlin, Köln oder Hannover bereits in Deutschland geführt wird. Dabei hatte es vor allem Forderungen zur Kontrolle der Unterrichtsinhalte dieser Schulen gegeben. In Berlin mit einer der größten türkischen Gemeinden des Landes hat die Senatsverwaltung für Bildung bereits auf die Forderung Erdogans reagiert. "Das Erlernen der türkischen Sprache führt nicht bei jedem Jugendlichen zu dem gewünschten Integrations-Erfolg", hieß es in einer offiziellen Mitteilung am Mittwoch.

Weiter wies die Senatsverwaltung darauf hin: "Ohne sichere Kenntnisse in der deutschen Sprache fällt der Weg in die Arbeits- und Ausbildungswelt vielen türkischstämmigen Schülerinnen und Schülern erkennbar schwer." Die Möglichkeit zur Gründung von türkischen Privatschulen gebe es ohnehin schon lange. Erst jüngst sei in Berlin eine entsprechende Schule des Trägers Tüdesb dauerhaft anerkannt worden. Dieses Gymnasium ist seit 2004 als Privatschule tätig.

CSU und FDP lehnen Vorschlag ab

Der Vorschlag Erdogans stößt bei CSU und FDP auf Ablehnung. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte am Mittwoch dem Nachrichtenportal "Spiegel Online": "Erdogan will Integration vereiteln, um die bei uns lebenden Türken für seine politischen Zwecke zu instrumentalisieren." Türkische Kinder sollten sich in Deutschland integrieren statt in Parallelgesellschaften stecken zu bleiben. "Solche Forderungen im Vorfeld des Türkei- Besuchs der Kanzlerin sind ein Affront", sagte Dobrindt.

Der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, sagte dem Nachrichtenportal: "Ich befürchte, dass an türkischsprachigen Gymnasien hauptsächlich Türkisch und nur nebenbei Deutsch gesprochen würde." Der türkischstämmige Abgeordnete nannte Erdogans Verweis auf bereits bestehende deutsche Gymnasien in der Türkei irreführend. "Dort gehen überwiegend Kinder der Eliten auf deutsche Schulen, um sich in vielen Fällen auf ein mögliches Auslandsstudium vorzubereiten. In Deutschland geht es meist um Kinder aus sozial schwachen Familien, die hier integriert werden müssen", sagte er.

Die Integrationsbeauftragte Böhmer wies Erdogans Vorschlag zurück. Der Berliner "B.Z." sagte die CDU-Politikerin: "Wir möchten, dass Schule ein Ort der Begegnung und des Miteinanders ist." Es sei ein großer Vorteil, in zwei Sprachen zu Hause zu sein. Aber es müsse klar sein, dass die Sprache des Landes, in dem man dauerhaft lebe, gut beherrscht werden müsse. "Nur wer Deutsch kann, hat die Chance auf den sozialen Aufstieg", sagte Böhmer.

Auch türkische Universitäten gefordert

Erdogan geht in seinen Forderungen aber noch weiter: Für die Zeit nach dem Abitur schlägt er auch eine türkisch geprägte Ausbildung in Deutschland vor. "Wir gründen gerade die Türkisch-Deutsche Universität in Istanbul. Warum gründen wir nicht auch eine bei Ihnen?", sagte der Ministerpräsident. Es gebe da ein entsprechendes Bedürfnis. Das sei in seinen Augen kein Luxus, sondern ein Beitrag zur Integration.

Der türkische Ministerpräsident sprach sich außerdem für die Einführung der doppelten Staatsangehörigkeit in Deutschland aus. "Auch wenn jemand seine Staatsbürgerschaft ablegt, kann er seine ethnische Herkunft nicht ändern", bekräftige Erdogan. Zurzeit werde ja viel über doppelte Staatsangehörigkeiten gesprochen. "Ich finde es sehr bedauerlich, dass Deutschland zu den Ländern in der Europäischen Union gehört, die das nicht zulassen", sagte der Ministerpräsident.

Erdogan besteht auf Vollmitgliedschaft in der EU

Kurz vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ankara Anfang kommender Woche besteht Erdogan auf einer Vollmitgliedschaft seines Landes in der EU. "Wir führen bereits die Verhandlungen, und zwar auf Vollmitgliedschaft. Für uns gibt es dazu keine Alternative", sagte er dem Bericht zufolge. Die Position Merkels für eine sogenannte privilegierte Partnerschaft wies er zurück: "Die EU-Verträge kennen keine 'privilegierte Partnerschaft'. Für die Türkei wäre es ein großer Fehler, darauf einzugehen", betonte Erdogan. Die meisten anderen EU-Länder akzeptierten diesen Vorschlag ohnehin nicht.

Schüler und Lehrer können Türkisch-Zertifikat erlangen

Über ein Pilotprojekt an sieben Schulen können Schüler und Lehrer in Nordrhein-Westfalen jetzt das staatliche türkische Sprachzertifikat TÖMER erlangen. Die Initiative soll Mehrsprachigkeit fördern, die Bedeutung der türkischen Sprache unterstreichen sowie den Zugang zu international ausgerichteten Hochschulen und Unternehmen erleichtern, wie das Schulministerium am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte.

Getragen werde das Vorhaben von den Universitäten in Ankara und Duisburg-Essen sowie dem Schulministerium. Lehrer türkischer Herkunft könnten über das Sprachzertifikat eine Unterrichtserlaubnis im Fach Türkisch erlangen. Im Frühjahr 2011 solle das Projekt auf ganz Nordrhein-Westfalen ausgeweitet werden.

Derzeit lernen den Angaben zufolge rund 7000 Schüler in Nordrhein-Westfalen Türkisch als Fremdsprache; 58 000 Schüler lernen die Sprache im herkunftssprachlichen Unterricht. Türkisch kann in der Oberstufe auch als Grund- oder Leistungskurs belegt werden.

Quelle: apn/DDP/felt

 
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