Seit 35 Jahren an der Seite des neuen Bundespräsidenten: Eva Köhler: "First Lady" war SPD-Mitglied
zuletzt aktualisiert: 01.07.2004 - 15:35Berlin (rpo). Nach der Vereidigung ihres Mannes konnte man Eva Köhler die Erleichterung ansehen. Die beiden sind seit über drei Jahrzehnten ein gutes Team.
Im dunklen Kostüm mit dezentem Silberschmuck nahm sie strahlend die Glückwünsche entgegen, die auch ihr am Donnerstag im Berliner Reichstagsgebäude überbracht wurden. Seinen Vorgänger Johannes Rau hatte der neue Bundespräsident zuvor zitiert: "Ohne meine Frau hätte ich dieses Amt nicht ausfüllen können." Horst Köhler fügte hinzu, ihm werde es sicher nicht anders gehen. Denn seit mehr als 35 Jahren sind die Köhlers verheiratet - und Eva Köhler ist nun neue "First Lady".
Die beiden sind seit Jahren ein gutes Team. Es sei ihr immer wichtig gewesen, sich mit den beruflichen Zielen ihres Mannes zu identifizieren, sagt die 57-Jährige. Um bei ihm zu sein, musste sie zwar viele Umzüge in Kauf nehmen. Vor vier Jahren zog sie mit ihrem Mann von London nach Washington, als er Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde. Dort lebte das Ehepaar in einem zweistöckigen Bau in der Nähe der National Cathedral. In den vergangenen Wochen war sie damit beschäftigt, den Hausstand aufzulösen, nachdem ihr Mann im März überraschend als Kandidat von Union und FDP für das Bundespräsidentenamt nominiert worden war. Dennoch freute sich die Ehefrau des neuen Präsidenten, die immer elegant gekleidet ist und klassische Linien bevorzugt, auf Berlin. Ihr Denken sei immer sehr mit Deutschland verbunden gewesen, sagt sie.
Eva Luise Köhler kommt aus Ludwigsburg in Baden-Württemberg und studierte neben Geschichte und Deutsch auch Religion. Sie selbst bezeichnet sich als "gläubigen Menschen". Ihr Examen schrieb sie über die Anfänge der Gewerkschaftsbewegung, trat Anfang der 70er Jahre in die SPD und engagierte sich in der Kommunalpolitik. Beeindruckt habe sie damals die Ostpolitik von Willy Brandt, erinnert sie sich. Doch 1990 gab Eva Köhler nach "jahrelangen Diskussionen" mit ihrem Mann und zunehmender Distanz das Parteibuch wieder ab.
Die Frau mit den braunen Haaren arbeitete nach dem Studium jahrelang als Lehrerin - Kinder und Karriere ihres Mannes standen aber im Vordergrund. Manchmal habe sie sich wie eine alleinerziehende Mutter gefühlt, sagt sie. Die Köhlers haben zwei erwachsene Kinder: Tochter Ulrike studiert in Frankfurt Germanistik, Italienisch und Englisch. Sie ist an einer unheilbaren Augenkrankheit erkrankt, die in Schüben zur Erblindung führte. Sohn Jochen studiert in Köln und wurde bereits mit 17 Jahren Vater. Ihre Familie habe einen "guten Zusammenhalt", sagt Eva Köhler, früher sei viel zusammen musiziert worden. Sie selbst spielt Klavier, Flöte und etwas Gitarre. In Washington sang sie im Kirchenchor. Die sportliche Frau schwimmt gerne und geht regelmäßig mit ihrem Mann ins Fitnessstudio.
Über ihre gesellschaftlichen und repräsentativen Schwerpunkte als "First Lady" wollte sie bisher noch nichts Konkretes sagen. Als Lehrerin lägen ihr die Sorgen der Kinder am Herzen, aber auch die der älteren Bürger. Auch will sie sich dem Kampf gegen die Armut widmen. Doch erst einmal würde sich Eva Köhler Rat holen: Nach der Wahl ihres Mannes fände sie es schön, "wenn Frau Rau mir etwas von ihren Erfahrungen mitteilen könnte".
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