Abfällige Äußerungen über Einwanderer: Ermittlungen gegen Bundesbank-Vorstand Sarrazin
zuletzt aktualisiert: 01.10.2009 - 17:43Berlin (RPO). Die Berliner Justiz hat gegen den Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin ein Ermittlungsverfahren wegen abfälligen Äußerungen über Einwanderer eingeleitet. Es werde der Anfangsverdacht der Volksverhetzung geprüft, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Donnerstag. Sarrazin entschuldigte sich in einer persönlichen Mitteilung.
Er bestätigte der Nachrichtenagentur AFP damit einen Bericht der Berliner "Morgenpost". Der frühere Berliner Finanzsenator hatte mit Aussagen über in Berlin lebende Einwanderer in einem Interview in der Zeitschrift "Lettre International" Empörung ausgelöst.
Sarrazin hat sich für seine umstrittenen Äußerungen über das Zuwanderermilieu Berlins entschuldigt. "Die Reaktionen, die mein Interview verursacht hat, zeigen mir, dass nicht jede Formulierung gelungen war", heißt es in einer persönlichen Mitteilung Sarrazins. Es sei nicht seine Absicht gewesen, einzelne Volksgruppen zu diskreditieren. "Sollte dieser Eindruck entstanden sein, bedauere ich dies sehr und entschuldige mich dafür", erklärte der frühere Berliner Finanzsenator. Die Bundesbank hatte sich am Vortag entschieden von den Interview-Äußerungen Sarrazins distanziert und sie als diskriminierend bezeichnet.
Sarrazin hatte in dem Gespräch mit der Berliner Kulturzeitschrift "Lettre International" unter anderem eine mangelnde Integration vor allem von Türken und Arabern in Berlin kritisiert. Zudem betonte er, andere Migrantengruppen wie Vietnamesen oder einige Osteuropäer hätten weniger Sprachprobleme und integrierten sich besser. Zugleich hatte Sarrazin zum Rundumschlag gegen seine frühere Wirkungsstätte ausgeholt: Berlin sei insgesamt belastet durch zwei Faktoren: "der 68er-Tradition und dem Westberliner Schlampfaktor. Es gibt auch das Problem, dass vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden", sagte Sarrazin in dem Interview.
Der 64-jährige ist seit dem 1. Mai im Bundesbank-Vorstand und dort zuständig für Bargeld, Informationstechnologie und Risiko-Controlling. Zuvor war er sieben Jahre Finanzsenator in Berlin und verpasste der hoch verschuldeten Hauptstadt einen rigiden Sparkurs. Schon in dieser Zeit war er mit provokanten Äußerungen aufgefallen.
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