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Nach vereiteltem Anschlag in Deutschland: Erhöhte Terrorgefahr bei Konvertiten?

zuletzt aktualisiert: 06.09.2007 - 11:01

Düsseldorf (RPO). Welche Terrorgefahr geht von Deutschen aus, die zum Islam übertreten? Nach der Festnahme von zwei deutschen Konvertiten als mutmaßliche Terroristen will Bayerns Innenminister Günther Beckstein in bestimmten Fällen Übertritte zum Islam überwachen zu lassen. Der Grund: Konvertiten seien besonders fanatisch.

Laut Beckstein neigen Konvertiten "eindeutig dazu, sich durch besonderen Fanatismus der neuen Religion als würdig erweisen zu wollen", sagte Beckstein dem "Handelsblatt" vom Donnerstag. Es gebe zwar "kein Konvertitenregister". Wenn aber "die Sicherheitsbehörden von einem Übertritt erfahren, sollten sie feststellen, ob es sich um eine liberale und humane Richtung des Islam handelt oder um eine islamistische", sagte der designierte bayerische Ministerpräsident.

Nach den vereitelten Bombenanschlägen in Deutschland hatte Bundesinnenminister Schäuble bereits vor der Gefahr durch radikale Konvertiten gewarnt.  Das Problem bei der Verfolgung Terrorverdächtiger ist nach Einschätzung von Experten, dass es kein klares Täterprofil gibt. Weil mutmaßliche Attentäter wie die beiden festgenommenen Konvertiten aus der Mitte der Gesellschaft kommen, sind sie nur schwer zu fassen.

Bei Konvertiten handelt es sich zum Islam übergetretene Bürger. "Man denkt, wer hier aufwächst und die großen Vorteile unserer freien Gesellschaft genießt, ist immun. Aber einige sind für Radikalisierung empfänglich. Das sind gefährliche, fanatische Leute mit hoher krimineller Energie", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe).

Die von Konvertiten ausgehende Terrorgefahr schätzt Kai Hirschmann vom Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik sogar höher ein als bei herkömmlichen Islamisten. „Weil Konvertiten meistens sehr viel ernster radikalisiert werden können, und weil sie als "Novizen" versuchen, noch viel religiöser zu sein, als es die Religiösen schon sind“, sagte er Tagesschau.de. Weiter sagte Hirschmann: „Das macht sie oft besonders fanatisch und dadurch auch besonders gefährlich.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der hessische Terrorismus-Experte Udo Ulfkotte. Demnach sei die Zahl der zum Islam übergetrenen Deutschen sprunghaft angestiegen, sagte er dem Kölner „Express“. Unter den Konvertiten seien prozentual erheblich mehr Extremisten und Gewaltverherrlicher zu finden Der Grund: Konvertiten hätten besondere Lebenskrisen durchlebt, beim Islam seien sie auf der Suche nach Anworten auf persönliche Probleme, sagte Hirschmann dem Blatt. Dass einige dieser konvertierten Menschen psychisch labil seien, mache sie stärker als andere empfänglich für islamische Propaganda.

Dagegen bestreitet der Leiter des Zentralinstituts Islam-Archiv in Soest, Salim Abdullah, einen Zusammenhang zwischen erhöhter Gewaltbereitschaft und dem Übertritt zum Islam. Untersuchungen seines Forschungsinstituts hätten zwar gezeigt, dass neu zum Islam Gekommene dazu neigten, alles richtig machen zu wollen, sagte Abdullah der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe). Sie hätten ein besonders enges Verhältnis zur neuen Religion.

Nach Angaben des Islam-Archivs ist die Zahl der deutschen Konvertiten im vergangenen Jahr stark angestiegen. Waren es 2005 noch etwa 1000 Deutsche, die sich für den Übertritt zum Islam entschieden, so erhöhte sich die Zahl 2006 auf etwa 4000, wie Abdallah sagte. Von den derzeit knapp 3,3 Millionen in Deutschland lebenden Muslimen sind laut Islam-Archiv 18 000 deutschstämmig. Dem Institut werden Neuzugänge von den deutschen Moschee-Gemeinden gemeldet.

Salim Abdullah führt den starken Zulauf von Deutschen zum Islam auf die stärker werdende allgemeine Islamophobie zurück. "Immer wenn der Islam unter Generalverdacht steht, solidarisieren sich viele Menschen mit dieser Religion", sagte Abdullah.


 
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