NPD-Schatzmeister verhaftet: Erwin Kemna räumt Geldflüsse ein
zuletzt aktualisiert: 08.02.2008 - 16:24Münster (RPO). Der wegen Untreueverdachts verhaftete Schatzmeister der NPD, Erwin Kemna, hat versucht, die verdächtigen Geldflüsse von Konten der Partei auf eines seiner Konten zu erklären. Dabei habe es sich um die Vermittlung von Darlehen gehandelt.
Es seien laut Kemna teilweise zinslose Darlehen, die Privatpersonen über ihn der NPD gewährt hätten, berichteten die Staatsanwaltschaft Münster und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen am Freitag. Diese Darlehen habe er dann an die Darlehensgeber zurückgezahlt.
In seinen ersten Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft sagte Kemna den Angaben zufolge, er habe über die Rückzahlungen keine Belege mehr. Nach Abwicklung der Darlehen habe er die Quittungen vernichtet, die er erhalten habe.
Zum Teil seien die Rückzahlungen in bar auf Autobahnraststätten erfolgt. Weiter gab der 57-Jährige laut Staatsanwaltschaft an, er habe der NPD auch aus seinem Privatvermögen Darlehen gewährt, die im Laufe der Zeit in Raten zurückgezahlt worden seien.
Die Ermittler halten diese Angaben Kemnas für Schutzbehauptungen. Nach dem gegenwärtigen Ermittlungsstand seien Zuflüsse auf Konten der NPD in dieser Höhe nicht festzustellen, hieß es. Insoweit seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Kemna war am Donnerstag unter dem Verdacht der Untreue verhaftet worden. Ihm wird vorgeworfen, mindestens 627.000 Euro von Konten der NPD für sich selbst abgezweigt zu haben. Der 57-Jährige wurde am Freitag dem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete.
Ermittler stellten umfangreiches Material sicher
Bei Durchsuchungen in elf Gebäuden im persönlichen und geschäftlichen Umfeld Kemnas hatten die Ermittler am Donnerstag umfangreiches Material sichergestellt, wie weiter mitgeteilt wurde.
Allein aus der Firma und dem Wohnhaus des Beschuldigten seien mehrere Kisten mit Quittungen und Belegen zur Auswertung mitgenommen worden. Darüber hinaus habe man auch Computer mit Buchungsunterlagen sichergestellt. An einem Objekt dauerten die Durchsuchungen demnach am Freitag an.
Der NPD-Parteivorstand wies unterdessen alle Vorverurteilungen Kemnas zurück. "Es liegen der Partei keine Erkenntnisse vor, die auf ein persönliches Fehlverhalten von Erwin Kemna hindeuten", sagte der Parteivorsitzende Udo Voigt einer Mitteilung von Donnerstagabend zufolge.
Die "exzessiven Durchsuchungen" der Parteizentrale in Berlin und der Verlags GmbH der Parteizeitung in Riesa stünden in keinem Verhältnis zu den erhobenen Vorwürfen.
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