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Interview mit Ex-Generalinspekteur Kujat
"In Mali eine führende Rolle übernehmen"

Ex-Generalinspekteur Harald Kujat: "In Mali eine führende Rolle übernehmen"
Bundeswehrsoldaten bilden im Mai 2013 in Koulikoro, in Mali Pioniere der Armee Malis aus. FOTO: DPA
Düsseldorf. Die Europäische Union steht nach den Terroranschlägen von Paris erstmals vor einer Art Bündnisfall. Hilfserwartungen richten sich auch an Deutschland. Der ehemalige Generalinspekteur Harald Kujat sieht eine "ziemliche Herausforderung" für die Bundeswehr in Afrika. Von Gregor Mayntz

Was sollte Deutschland den Franzosen liefern?

Kujat Das hängt davon ab, was die Franzosen haben wollen und was wir leisten können und politisch leisten können. Es geht wohl vor allem darum, sie im Sekundärbereich zu entlasten. Wenn wir etwa die Ausbildung der Peschmerga im Nordirak ausbauen, könnten wir mit relativ geringem Aufwand eine Menge erreichen. Die sind ja durchaus erfolgreich im Kampf gegen den IS. Wir könnten auch in Mali eine führende Rolle übernehmen. Das wäre zwar eine ziemliche Herausforderung, doch das könnten wir sicherlich wuppen, auch wenn die Soldaten noch in Afghanistan, in anderen Missionen und in der Flüchtlingsthematik im Einsatz sind.

Ist die Bundeswehr auf die zunehmende hybride Kriegsführung jenseits herkömmlicher Waffen vorbereitet?

Kujat Die besten Voraussetzungen sind dann gegeben, wenn die Streitkräfte ihre primären Aufgaben der Bündnis- und Landesverteidigung exzellent erfüllen. Eine moderne Armee wäre so leistungsfähig, dass sie auch mit neuen Herausforderungen zurecht käme. Beim Vorgehen gegen den IS-Terror gehören Fähigkeiten der strategischen Aufklärung, der strategischen Verlegung und weitreichender Waffen hinzu. Vieles davon ist aber vernachlässigt worden. Da gibt es einen erheblichen Nachholbedarf.

Haben Sie Beispiele?

Kujat Nehmen Sie die Transportkapazitäten. Da haben wir Flugzeuge, die können so wenig zuladen, dass sie schon fast durch die Frühstücksbrote der Besatzung an die Grenzen stoßen.

Ist Besserung in Sicht?

Kujat Es scheint uns nicht wirklich zu kümmern. Deutschland hat sich international verpflichtet, den Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt auf zwei Prozent zu erhöhen. Tatsächlich ist er auf 1,2 Prozent gesunken. Die Ausgaben für Waffen müssten 30 Prozent des Etats ausmachen, wenn die Armee modern bleiben soll. Festgelegt haben wir uns auf 20 Prozent. Tatsächlich stehen wir bei 14,2 Prozent.

Gregor Mayntz führte das Interview.

Quelle: RP
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