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Energiepolitik
EU-Kommission plädiert für mehr Atomenergie

Alles über Europas Kommissare
Alles über Europas Kommissare FOTO: AP
Frankfurt/Main (RPO). Die EU-Kommission setzt sich einem Medienbericht zufolge mit Nachdruck dafür ein, die Atomenergie in Europa auszubauen. In einem Bericht zur Energiepolitik kommt die Kommission zu dem Ergebnis, dass die Kernenergie die kostengünstigste Form sei, Strom zu erzeugen, ohne die Umwelt durch Treibhausgase zu belasten - trotz "erheblicher Probleme beim Handhaben des nuklearen Abfalls und der Endlagerung".

Wenn sich an der gegenwärtigen Entwicklung bei Stromverbrauch und Energiemix nichts ändere, werde die Europäische Union im Jahr 2030 bis zu 65 Prozent ihres Energiebedarfs importieren müssen, zitiert die Zeitung.

Die EU-Kommission prognostiziere zudem dramatische wirtschaftliche Folgen, wenn der Klimawandel nicht gebremst werde. In ihrer Klimastudie, die ebenfalls am Mittwoch vorgelegt wird, warne sie, die Zahl der Hitze- und Kältetoten werde sich um bis zu 36.000 beziehungsweise 86.000 Menschen erhöhen, sollte sich das globale Klima bis 2071 im Durchschnitt um 2,2 bis 3 Grad Celsius im Vergleich zu 1990 erwärmen. Die Ernteerträge könnten in Südeuropa um mehr als ein Fünftel zurückgehen.

Gabriel sieht keine Mehrheit für Ausstieg

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die jüngste Debatte um einen Ausstieg aus dem Atomausstieg mit Blick auf die künftige Energiestrategie Deutschlands als nicht sinnvoll bezeichnet. Es gebe derzeit im Bundestag keine Mehrheit für eine Änderung des Atomgesetzes, sagte Gabriel am Mittwoch im ARD Morgenmagazin.

Zum Stopp der russischen Öl-Lieferungen über Weißrussland nach Westeuropa sagte Gabriel, Öl und Atomstrom hätten "praktisch gar nichts miteinander zu tun". Deutschland produziere mit Öl so gut wie keinen Strom. Gabriel sprach sich dagegen für eine stärkere Förderung erneuerbarer Energien aus. Außerdem müsse die Energie-Effizienz etwa durch den Bau sparsamer Autos gesteigert werden.

Gabriel sagte weiter, es gebe auch in der EU eine "geteilte Auffassung" zur Kernenergie. 17 von 27 Mitgliedstaaten hätten Ausstiegssbeschlüsse gefasst oder nutzten die Atomenergie gar nicht. Deutschland habe in dieser Hinsicht keine isolierte Position. Die EU-Kommission wollte im Lauf des Tages ihre neue Energiestrategie für Europa vorstellen.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) stellte den Atomausstieg hingegen erneut in Frage. Angesichts der Unterbrechung der Ölimporte aus Russland sei es "dringend notwendig", über eine Revision des Ausstiegs nachzudenken, sagte Glos in den ARD Tagesthemen. "Wir wollen nicht einseitig abhängig sein". Zu dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geforderten Energiemix "gehört auch die Kernkraft". Mit Blick auf die ablehnende Haltung des Regierungspartners SPD sagte Glos aber: "Das heißt nicht, dass ich neuen Streit anzetteln will."

(ap)
 
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