Wirtschaftswissenschaftler: "Ethik-Steuer" auf Kirchenaustritte gefordert
zuletzt aktualisiert: 22.12.2009 - 13:19Berlin (RPO). Der Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Blum will mit einer Ethiksteuer die Austrittswelle aus der Kirche bremsen. "Wer aus der Kirche austritt und keine Kirchensteuer zahlt, sollte eine andere Abgabe an eine soziale Einrichtung wie das Rote Kreuz entrichten." Ein Berater der Bundesregierung wies den Vorschlag zurück.
Das schreibt der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung. Darin schlägt Blum eine "Ethiksteuer nach italienischem Vorbild vor". Der Satz für diese Steuer könne sieben Prozent der Lohn- und Einkommenssteuer betragen.
Damit ließe sich die Zahl der Kirchenaustritte möglicherweise bremsen und ein Trittbrettfahrerverhalten unterbinden. "Schließlich nehmen auch Nicht-Kirchensteuerzahler häufig soziale Dienste oder Seelsorger in Anspruch", sagte Blum.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rechnet laut "Bild"-Zeitung wegen der Wirtschaftskrise in diesem Jahr mit einem deutlichen Einbruch der Kirchensteuereinnahmen.
Der Rückgang gegenüber 2008 werde bei acht bis neun Prozent liegen, zitiert das Blatt einen EKD-Sprecher. Auch die katholische Kirche rechnet mit Mindereinnahmen für 2009. Er erwarte ein Minus bis zehn Prozent, hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zuletzt mehrfach erklärt.
Der Steuerexperte im Sachverständigenrat der Bundesregierung, Wolfgang Wiegard, lehnt die Einführung einer Ethiksteuer für Nicht-Kirchenmitglieder ab. "Das scheint mir nicht zu den vordringlichen finanzpolitischen Themen zu gehören", sagte Wiegard unserer Redaktion.
Vielmehr müsse sich die Bundesregierung auf ein Konzept für die Haushaltskonsolidierung konzentrieren. "Ab 2011 muss entschlossen konsolidiert werden. Und das wird umso schwieriger, je mehr ,Wachstumsbeschleunigungsgesetze' auf den Weg gebracht werden", sagte der Regensburger Ökonom.
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